Life In A Day . Der Film wurde vom Regisseur Kevin Macdonald mit Hilfe von YouTube zusammengestellt und immerhin von Ridley Scott produziert. Allein die Zahlen sind eindrucksvoll: 80.000 Filme aus 190 Ländern mit einer Gesamtspieldauer von 4500 Stunden wurden eingeschickt, hernach von Macdonald und seinem Team gesichtet und zu einem mehr oder minder stringenten Film geschnitten.

Ein Film in der Berlinale-Sektion Panorama versucht, den vielen Menschen ihre 15 Sekunden Ruhm zu verschaffen, die Möglichkeiten des Internets zu nutzen und einen Kinofilm zum Sprachrohr der Welt zu machen. Das ist der Clou an

Alle Beiträge stammen vom 24. Juli 2010. Sie folgen vom Aufstehen bis Mitternacht grob dem Lauf des Tages; außerdem wurden drei Fragen gestellt: Was liebst du? Was ist in deinem Taschen? Wovor hast du Angst? Die Idee ist etwas größenwahnsinnig, aber sehr charmant. Immerhin will Life In A Day nicht weniger sein als eine Ode an das Leben auf dem Planeten Erde, eine Hymne an die Menschheit und die Schönheit der Welt. Und es ist bei allen kulturellen und sozialen Unterschieden anrührend, wie sehr sich die Träume und Tagesabläufe der Menschen gleichen. Andererseits: Ein Ei, das man in eine heiße Pfanne schlägt, sieht eben aus wie ein Ei, das man in eine heiße Pfanne schlägt. In Peking wie Peru.


Leider belässt es Life In A Day bei diesen oberflächlichen Beobachtungen und ästhetischen Verknüpfungen. Während die einzelnen Personen, ihre Probleme und ihre Lebensweisen durchaus interessant sind (auch wenn der Zuschauer leider nie erfährt, wo diese Menschen eigentlich sind), schafft es der Film kaum, irgendwelche Brücken zu schlagen. Es kommt selten zur Interaktion zwischen den gezeigten Menschen, Orten und Episoden. Da sind halt Menschen, die in Kameras schauen und ihr Leben erklären. Aber aus tausend Tagebüchern wird kein Roman und aus tausend YouTube-Clips kein Kinofilm.

Besonders irritierend ist, dass die Macher offenbar ihrem eigenen Konzept misstrauen: Die besten Episoden – über einen Koreaner, der mit einem Rennrad durch die Welt reist oder über Ziegenkäsebauern in den Bergen – sind offensichtlich von professionellen Dokumentarfilmer gedreht worden. Viele der wirklich alltäglichen Aufnahmen von Amateuren werden dafür mit derart aufdringlicher Filmmusik zugekleistert, dass selbst die charmantesten und rührendsten Episoden inszeniert wirken.

Das scheint auch Kevin Macdonald geahnt zu haben: Am Ende, nachdem das letzte Feuerwerk, die letzten farbenprächtigen Impressionen über die Kinoleinwand geflimmert sind, darf sich noch eine junge Amerikanerin zu Wort melden, die sich von diesem 24. Juli 2010 einiges Versprochen hatte. Sie musste letztlich feststellen, dass auch dieser Samstag ein Tag wie jeder andere war, nämlich träge und alltäglich. Und so bleibt nach den 90 Minuten Life In A Day ein Gefühl, wie man es nach 90 auf YouTube verbrachten Minuten bisweilen auch hat: War ja alles ganz unterhaltsam, aber man hätte in dieser Zeit auch Besseres tun können.