Sie sind immer noch zu haben, die T-Shirts, Stofftaschen und Plakate des Regisseurs David Lynch. Das darauf gedruckte Gesicht soll ein Selbstporträt sein. Düster blickt es drein, halbseitig bepunktet und seltsam durchbohrt von einem dicken schwarzen Strich. Regulär kostet das Shirt 50 Euro, zu Weihnachten reduziert 37,50. Wie viel er schon über seine Homepage lynchthree.com seit Mitte des Jahres verkauft hat, erfährt man nicht. Lynch, der mit Wild at Heart und Lost Highway fantastische Albträume ins Kino gebracht hat, ist persönlich nicht zu erreichen. Auf Facebook hat seine Aktion 1062 Fans – das ist für einen Regisseur mit diesem Namen überschaubar.

Wer ein T-Shirt kauft ist nicht nur stolzer Besitzer, er ist Teil eines großen Projektes. Mit dem Erlös will der Regisseur den dritten Teil seiner Filmografie finanzieren. Crowdfunding nennt man das oder Crowdsourcing. Anstatt den Direktor eines Hollywood-Studios zu überzeugen, zapft Lynch die Masse an. Neu ist dieses Prinzip im Grunde nicht. Viele Menschen unterstützen gemeinsam eine in ihren Augen wichtige Sache – die meisten Hilfsorganisationen funktionieren auf diese Weise.

Inzwischen ist es auch für Künstler einfacher geworden, weltweit Förderer zu finden. "Crowdfunding ist die Demokratisierung des Mäzenatentums", sagt Gregor Hopf, Professor an der Hamburg School of Business Administration und freischaffender Produzent: "Spenden einsammeln, ohne Betteln zu müssen."

Die britische Regisseurin Franny Armstrong hat bewiesen, dass es klappt. Ihr erfolgreiches Umweltdrama The Age of Stupid – Warum wir nichts tun kam 2009 in die Kinos und ist quasi das Referenzprojekt für alle Crowdfunder. Sechs Jahre lang, so erzählt man sich, hat sie die Werbetrommel gerührt, um auf das Budget von 450.000 britischen Pfund zu kommen und ihre Crew hat weit unter Tarif gearbeitet, doch der Aufwand hat sich gelohnt. Nur ein unabhängig produzierter Film kann sich eine solch radikale Botschaft leisten – ohne Rücksicht auf etwaige Interessen und ohne Zugeständnisse an die Quote.

"Ich wollte die absolute Freiheit, den Film zu machen, den ich wollte", sagte denn auch Armstrong in mehreren Interviews. Und gerichtet an ihre Kollegen: "Niemand sollte sich von jemandem vorschreiben lassen, was er denken soll. Unabhängige Filme sind im Moment der beste Weg, um beim Publikum die stärksten Emotionen zu erzeugen."