"Bon Giorno!", sagt der Pater Lucas lächelnd, eine Hand in der Hosentasche, das Hemd offen. Leger für einen Jesuiten. Fünf Minuten später wickelt er seinen Rosenkranz um die linke, nimmt das Kruzifix in die rechte Hand und zeigt dem angereisten amerikanischen Seminaristen mal, wie Exorzismus geht. Die Patientin ist eine schwangere Sechzehnjährige, die der Pater auf einen Stuhl gefesselt hat. Pater Lucas ruft seinen Gott an, dann den Erzengel Michael, wieder Gott, fordert den Dämonen auf, seinen Namen zu nennen, und legt das Kruzifix auf die Stirn des Mädchens. Dieses windet sich in Krämpfen, rollt mit den Augen, schreit sich heiser, reißt sich los – der Seminarist betet jetzt aufgeregt ein paar Ave Marias – das Mädchen fällt auf die Knie und erbricht eine Handvoll Eisennägel. Der Exorzist sprengt Weihwasser und Latein dazu.

Besessenheit ist keine psychiatrische Diagnose. Pater Lucas ist kein Arzt. Er treibt den vermeintlich Besessenen die vermeintlichen Dämonen aus, wo andere erst mal Tabletten gegen Schizophrenie empfehlen würden. So ein Skeptiker ist auch der Seminarist Michael Kovak, der im Vatikan eine Exorzistenausbildung machen soll. Colin O’Donoghue als Kovak und Anthony Hopkins als Pater Lucas sind ein großartiges Duo aus Glauben und Zweifeln, vom Regisseur Mikael Håfström prachtvoll inszeniert. Freilich ist Hopkins der charismatischere von beiden. Wenn er den Exorzisten mit Hannibal-Lecter-Grinsen ausstattet, dann hat das etwas Dämonisches, unschön Geheimnisvolles.

Beunruhigend (oder beruhigend?) ist die Tatsache, dass es das alles wirklich gibt. Jedes Jahr werden im Vatikan Exorzisten ausgebildet, es gibt Bücher und Filme von ihnen und über sie. Auch Lucas und Kovak existieren wirklich. Warum ist der Exorzismus so faszinierend? Ein uralter Ritus, in dem die Sprache des Priesters in göttlichen Worten das Böse bannt. Soweit die Idee.

Daran glaubt der amerikanische Priesterseminarist Michael Kovak nicht, der Glaube ist überhaupt sein Problem, weshalb er sich nicht mehr zum Priester weihen lassen will. Um das zu ändern, schickt ihn sein Seminarleiter nach Rom. Der Vatikan zähle rekordverdächtige Besessenheitsfälle. Auf der Via della Conciliazione zwischen Tiber und Petersplatz gerät Kovak, der ehemalige Leichenwäscher, in die ästhetische Blase aus Soutanen und Uniformen, Sonnenbrillen und römischen Kragen. Will er dazugehören?

Er ist ein Skeptiker, was die meisten Zuschauer auch sein dürften, eine Erleichterung für die spätere Dramaturgie des Films. Weil er im Exorzismusseminar zu spät kommt und mit Sätzen wie "die Besessenheit zeigt sich unter Anderem in einem Zittern der Extremitäten" wenig anfangen kann, schickt ihn der leitende Dominikaner zu Pater Lucas.

"Du kannst dich entscheiden, nicht an den Teufel zu glauben, aber das schützt dich nicht vor ihm", sagt Lucas, der den Rationalismus des Jüngeren für dumm hält. Jedes Mal, wenn die beiden einen Exorzismus im Halbdunklen durchführen, fragt man sich, ob Besessenheit zwangsläufig mit Augenrollen, Zungenrede, Hautverfärbung und Krämpfen einhergehen muss. Ob das nicht Stilmittel aus jedem billigeren Horrorfilm sind. Glücklicherweise fragt Michael sich das auch. "Sie braucht einen Psychiater", sagt er dann.

Sehr beunruhigend ist aber, dass die Besessenen unangenehme Dinge aus Michaels Vergangenheit wissen und auch den Tod seines Vaters vorhersagen. Die Nägel, das Wissen, die Dinge, die nicht sein können. Für jedes einzelne Symptom wünscht man sich Doktor House in den Film, auf dass er nach MRT und Biopsie alles als verschleppte Syphilis mit Halluzinationen diagnostizieren würde.