Film "Vater Morgana" Das große Vergessen
Ein alzheimerkranker Vater löst in Till Endemanns Komödie allerlei Verwicklungen aus. Dabei erzählt der Regisseur aber auch von einer schwierigen Vater-Sohn-Annäherung.
Wenn man Alzheimer hat, kann es passieren, dass man um "Matjes" statt um "Zucker" bittet, dass man "Bügelbretter" sagt, wenn man "Scheibenwischer" meint, und ein U-Boot ordert, um nach Kuba zu kommen. Walther in Till Endemanns Films "Vater Morgana " führt eigens ein kleines schwarzes Notizbuch, in das er notiert, was er statt "Matjes" oder "Bügelbrett" korrekterweise sagen sollte.
In der Komödie geht es ums Vergessen. Zunächst hat Walter vergessen, wo er die Diamanten versteckt hat, die er vor wenigen Stunden geraubt hat. Sein Sohn Lutz möchte das dringend aus ihm herausbekommen, denn er wird verdächtigt, bei dem Raub der Komplize seines Vaters gewesen zu sein. Das kostet ihn seinen Job in einer Sicherheitsfirma und droht seine Beziehung zu zerstören. Also muss sich Lutz mit seinem Vater auseinandersetzen und vergessen, vielleicht sogar vergeben, dass sein Vater eigentlich nie da war, wenn er ihn gebraucht hätte. Und schließlich geht es um das ganz große Vergessen, das die Krankheit Alzheimer mit sich bringt und gegen das auch ein Notizbuch nicht mehr hilft. Das sorgt in der Komödie für ein paar wirklich schöne Szenen in Moll.
Endemann liefert den Beweis, dass man auch eine für die Betroffenenen so bedrückende Krankheit wie Alzheimer als Stoff für eine Komödie bearbeiten kann. Damit wir über etwas zutiefst Trauriges lachen können, benötigen wir einen Sicherheitsabstand. Den bietet Endemann, indem er zwar deutlich macht, dass Walther tatsächlich an Alzheimer leidet, jedoch im Vagen lässt, in welchem Maße. Michael Gwisdek schafft es ganz wunderbar, dieses changierende Spiel zu spielen. Ist das Erstaunen darüber, dass seine Ex-Frau seit elf Jahren tot ist, echt? Oder nur vorgeschoben wie die Verlegenheit, als er mit eingenässten Hosen vor seinem Sohn steht - und nur er weiß, dass es absichtlich verschüttetes Gießwasser ist. Manchmal zittert Walthers Unterlippe und man ahnt den Speichel, der dem Alten wohl bald aus dem Mund rinnen wird. Doch noch sitzt der helle Anzug untadelig und betont seinen Charme als Frank Sinatra des Altenheims.
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Auch Christian Ulmen spielt den anfangs überforderten Sohn sehr überzeugend. Soll der Alte, der nie im passenden Moment da war, doch auch jetzt bitteschön einfach wieder verschwinden! Bis er das final tut, müssen sich Vater und Sohn durch eine ganze Reihe Verwicklungen und Slapstick-Einlagen turnen. Das sind die Szenen in Dur.
Fehlen die Frauen. Felicitas Woll ist die Freundin von Lutz, die als Polizistin nicht mehr weiß, ob sie ihrem Freund noch trauen kann. Es ist bemerkenswert, wie sie ihr Gesicht, das dem des sympathischen Mädchens von Nebenan ähnelt, zum Strahlen bringen kann und später die Zweifel widerspiegelt, die an ihr nagen. Auch Ulrike Krumbiegels Auftritte als Freundin des alzheimerkranken Dandys sind gelungen - Till Endemann hatte eine glückliche Hand bei der Besetzung.
"Vater Morgana" ist eine Vater-Sohn-Geschichte, die gut in die Familienzeit um Weihnachten passt und eine Schlussszene der Extraklasse bietet. Denn beinahe hätten wir vergessen, dass wir doch unbedingt noch erfahren wollten, was Walther mit dem "U-Boot" meinte.
- Datum 15.12.2010 - 19:15 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 2
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Die Rezension macht grosse Lust auf den Film.
Der Trailer eher nicht...
So langweilig und witzlos kommt heute nicht einmal Waschmittelwerbung daher.
So kann man sich irren
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