Zum Tod von Bernd Eichinger Der Bilder-Berserker
Bernd Eichinger war das Kraftzentrum des deutschen Films. Er wollte, dass die Menschen weinen und lachen und er wollte bestimmen, wann. Ein Nachruf von Christiane Peitz
Sein Großvater war Bergsteiger. Er hat den Jungen auf die Gipfel mit hochgeschleppt, das war hart. Du darfst nicht hochschauen, hat der Großvater gesagt, setze einen Schritt vor den anderen, und irgendwann bist du oben. Genauso hat er es gemacht, als Kind und später, als Filmproduzent. In Deutschland, nach dem Krieg, gab es keinen, der erfolgreicher war.
Bernd Eichinger ist tot. Er ist an einem Herzinfarkt gestorben, völlig unerwartet, in Hollywood, seiner zweiten Heimat neben München, während eines Essens im Freundes- und Familienkreis. Er wurde 61 Jahre alt, er hinterlässt seine Frau Katja und seine Tochter, die TV-Moderatorin Nina Eichinger.
Der Tod hat ihn mitten aus dem Leben gerissen. Ihn, der immer ein wenig schneller lebte, dachte und arbeitete als die anderen um ihn herum, der brannte für seine Filme und seine Ideen, der so stur war, sie partout realisieren zu wollen, ungeduldig und ungestüm, ein energischer, aufbrausender Teamworker, einer der gern den Rest der Nacht durchfeierte, wenn er vorher die halbe Nacht am Drehort seinen Mann gestanden hatte, der die Frauen liebte und die Frauen liebten ihn, der nichts dem Zufall überlassen mochte und Kette rauchte, der an den Drehbüchern mitschrieb, sich leidenschaftlich einmischte und immer wieder am liebsten selbst Regie führte - auch wenn er meist das Gegenteil beteuerte.
Eichinger verkörperte ein Paradox: Er war die Geduld und die Ungeduld in Person. War unglaublich beharrlich, wenn es darum ging, die Rechte an Das Parfum oder einem anderen Bestseller zu erwerben, 20 Jahre lang hat er sich um Patrick Süskinds Erfolgsroman bemüht, aber der Verlag sagte Nein, immer wieder. Nein als Antwort, das hat Eichinger nie akzeptiert. Und er war gleichzeitig ein hypernervöser Mensch, ein Getriebener, immer eine Spur zittrig, aber es war nichts Krankhaftes daran, sondern ein Aufgeladensein, ein Überschuss an Wachsein, an Energie, an Obsession. Wenn er süchtig war, dann nach Filmen. Ein Siegertyp, ja, aber einer, der seine Selbstzweifel nie verbarg und sie nutzte, um einen besseren, schnelleren Weg zum Gipfel aufzutun.
Turnschuhe, Jeans, Seidenschal, das waren seine Markenzeichen. Maloche und Glamour. Helmut Dietl hat ihm in der Filmschickeria-Komödie Rossini ein heiteres Denkmal gesetzt.
Die Nachricht von Eichingers Tod platzt am Dienstagabend in die Weltpremiere von Til Schweigers Film Kokowääh am Potsdamer Platz. Schweiger kämpft am Rand des roten Teppichs mit den Tränen, ihn verbindet eine lange Beziehung mit dem Produzenten, seit Eichinger ihn 1994 als Der bewegte Mann berühmt machte. Er war sein Mentor, ein Freund, "unser kraftvollster, berühmtester und erfolgreichster Filmproduzent". Das Kraftzentrum des deutschen Films, es zog an, es stieß manche auch ab, aber die Kraft hat niemand ihm abgesprochen. Auch Regisseur Oskar Roehler hat es auf dem Weg zur Premiere erfahren. Er ist traurig und schockiert. Eichinger, sagt er, war im deutschen Film "der Mann, der für alle der Pate war".
Der Königsmacher des jüngsten deutschen Films, so wurde Bernd Eichinger schon Mitte der 90er Jahre genannt. Da durchstieg der deutsche Film gerade die letzte Wegstrecke in einer langen Talsohle, es war die Zeit der Beziehungskomödien, er produzierte den Bewegten Mann und es ging langsam wieder aufwärts.
- Datum 25.01.2011 - 23:36 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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guter artikel, der vermittelt, das einer zu früh gehen mußte, der noch viel außergewöhnliches leisten wollte und es auch in der umsetzung gekonnt hätte.
aber viele seiner Filme waren nicht wirklich gut...es ist zwar traurig das er schon so früh sterben mußte, nur wundert es einem bei diesem Lebensstil(viel Arbeit, rauchen, feiern) nicht wirklich.
produziert hat, ev. DAS BOOT, der Rest ist mehr oder weniger Renate Pilcher in bunt für Anspruchsvollere. Das war alles Kino für die Massen mit viel Kompromissen an Herz und Schmerz, wenn man es genauer nimmt eigentlich üble Streifen.
