Zweiohrküken zeigt uns Til Schweiger erneut einen Vogel: Der verrätselte Titel Kokowääh meint die französische Nationalspeise Coq au vin , in welcher ein Hähnchen mit Burgunder befeuert wird. Wohlgemerkt: Die unorthodoxe Orthographie ist keiner Bildungsschwäche des Regisseurs geschuldet; sie entstammt einer Szene im Film, in der ein achtjähriges Mädchen beim Scrabble-Spiel mit phonetischer Schreibweise punktet.

Nach

Das Mädchen, Magdalena, ist der Zankapfel in der Kuckuckskind-Erzählung, die Til Schweiger ausgebrütet hat. Magdalena wird von Tils Tochter Emma gespielt; er selbst hat Regie geführt, den Film produziert, die Geschichte geschrieben und sich mit der Hauptrolle bedacht.

Schweiger spielt den Drehbuchautor Henry. Henry ist fast so mies dran wie der wohl bekannteste Drehbuchautor der Filmgeschichte, Joe Gillis aus Sunset Boulevard . Während Gillis die Rate für seinen 1946er Plymouth nicht bezahlen kann, fehlt Henry das Geld, um seinen abgeschleppten Kleinwagen auszulösen. Mehr Glück hat Henry beim Abschleppen von Frauen. Doch irgendwann geben sich die Tussen die Klinke in die Hand – und darüber sind sie nicht erfreut. Die Frauen laufen davon; der arme Kerl hat es nicht leicht. Dann, aus heiterem Himmel, kriegt er die große Chance, an der Adaption eines Bestsellers mitzuarbeiten.


Der Haken: Die Bestsellerautorin ist seine Ex-Freundin (Jasmin Gerat). Damit nicht genug, steht plötzlich die kleine Magdalena vor der Tür – und erklärt, bei Henry wohnen zu müssen. Wie sich herausstellt, ist Magdalenas Erscheinen die Spätfolge eines längst vergessenen One-Night-Stand. Die Mutter kann sich nicht kümmern, da sie in einen Gerichtsprozess in New York involviert ist; der Vater des Kindes hat die Familie verlassen, als er erfuhr, dass er nicht der leibliche ist. Also ist es an Henry.

Henry agiert als Vater zunächst ähnlich hölzern wie Til Schweiger als Schauspieler. Der Breisgauer, der mit der Prollkomödie Manta, Manta (1991) durchstartete, stolziert auch zwanzig Jahre danach wie ein Gockel durchs Bild. Der 47-Jährige sieht aus wie aus dem Ei gepellt: Selbst als darbender Drehbuchautor ist sein Gesicht glanzpoliert wie in der Reklame für den Rasierer mit dem Triple Action Free Float System. Doch für Schweiger spricht: Er weiß um seine Grenzen. Als Schauspieler versucht er sich gar nicht erst in nuancierten Rollen, als Regisseur inszeniert er sich mit Vorliebe in unverfänglichen Komödien.

Til Schweiger ist der Dieter Bohlen des deutschen Filmschaffens: Frohgemuts bedient er die Zerstreuungssucht der Masse. Sein einziger Anspruch ist die Unterhaltung. Tiefsinn? Ihm doch schnurzpiepegal. Dagegen ist nichts einzuwenden. Seine Filme sind kurzweilig. Handwerklich hat er das Nötige drauf. Mit Kokowääh beweist er einmal mehr, dass er sich auf das Zubereiten von Wohlfühlkino versteht. Allein die Kulisse! Schweigers Berlin ist blitzblank wie Zürich und charmant wie Paris; es wird nur bei Sonnenschein gefilmt, oder im Felix hinterm Adlon. Und das dramaturgische Höhepünktchen gibt’s zu einer Tasse Kaffee im pittoresken Ausflugslokal am Havelufer in Potsdam. Ein Idyll, als wären wir im Heimatfilm. Hübsche Ironie am Rande: Henry verdient seine Brötchen mit der Fernsehserie Der Förster vom Spreewald ; der fast gleichnamige Förster vom Silberwald war der Prototyp des Heimatfilms.