Mit Seitenscheitel, Rautenpullover und Brille auf der Nase sieht Wigald auf den ersten Blick aus wie ein junger Mann auf seinem unsicheren Weg ins Leben. Doch für die Außenwelt unsichtbar brodelt es unter Wigalds unscheinbarer Fassade. Einen bunten Tablettencocktail im Magen sitzt er vor dem aufgedrehten Gashahn, einen Revolver an der Schläfe und den Finger am Abzug. Die Abschiedsbotschaft, sehr lyrisch, ist längst verfasst.

Doch Wigalds von einer Midlife-Crisis gebeutelter Vater (Manfred Zapatka) ruiniert den großen Abgang. Er wurde von Wigalds Mutter wegen eines Golflehrers verlassen und ist nun selbst ganz unten angekommen. Er hat kein Ohr für die Sorgen des Sohnes und schickt ihn erst einmal Bier holen.

Der mit dem Bayerischen Filmpreis und vor allem für seine Tatort-Rollen bekannte Schauspieler Tom Schilling spielt den wortkargen, käsigen Selbstmörder Wigald gerade ausreichend schräg. Insgeheim kann man verstehen, dass der brotlose Poet seiner Misere ein Ende setzen will. Doch nicht sein eigenes Scheitern ist der Grund hierfür.

Die Handlung ist überzogen und funktioniert genau deshalb. Vor grässlich grau-braunen Kulissen lahmen Wigalds Eltern in ihrem ich-bezogenen Phlegma vor sich. Selbst auf der Intensivstation sind sie nur mit den eigenen Problemen beschäftigt und streiten eifrig weiter, während der gemeinsame Sohn reanimiert wird.

Wir sehen eine zerrüttete Familie, einen lieblos vernachlässigten Sohn und Suizid-Versuche. Das ist harter Tobak, den Modersohn uns verabreichen kann, weil er ihn in Humor verpackt. Die Mischung aus Situationskomik, Pointen und missratenen Eltern geht auf. Es darf gelacht werden, auch wenn man sich den Hals erst freiräuspern muss.

Zum Film:
Länge: 11 Minuten 14 Sekunden. Mit Tom Schilling, Manfred Zapatka, Marijam Agischewa, Dietrich Hollinderbäumer. Buch: Marek Heisner. Regie: Timon Modersohn. Kamera: Sebastian Lempe. Schnitt: Christoph Strothjohann, Tom Seil. Szenenbild: Claudia Schölzel. Ton: Philipp Schäfer, Tini Tüllmann. Produktion: Valentin Greulich