Kurzfilm "Gray Hawk" Wie spießig ist Rock 'n' Roll?

In jeder Vater-Sohn-Beziehung kommt der Tag der Rebellion. Linus de Paoli erzählt in seinem Kurzfilm "Gray Hawk" eine sehr ironische Version dieses Moments der Befreiung.

Cat Stevens sang in Father and Son von der Rebellion eines Sohnes gegen den Vater. Franz Kafka rang in Leben und Werk mit seinem Vater. Der Konflikt zwischen dem Alten und dem Jungen ist eine so intensive menschliche Erfahrung, dass er viele Künstler inspiriert hat. Linus de Paoli drehte 2007 mit Gray Hawk eine sehr ironische Version von dem Moment, wenn der Vater plötzlich nicht mehr das uneingeschränkte Idol ist.

Hawk ist ein Vater, wie ihn sich ein rebellischer Teenager nur wünschen kann. Der alte Rock’n’Roller feiert das Leben, predigt den Nonkonformismus und lebt vor allen Dingen für die Musik. Mit seinem Sohn Billy zelebriert er das Leben als Außenseiter in einer Reihenhaussiedlung. Irgendwann entdeckt Hawk, dass sein Sohn nicht so ein Vollblut-Rocker ist, wie er glaubte. Anstatt mit seiner Band die Straßen unsicher zu machen und das unangepasste Leben zu genießen, geht der Junge zur Abendschule und plant zu studieren. Es kommt zur Konfrontation zwischen Vater und Sohn. Beide müssen lernen, dass Freiheit eine Frage der Perspektive ist.

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Die Figuren de Paolis sind markig, aber glaubwürdig. Dass der Regisseur ausgerechnet einen skurrilen Rockersohn aus der Reihenhaussiedlung zum Spießer macht, ist ein intelligentes Spiel mit den Klischees. Gray Hawk ist eine Parabel, in der für den Rock’n’Roll jeder andere Lebensstil eingesetzt werden kann. Am Ende bleibt immer nur die Frage, wer eigentlich angepasst ist und wer sein eigenes Ding macht.

Zum Film

Gray Hawk , 2007, 16 Minuten. Regie: Linus de Paoli, Drehbuch: Linus und Anna de Paoli, Kamera: Luciano Cervio. Mit Jochen Nickel und Robert Höller

 
Leser-Kommentare
    • douro
    • 27.12.2010 um 16:26 Uhr

    Gray Hawk ist ein wunderbarer und authentischer Film. Ein Vater, der das Beste für seinen Sohn will und mit ihm seinen eigenen Lebensstil lebt. Und ein Sohn, der einen eigenen Weg gehen will und die Werte seines Vaters trotzdem schätzt.
    Diese Mischung aus Vaterstolz und Enttäuschung für den Vater, wenn der Sohn es "anders als der Vater" machen will, durchlebt man als Vater. Oft in kleinen Dingen des Alltags.

    Ich bin begeistert von diesem Film. Einerseits weil ich die Rock n Roll Musik liebe und andererseits weil in diesem Film von ca. 16 Minuten alles gesagt wird. Es müssen nicht immer 1 1/2 Stunden sein.
    Vielen Dank, Klasse gemacht !

    • xsirup
    • 28.12.2010 um 13:55 Uhr

    Wenn Ernsthaftigkeit grundlegender Aspekt für jede Existenz ist, stellt sich die Frage, ob Spießigkeit in einem konservativen Sinne notwenig ist. Die Akzeptanz unterschiedlicher Perspektiven wird durch konservative Einflüsse gehindert. Die Frage nach welchen Kriterien der hinter einer Perspektive liegende Lebensentwurf gewählt wird, stellt sich nicht durch Rock 'n' Roll. Ob Rock 'n' Roll Antworten auf notwendige Fragen geben kann, liegt im Wesen der Musik und an der Akzeptanz der Antworten.

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  • Schlagworte Rock | Franz Kafka | Film | Musik | Kurzfilm | Lebensstil | Idol | Drehbuch
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