Anleitung zum Träumen, einem früheren Film von Michel Gondry, gibt es eine Szene, in der die Hauptfigur, ein kauziger Tüftler, einer Frau imponieren möchte, mit einer 3D-Brille. "Aber ist das Leben nicht ohnehin in 3D?", fragt die Frau belustigt, bevor sie das Pappgestell aufsetzt. "Nun ja, schon", stammelt der Typ, "aber trotzdem".

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Bis heute inszenierte Michel Gondry wie ein ebensolcher Tüftler. Der Filmemacher frönte albernen Basteleien, betrieb einen augenzwinkernden Umgang mit der Technik. Trotzig verschrieb sich der Franzose einem Laissez-Faire-Look, ließ primitive Stop-Motion-Tricks ablaufen oder malte die Kulisse gleich ins Bild, als wäre er Georges Méliès. Gondry pflegte den Charme des Unperfekten. Bis heute. Für The Green Hornet hat der Regisseur der Bastelbogen-Ästhetik entsagt und alles Verfügbare an Technik herangekarrt. Er reicht uns 3D-Brillen und duldet keine Widerrede. Die Actionkomödie ist eine Großproduktion, Gondry spielt nun nach den Regeln des Blockbusters.

Die Figur des Green Hornet entstammt einer Radioserie der 1930er Jahre. Alsbald folgten Comic-Hefte, in den 1960er kam "die grüne Hornisse", wie the green hornet übersetzt lauten müsste, mit Bruce Lee an ihrer Seite ins Fernsehen. Bei Gondry spielt Seth Rogen ( Beim ersten Mal ) den Superhelden Green Hornet, der bürgerlich Britt Reid heißt. Britt ist der Sohn eines Medienmoguls und Vollzeit-Partylöwe. Als der Vater stirbt, erbt der Filius das Medienimperium. Er freundet sich mit Kato (Jay Chou) an, einem Bediensteten des Papas. Kato kann nicht nur Kaffee mit hübschen Schäumchen kredenzen, er ist auch ein vifer Kampfsportler und begnadeter Ingenieur, der The Black Beauty baut, ein unzerstörbares Auto. Britt sieht die Chance gekommen, zum ersten Mal in seinem Leben etwas Sinnvolles zu tun: Verbrechen bekämpfen. Fortan zieht er sich ein Superheldenkostüm über und nennt sich The Green Hornet. Unterstützt von Katos Gadgets und Kampfkünsten beginnt er die Jagd auf einen Schurken (Christoph Waltz).

Dieser Superheld kann keine Netze spinnen, nicht fliegen, nicht zu einem Bärenmarder mutieren; er ist kein Philanthrop wie Batmans Alter Ego Bruce Wayne, und auch kein genialer Physiker wie Hulk im Ruhepuls. Nichts von alledem. Dieser Green Hornet ist ein Hornochse. Hinter der Maske verbirgt sich ein Holzkopf. Als Co-Autor hat sich Seth Rogen die Rolle des blasierten Taugenichts mit Superhelden-Spielzeug auf den Leib geschrieben.

Das Skript folgt der Dramaturgie des Actionfilms, wie ein Insekt den Blüten. Zwei ungewöhnliche Abweichungen hat das Drehbuch dennoch in petto: Laut Drehbuch-Ratgeber-Literatur müsste Rogens Figur im Verlauf des Films eine Entwicklung durchmachen, etwa an Tapferkeit oder an Herzlichkeit gewinnen – doch dieser Britt Reid ist und bleibt eine Null. Daraus folgt die zweite Besonderheit: Die eigentliche Hauptfigur, der wahre Held, ist nicht The Green Hornet, sondern sein Handlanger, Kato. Diese Konstellation ist erfrischend, aus ihr ergeben sich komische Momente. Unverständlich ist nur, dass Kato von Jay Chou gespielt wird, einem Popstar aus Taiwan, der des Englischen kaum mächtig ist. Chou radebrecht seinen Part, dass sich einem die Haare sträuben.

Christoph Waltz (Inglourious Basterds ) hat ein anderes Problem mit seiner Rolle: Das Drehbuch gibt ihm keine pointierten Zeilen. Zwar mimt Waltz den Bastard mit ähnlich fieser Schadenfreude wie in seiner Oscar-Rolle, aber ohne einen Quentin Tarantino als Zitatgeber ist das höchstens halb so amüsant.