In bunten Bildern wenig Klarheit,
Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit,
So wird der beste Trank gebraut,
Der alle Welt erquickt und auferbaut.
Dann sammelt sich der Jugend schönste Blüte
Vor eurem Spiel und lauscht der Offenbarung,
Dann sauget jedes zärtliche Gemüte
Aus eurem Werk sich melanchol'sche Nahrung,
Dann wird bald dies, bald jenes aufgeregt
Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt.
Noch sind sie gleich bereit, zu weinen und zu lachen,
Sie ehren noch den Schwung, erfreuen sich am Schein;
Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen;
Ein Werdender wird immer dankbar sein
Seine Besessenheit ist natürlich trotzdem aller Ehren wert, für Unterhaltung hat er gesorgt und möge er Ruhe finden und auch einen Film-Projektor in der Nähe. Und meinetwegen noch ein paar Flaschen Champagner.
Bei allem Respekt vor der Lebensleistung und bei aller Betroffenheit über seinen allzu frühen Tod: Bernd Eichinger war aber auch ein Mensch, dem es gezielt um sein Ego ging. Dabei fiel es ihm nicht schwer, in gemässigter Überheblichkeit über Leichen zu gehen. Sein Tod sollte diese Wirklichkeiten nicht blind verklären. Eichinger war kein Gott, er war ein Mensch wie wir alle: mit zahllosen Ecken und Kanten. Gott sei Dank!
Bei allem Schreck über das plötzliche Ableben sollte man einfach feststellen, dass Herr Eichinger wie viele andere Kettenraucher auch sein frühes Ableben selbst zu verantworten hat.
Gott sei Dank sind wieder jede Menge enge Freunde Eichingers und ganz viele Filmkritiker hier.
vor allem auch darin, dass Eichingers Filme relativ realistisch eingeschätzt werden. Das ehrt die vorhergehenden Schreiber, die kritische Anmerkungen anbringen. Bernd Eichinger hat sich wichtig gemacht und wurde dafür dann auch so genommen. Wir leben in einer Mediengesellschaft, da wird das knallige Bunte eher wahr genommen wie seriöse künstlerische Arbeit. Warum auch nicht. Aber man sollte beides nicht verwechseln.
vor allem auch darin, dass Eichingers Filme relativ realistisch eingeschätzt werden. Das ehrt die vorhergehenden Schreiber, die kritische Anmerkungen anbringen. Bernd Eichinger hat sich wichtig gemacht und wurde dafür dann auch so genommen. Wir leben in einer Mediengesellschaft, da wird das knallige Bunte eher wahr genommen wie seriöse künstlerische Arbeit. Warum auch nicht. Aber man sollte beides nicht verwechseln.
Der jähe schreckliche Tod Bernd Eichingers ist nur zu vergleichen mit dem plötzlichen Ableben Bert Brechts seinerzeit. Da muss man geschockt innehalten – am Schreibtisch, am Set, überall ...
oder Meinung, oder beides ?
oder Meinung, oder beides ?
Bei aller Betroffenheit und bei aller Trauer, die viele verspüren werden, heben alle seriösen Artikel über den plötzlichen Tod des Filmmoguls Bernd Eichinger nicht nur dessen Verdienste hervor, sondern auch seine durchaus ambivalent zu beurteilende Rolle als Produzent von lukrativen Schwachsinnsfilmchen. Aber auch das muss man relativieren, wenn man die Position eines Produzenten aus ökonomischer Sicht betrachtet, denn eine international agierende Filmproduktionsgesellschaft aus Deutschland muss eben auch immer Geld einfahren, um andere Produktionen realisieren zu können. Eichingers Verdienst ist sicherlich sein Mut, das Filmland Deutschland international zu öffnen, sich dem Hollywoodvergleich zu stellen und große finanzielle Wagnisse einzugehen.
Und er hat weltweit renommierte Regisseure und Stars an den Set geholt, die dann dafür bürgten, dass in Deutschland produzierte Film auch im Ausland für Kassenerfolge sorgten.
Man muss seinen Verdienst in diesen pragmatischeren Kategorien sehen und nicht als Künstler in dem Sinne wie Wenders, Schlöndorf, Fassbinder, Herzog, von Trier, Godard, Almodovar, Ozon oder Kaurismäki als Regisseure wirkten. Auch seine ureigenen Filme wie "Das Mädchen Rosemarie" zeigen nicht eine extraordinäre Könnerschaft als Filmemacher.
Aber genau die Beobachtung seiner Leidenschaft, anderen Menschen die Freude und die Begeisterung am Medium Film näherzubringen, trifft den Charakter und die Bedeutung dieses Mannes für den Film sehr deutlich.
W.Neisser
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