Der Weihnachtsmann lauert dem neuen Hausherrn im Schuppen auf und brät ihm mit der Schneeschaufel eins über. Unter dem Kostüm steckt der eifersüchtige Ex, und der ist fest entschlossen, sich trotz Scheidung die Bescherung seiner Kinder nicht nehmen zu lassen. Andernorts wird ein Obdachloser ohne Fahrschein (Reidar Sørensen) aus dem Zug geworfen.

Mit der christlichen Nächstenliebe, so scheint es, ist es nicht weit her in dem norwegischen Dorf Skogli. Zu Weihnachten hat der norwegische Regisseur Bent Hamer einen weihnachtlichen Episodenfilm gedreht: Home for Christmas. Wie Maria und Joseph irren darin auch eine hochschwangere Immigrantin aus dem Kosovo (Nina Zanjani) und ihr Mann (Igor Necemer) auf der Suche nach einer Bleibe durch die verschneiten Wälder.

Den sechs Erzählsträngen Hamers liegt ein Kurzgeschichtenband von Levi Henriksen zugrunde. Es geht um verschiedene Formen der Einsamkeit, die am Heiligen Abend für die Figuren in einem besonders grellen Licht erstrahlt. Die Wege der Menschen kreuzen sich und werden durch die Begegnungen sanft in andere Umlaufbahnen gelenkt.

Doch Hamers Stärke liegt nicht im mehrsträngigen Erzählen. In seinem letzten Film O’Horten hatte er sich kompromisslos auf seine Hauptfigur konzentriert und in äußerst lässigem Erzähltempo das skurrile Porträt eines pensionierten Lokomotivführers gezeichnet. Auch in Home for Christmas versucht Hamer mit langen, bewegungslosen Totalen, besinnlichem Soundtrack und sanft gleitendem Schnitt Ruhe und Gelassenheit zu simulieren. Aber zu schnell wechseln die einzelnen Geschichten einander ab, das Episodenkonzept lässt den eher wortkargen Figuren keine Chance sich zu entwickeln. Ihre Charakterisierung bleibt oberflächlich. Kaum ist die persönliche Problemlage skizziert, muss auch schon deren Lösung eingeleitet werden, um dem Anspruch auf ein weihnachtliches Kollektiv-Happy-End inklusive Sternenleuchten gerecht zu werden.

Dennoch: Selbst im sentimentalen Korsett eines Christmas-Movie verteidigt Hamer, der hier wie in all seinen Filme für Regie, Drehbuch und Produktion verantwortlich zeichnet, seinen eigenen visuellen Stil. Jedes Bild ist farblich genau durchkomponiert, jedes Setting stimmig eingerichtet, die Ausschnitte sind messerscharf gewählt und jede Bewegung darin mit Bedacht choreographiert. Hätte Hamer mit der gleichen Präzision seine Charaktere gestaltet, hätte aus Home for Christmas weit mehr als ein mittelmäßiger Wohlfühlfilm für die Feiertage werden können.