Film "Justin Bieber" Mit Twitter und Talent

Ein Massenphänomen im Kino: "Justin Bieber – Never Say Never" erzählt die Geschichte einer großen musikalischen Begabung in Zeiten Sozialer Netzwerke.

Wo Kätzchen maunzen, Zwillingsbabys lachen und Hochzeitsgäste stolpern, in dieser YouTube-Welt, findet sich ein Kind, das singend und trommelnd die Menschen beeindruckt. Ein Junge, dessen große Zukunft im Pop schon besiegelt zu sein scheint. Ein 16-Jähriger, der innerhalb von 20 Minuten 20.000 Konzerttickets verkauft. Er heißt Justin Bieber, wird von Millionen Mädchen verehrt und von den meisten Erwachsenen unterschätzt. Das könnte sich nun ändern.

Der Dokumentarfilm Justin Bieber – Never Say Never erzählt von einer außerordentlichen musikalischen Begabung, die Geschichte ihrer Entwicklung von der Wohnzimmercouch im kanadischen Stratford bis zum feuerwerkstrahlenden Konzert im New Yorker Madison Square Garden. Wer den bis in die obersten Ränge füllt, der hat’s geschafft, hat seine Karriere vielleicht schon hinter sich, wie die Rolling Stones oder U2. Für Justin Bieber ist es nur ein erstes Etappenziel.

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Never Say Never spricht, nein, kreischt seinen Fans aus der Seele, die ihren Posterjungen nun endlich durch einen Kinofilm, in 3D zumal, geadelt sehen. Doch er ist auch ein Dokument gegenwärtiger Massenphänomene: Es muss gar nicht die Musik sein, die alle eint. Es sind die Sozialen Netzwerke.

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Justin Bieber ist Teil einer Generation, die sich der Welt wie selbstverständlich in jeder Facette digital sichtbar macht. Der erste Schneeanzug, die ersten Gesangsversuche, das erste Baseballspiel, das erste Schlagzeug, die ersten tastenden Keyboard-Songs, der erste Auftritt. Alles ist in Bild und Ton festgehalten und gelangt früher oder später ins Netz, um dort mit anderen geteilt zu werden. Im Fall von Justin Bieber eben früher, weil seine Mutter Pattie den Großeltern die Fortschritte des Kleinen zeigen wollte. So wurden auch Fans und Manager auf ihn aufmerksam.

Justin selbst hat längst die digitale Mündigkeit erreicht und versteht es wie kaum ein Zweiter, seinen Fans über Twitter das Gefühl zu geben, er gehöre ihnen. Knapp acht Millionen Menschen folgen jeder seiner Daumenregungen, mehr als 8000 Kurznachrichten hat er über diese Plattform schon verbreitet. Damit ist er in diesem Netzwerk einer der wichtigsten Meinungsführer, noch vor Obama. Bei Facebook haben knapp 23 Millionen Menschen seine Meldungen abonniert. Bieber ist ein Meister der Massenkommunikation.

Filmproduzenten bedienen sich gern solcher Phänomene digitaler Massenkultur. The Social Network, ein nur mittelmäßiger Streifen über den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, hat immerhin drei Oscars gewonnen. Ein Film über Wikileaks ist in Planung. Alle, die an der Bewegung teilhaben, wollen sich auch im Kino sehen. So wird das Phänomen zum Produkt. Am Ende klingeln die Kassen für die Produzenten wie für die Produzierten.

Leser-Kommentare
  1. in einer Zeit aufgewachsen zu sein, in der eine Band für ganz kurze Zeit ein Loch in die Matrix des Mainstreams riss, sodass wir damals Jugendlichen sehen konnten, dass es neben der Kaugummifassade MTVs tatsächlich richtige und echte Kunst gab.

    Wir sind wohl die einzige Generation in der Geschichte der Moderne, deren Musikgeschmack heute progressiver und avantgardistischer ist als der, der nachfolgenden Generation.

    Viel Spaß im Biber-Fieber

    • FabMax
    • 10.03.2011 um 14:55 Uhr

    Wirklich? Wieso müssen dann seine Songs mit Autotune überarbeitet werden?

    Nee, der arme Kleine ist ein vom Management gefertigtes Kunstprodukt. In zwei Jahren kräht kein Hahn mehr nach ihm, weils dann längst Ersatz gibt.

  2. ...aber ein "armer Kleiner" ist der bestimmt nicht. Deshlab hält sich auch mein Mitleid in Grenzen.

  3. Welche Studioproduktion wird heutzutage nicht mit Autotune (oder Melodyne) bearbeitet? Was ist das für ein Kriterium? Wer ein Stimmgerät benutzt, kann nicht Gitarre spielen?

    Die Anwendung von Autotune ist ein Handwerk und eine Kunst – wie die Anwendung jedes anderen Werkzeugs auch.

  4. … ist immer eine Sache von Minderheiten. Die Mehrheit folgt Hypes oder bleibt bei Bewährtem.

    Progressive Impulse sind nötig, aber kein alleiniges Qualitätsmerkmal – die Beherrschung traditioneller Codes und Regeln kann genauso gut zu Qualität führen.

  5. Da fragt man sich ob der Schreiberling der Pubertät entwachsen ist. Bieber bietet Mainstream-Kost. Oberflächliche, perfekt produzierte, auf dem Reissbrett entstandene, seelenlose Musik für die breite Teenagermasse. Und jetzt auch in 3D. Wow.

  6. 2 beispiele genialer musik: mozart und bieber

  7. Ich gehe jede Wette ein, das dieser Junge niemals gute Musik machen wird. Belangloser Pop, talentfreier Typ, aber die Marketingabteilung ist spitze!

    Eine Leser-Empfehlung

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