In Debatten zur Integration in Deutschland redet man gerne über Menschen mit Migrationshintergrund. Wer diese Menschen sind und was sie antreibt, kommt häufig jedoch zu kurz. Die  Regisseurin Dorothea Carl konzentriert sich deshalb in ihrem dokumentarischen Kurzfilm zwischen welten auf die Personen hinter dem Stereotyp Migrant. In schlichten Gesprächen lässt Carl sieben Frauen aus Migrantenfamilien ihre Geschichte erzählen. Dabei entstehen erfrischend unaufgeregte Portraits von Gastarbeitertöchtern, Asylbewerberinnen und ausländischen Studentinnen, die in Deutschland geblieben sind.

Schnell begreift der Zuschauer wie unterschiedlich die Beweggründe, Erfahrungen und Lebenswelten der Protagonistinnen sind. Auf diese Weise zeigt Carl, wie schwierig es ist, von Migranten als einer homogenen Gruppe zu sprechen. Obwohl alle Frauen die einschneidende Erfahrung der Einwanderung nach Deutschland teilen, sind ihre Lebenswege doch grundverschieden.

Bemerkenswert ist, wie die Regisseurin kritische Themen wie Zwangsheirat oder Unterdrückung durch die Familie anspricht. Ohne reißerische Klischees zu bedienen, gibt sie ihren Protagonistinnen Raum, diese persönlichen Konflikte zu reflektieren. Durch das Gegenüberstellen der verschiedenen Lebenswege überlässt der Film eine Wertung dem Zuschauer.

Vielen der übermütigen Diskutanten zum Thema Integration würde dieser Film gut tun, denn er zeigt die Menschen, die  mit der Herausforderung Integration tatsächlich umgehen müssen. Und er zeigt den Mut, der dazu gehört, sich für ein Leben zwischen zwei Kulturen zu entscheiden.

Zum Film:

zwischen welten , 2009, 16:47 Minuten. Regie, Kamera, Schnitt: Dorothea Carl, Ton: Nicole Graul, Julia Berg, Tonmischung: Jens Röhm, Herstellungsleitung: Nils Hartlef