Ein Hans im Glück ist Hans Narva, der Protagonist in Claudia Lehmanns gleichnamigen Dokumentarfilm, nun wirklich nicht. Vielmehr ist sein Leben von Schicksalsschlägen, der Willkür der Staatsmacht und schweren Depressionen gekennzeichnet. Der Ostberliner Narva ist vor allem als Bassist der Band Herbst in Peking bekannt, deren Song Bakschischrepublik eine der Hymnen der Wendezeit war.

Der Film setzt ein, als der inzwischen 40-jährige Musiker eine Therapie beginnt, um das Gericht milde zu stimmen. Ihm droht nämlich eine Gefängnisstrafe, weil er mehrfach ohne Führerschein beziehungsweise unter Alkoholeinfluss Auto gefahren ist. Im Laufe der Therapie und des Films kommen Narvas Wunden und Verletzungen zum Vorschein. Als 15-Jähriger wurde er in der DDR zu anderthalb Jahren Jugendhaft verurteilt, wegen angeblicher Beteiligung am Straßenkampf und geplanter Republikflucht.

Gemeinsam mit der Regisseurin besucht Narva die ehemalige Haftanstalt Rummelsburg in Berlin und sieht, wie die ehemaligen Zellen gerade zu Musterwohnungen umgebaut werden.

Das Gefühl, dass da irgendwas nicht richtig läuft, und zwar sowohl in Ost wie West, begleitet Narva sein Leben lang. Halt gibt ihm immer wieder die Musik. Seine Bands sind seine Ersatzfamilien, die Inchtaboktables retten ihn mit einem Engagement vor seinem Vorsatz, sich totzusaufen.

Narva ist ein wunderbarer Erzähler seiner eigenen Lebensgeschichte, die er mit einer Mischung aus Naivität und Stoizismus vorträgt. Er kommt einem vor wie ein trauriger Clown, der zwar lacht, aber innerlich zu weinen scheint. Im Laufe des einstündigen Films lässt Narva die melancholische Seite an sich immer mehr zu, und so kann man Hans im Glück vielleicht auch als filmische Therapie sehen.

Als die Zeitschrift Spex die Regisseurin Claudia Lehmann fragte, wie Narva denn der Film gefallen habe, sagte sie, er sei bei der Berlinale-Vorführung 2009 an ihrer Schulter eingeschlafen. Was aber viel wichtiger ist: Seit der Vorführung des Films auf dem Wendland-Festival spielen Regisseurin und Hauptdarsteller zusammen in seiner Band Hands up Excitement .

Zum Film

Hans im Glück , 60 Minuten, Digi Beta, Regie und Buch: Claudia Lehmann, Produzenten: Claudia Lehmann, Marc Minneker