Freundschaft Plus ist ein niedlicher Euphemismus für das, was andere eine "Fickbeziehung" nennen würden. Eine Partnerschaft, die nur auf körperlicher Anziehung basiert. Ohne Liebe, Kuscheln und gemeinsames Frühstück. Aber eben auch ohne Eifersucht und ohne Lügen. Filmemacher mögen diese Konstruktion. Sie scheinen von ihr vor allem dann inspiriert, wenn es darum geht, einen Skandalfilm zu schaffen – von Der letzte Tango in Paris bis Intimacy.

Im Film Freundschaft Plus ist es Emma (Natalie Portman), die die Initiative ergreift. Schon mit 15 weiß sie, dass sie "keine zuneigungsvolle Person" ist. Das sagt sie Adam (Ashton Kutcher) auf einem Bootssteg im Feriencamp, wo die beiden sich zum ersten Mal begegnen. Natürlich treffen sie sich danach in regelmäßigen Abständen wieder. Zuletzt betrunken in Los Angeles: Emma absolviert ihr praktisches Jahr als Ärztin, und Adam versucht am Set einer Fernsehserie, als Regie-Assi aus dem Schatten seines Vaters (Kevin Kline) herauszutreten. Der ist ehemaliger Serienstar, alterndes Sex-Symbol und gerade mit Adams Ex-Freundin durchgebrannt. Da trifft es sich gut, dass Emma da ist, um den verletzten Adam aufzufangen. Außerdem hat sie gerade Lust auf eine Sex-Beziehung ganz ohne Haken, No Strings Attached – "Ohne Bedingungen", wie Freundschaft Plus im Original heißt.

Es ist der erste Film des Regisseurs Ivan Reitman seit fünf Jahren, und vierzig Minuten lang ist er eigentlich richtig charmant. In einer Serie von hin- und hergeschickten iPhone-SMS zelebriert er seine popkulturellen Anspielungen. Von kalifornischer Schwulenehe bis Pixars Oben wird alles erwähnt und die Dialoge leben davon, dass Emma und Adam die Rollen vertauscht haben. Hier ist es nicht der Mann, der sexuelle Macht ausübt, sondern eine starke Frau, die den herzensguten, knuffigen Kerl ausnutzt – und das zu allen Tageszeiten, an allen Orten und in allen Positionen.

Danach jedoch erstickt Freundschaft Plus an seiner eigenen hippen Ausgangssituation. Wenn das moderne Nicht-Pärchen sich zwangsweise näher kommt und das altbekannte Spiel von Täuschung, Selbstbetrug, Verstoßung und Versöhnung unter den anschwellenden Klängen der Streicher beginnt. Die unnahbare Emma aus gutem jüdischen Haus mit früh verstorbenem Vater und abgedrehter Mutter muss nur sehen, wie glücklich ihre brave Schwester kurz vor ihrer Hochzeit ist, um die klassischen Rollenbilder ganz Hollywood-like wiederherzustellen.

Männer und Frauen können keine Freunde, schon gar keine Freunde "plus" sein. Das weiß das erfahrene Publikum spätestens seit Harry und Sally, auf dessen Handlung Freundschaft plus fröhlich herumrifft. Wer dafür gerade in der richtigen Stimmung ist und sich wie Bridget Jones mit Schokolade und Alkohol auf der Couch zusammenrollen will, wer vielleicht einen verkorksten Valentinstag hinter sich hat, für den könnten die frisch verlobte, schwangere und vermutlich bald oscargekrönte Natalie Portman und Twitter-Star Ashton Kutcher auch ohne Leinwandchemie ein herziger Trost sein. Die patente Besetzung in den Nebenrollen mit Kevin Kline, Greta Gerwig (Greenberg) und einem kaum zu erkennenden Cary Elwes verleiht dem Film zudem schauspielerische Qualität.

Der Rest des Publikums wird den Film als das erkennen, was er ist: Eine allzu durchschaubare romantische Komödie, die sich zeitgemäßer gibt, als sie in ihrem konservativen Kern ist.