Ein Mann von Welt verbraten.

Ach ja, der Skandinavier. Er ist wortkarg, von knorzigem Wesen und mit einem mehr oder weniger ausgeprägten Alkoholproblem belastet (Die Kälte! Der Lichtmangel!). Sein Hang zur Schwermut kann ihm nur deshalb nichts anhaben, weil er mit diesem einzigartigen schwarzen Humor gesegnet ist. Das alles wissen wir aus zahlreichen nordischen Krimis und schwarzen Komödien. Und weil sich Klischees dem Kinopublikum hervorragend verkaufen lassen, hat der norwegische Regisseur Hans Petter Moland nahezu alle in seinem Film

Ulrik (Stellan Skargard: schweigsam, knorzig, mit Hang zur Schwermut) wird aus dem Knast entlassen und steht nun vor dem Rest seines Lebens. Sein Gangsterboss Jensen (Bjorn Floberg) nimmt ihn in Empfang, verschafft ihm ein Zimmer im Haus seiner Schwester und einen Job in einer Autowerkstatt. Es könnte also eigentlich alles gut sein, würde Jensen, der eigentlich ein ganz Netter ist (schließlich Skandinavier), nicht unbedingt darauf bestehen, dass Ulrik den Mann tötet, der ihn einst bei der Polizei verpfiffen hat.

Ulrik hat allerdings wenig Lust, seinen Verräter von damals zu beschatten und beobachtet lieber seinen Sohn aus der Ferne, zu dem ihm seine Ex-Frau jeden Kontakt verboten hat.

Die Coming-out-of-Knast-Geschichte plätschert so dahin und natürlich tut Ulrik alles, was er nicht tun soll: Er nimmt Kontakt zu seinem Sohn auf und bändelt mit der Tochter seines Chefs an. Der einzig schräge Handlungsstrang ist die amouröse Verstrickung zwischen Ulrik und seiner Zimmerwirtin Karen Margarete (Jorunn Kjellsby).

Die Schwester seines Gangsterbosses stellt Ulrik nämlich nicht nur jeden Abend ein warmes Essen hin, sondern verlangt dafür auch seinen Einsatz als Liebhaber. Und so starrt Ulrik jedes Mal sehnsüchtig auf den vollen Teller, während die Wirtin schon den Schlüpfer fallen lässt. Ein Gag, dessen Komik sich allerdings nach dem zweiten Mal erschöpft.

Nach dem Kinostart in Norwegen wurde Hans Petter Molands Ein Mann von Welt mit den Werken Aki Kaurismäkis verglichen. Dabei arbeiten die beiden Regisseure mit genau gegenteiligen Stilmitteln: Während Kaurismäkis Charaktere tiefste Gefühle mit einem Minimum an Gestik auszudrücken wissen, lässt Moland seine Protagonisten als grell überzeichnete Clownstruppe auftreten.

Sein Gangsterchef Jensen ist ein schmieriger, in die Jahre gekommener Kleinkrimineller, der ständig seinen depperten Gehilfen Rolf abkanzelt. Die Zimmerwirtin Karen Margarete pflegt ihre hexenhaft schlechte Laune und besitzt Mundwinkel, die Angela Merkel das Fürchten lehren könnten.