Bei der diesjährigen Vergabe des Grimme-Preises blieben die Sieger weitgehend unter sich: Elf der insgesamt zwölf Fernsehauszeichnungen gingen an Beiträge der ARD, und eine Auszeichnung bekam das ZDF (die vollständige Liste der Preisträger). Die Privatsender gingen leer aus.

Dies komme erst zum zweiten Mal in 20 Jahren vor, sagte Grimme-Preis-Organisator Ulrich Spies. "Die Öffentlich-Rechtlichen haben andere Möglichkeiten beim Budget", erklärte der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann. "Eine gewisse Aufgabenteilung ist hier sichtbar. Daraus lässt sich jedoch kein allgemeines Urteil ableiten." Der Grimme-Preis zeichnet jährlich deutsche Fernsehsendungen in den Wettbewerbskategorien Fiktion, Information und Kultur sowie Unterhaltung aus.

Seinen neunten Grimme-Preis erhielt Regisseur Dominik Graf in der Kategorie Fiktion für sein Mafia-Epos Im Angesicht des Verbrechens. Die Krimiproduktion bezeichnete Kammann als "überragendes Gesamtkunstwerk".

Das ZDF war mit der satirischen Serie Klimawechsel nominiert, eine Fernsehproduktion von Doris Dörrie über Frauen in den Wechseljahren. Die in der Kategorie Unterhaltung ausgezeichnete Serie zeige, dass man auch sperrige Themen in ungewöhnlichen Formaten behandeln könne, sagte Kammann.

Einen Preis erhielt auch die Verfilmung von Sven Regeners Roman Neue Vahr Süd. In der Kategorie Unterhaltung siegte erstmals der Comedian Kurt Krömer mit seiner Internationalen Show. Er war bereits sechs Mal nominiert.

In der Kategorie Information und Kultur ging eine Auszeichnung an den Film Aghet – Ein Völkermord, in dem Eric Friedler die Geschichte des Genozids an den Armeniern behandelt. In dem ebenfalls ausgezeichneten Beitrag Iran Elections 2009 thematisiert Regisseur Ali Samadi Ahadi die Protestbewegung aus dem Sommer 2009. Der Film gewähre erschreckende Einblicke in den brutalen Staatsapparat, hieß es von der Jury.

Kritik übte Jury-Mitglied Ingrid Schöll an den teilweise späten Sendeplätzen guter Dokumentationen. "Man kann Zuschauer auch entwöhnen, wenn man gute Sendungen immer nur nach hinten packt", sagte die Direktorin der Volkshochschule Bonn.

Die Produktion Anwälte – Eine deutsche Geschichte verbindet nach Ansicht der Jury aufschlussreich deutsche Zeitgeschichte mit der Lebensgeschichte der einstigen Weggefährten Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler.

Die Gala mit der Übergabe der Grimme-Preise findet am 1. April im Stadttheater von Marl statt. Dort wird auch Thomas Gottschalk mit dem Grimme-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.