Brendan Gleeson als trinkender, hurender und zu rassistischen Ausfällen neigender Kleinstadtbulle © Jonathan Hession

Connemara an der Westküste Irlands ist ein hübscher Flecken Erde. Die Wiesen sind grün, der Himmel ist grau, der Atlantik tobt und die Menschen sind, ganz anders als das Wetter, sehr trocken. Wenn nicht gerade ein Auto voller bekiffter Möchtegernrapper gegen eine der Mauern entlang der engen Straßen brettert, passiert nicht viel in Connemara – recht ideale Bedingungen, um ein ruhiges Dasein als Polizist zu fristen.

Gerry Boyle, wunderbar gespielt von Brendan Gleeson, ist ein alternder, etwas einsamer Kleinstadtbulle, der seinen Job nicht unnötig ernst nimmt. Als in einem Wohngebiet ein junger Mann gefunden wird, der regelrecht hingerichtet wurde, stellt man Boyle einen ehrgeizigen jungen Kollegen aus Dublin zur Seite. Boyle widert die Aufregung und Wichtigtuerei der Oberen mehr an als das blutige Verbrechen selbst. Dann kreuzt auch noch das FBI auf und der Film The Guard hat alle Elemente eines klassischen Buddy-Cop-Films beieinander: Zwei Männer sehr unterschiedlichen Kalibers sollen gemeinsam einen Fall lösen, was sich schwierig anlässt. Anders als bei Klassikern des Buddy-Cop-Genres ( Starsky & Hutch oder Bad Boys ) ist in The Guard die Perspektive jedoch verkehrt: Im Mittelpunkt steht nicht der Großstadtpolizist, der sich mit den Spinnern vom Land arrangieren muss, sondern hier werden die Bürokraten und Aufschneider aus den Hauptquartieren und Großstädten als die merkwürdigere Spezies vorgeführt.

Doch es ist nicht der Plot oder das Genre, mit dem The Guard besticht. Der Film brilliert durch seine nahezu perfekten Dialoge und die wunderbar verschrobenen und ambivalenten Charaktere. The Guard singt das Hohe Lied auf unterschätzte Eigenschaften: Renitenz, schlechte Laune, Dickköpfigkeit und Freude (auch an unvernünftigem Vergnügen) – in Irland offenbar Tugenden. Dabei spielt das schön anzusehende Land eher eine Nebenrolle. Es geht vielmehr um das Wesen der Provinz und diese Provinz bringt angenehm eigenartige Menschen hervor. Kein Wunder also, dass The Guard in vieler Hinsicht an die Brenner-Filme mit Josef Hader (zuletzt Der Knochenmann ) erinnert.

Wie Brendan Gleeson den trinkenden, hurenden und zu rassistischen Ausfällen neigenden Kleinstadtbullen gibt, ist eine einzige Freude. Der Polizist ist ein Mann wie Whiskey: erdig, ungeschliffen, nur in Maßen bekömmlich und mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Don Cheadle als FBI-Agent Wendell Everett ist sein gelungenes Gegenstück: glatt, herrisch, professionell. Dass da ein Drogenschmugglerring ausgehoben werden soll, gerät in The Guard bald zur Nebensache – vor allem will man diese beiden Männer sich beharken sehen. Auch, weil eben nicht vollkommen klar ist, ob die Herren am Ende doch noch gute Freunde werden.