Ausstellung im Jüdischen MuseumStolpersteine in der "Lindenstraße"

Fernsehen, um zu verstehen: Die Ausstellung "Das war spitze!" in München zeigt Jüdisches in der deutschen Fernsehunterhaltung – von "Dalli Dalli" bis zum "Tatort".

Setfoto vom Dreh der Stolperstein-Thematik in der "Lindenstraße".

Setfoto vom Dreh der Stolperstein-Thematik in der "Lindenstraße".

Hans Rosenthal hat die Deutschen zum Lachen gebracht, beim Rias, beim ZDF. Das wirkte und wirkt unheimlich, weil der Jude Rosenthal, versteckt im Untergrund, die Judenverfolgung der Deutschen nur knapp überlebt hatte. Rosenthal aber dachte anders. "Ich trage dazu bei, den Antisemitismus abzubauen; die Leute wissen, dass ich jüdisch bin, und sie sehen, dass ich gar nicht anders bin." Die Mehrzahl einer Zuhörer und Zuschauer fühlte sich von ihm bestens unterhalten, aber nicht wenige hetzten auch gegen ihn.

Die Ausstellung "Das war spitze! Jüdisches in der deutschen Fernsehunterhaltung" , die seit Dienstag und bis 6. November im Jüdischen Museum in München läuft, nimmt beide Aspekte auf.

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Der Fernsehmoderator Hans Rosenthal

Der Fernsehmoderator Hans Rosenthal

Rosenthals Show "Dalli, Dalli" läuft über die Monitore, die Reaktionen sind den Protokollen der ZDF-Zuschauerredaktion geschuldet. Die Anrufer, die gegen Rosenthal oder den Politagitator Gerhard Löwenthal wüteten, waren Wiederholungstäter. "Unser antisemitischer Stammkunde ...", notierte ein Protokollant. Rosenthal ist in das Zentrum der Schau gerückt, die über zehn Stationen das "Jüdische" in Show, Serie und Film nicht wirklich fassen kann, trotzdem eine mehr als interessante Perspektive aufmacht.

Anders als Rosenthal agiert Michel Friedman als "öffentlicher Jude"; sein Auftreten werde stets mit seiner jüdischen Identität in Zusammenhang gebracht, sagte Kuratorin Ulrike Heikaus. Das s-förmige rote Sofa aus Friedmans ARD-Talkshow sieht aus wie ein Ausrufezeichen. Die Ausstellung erinnert auch an die Erfolge israelischer Künstler wie des Gesangduos Esther und Abi Ofarim. Bei vielen anderen Protagonisten, zum Beispiel beim Schauspieler und Quizmaster Fritz Benscher, spielte die jüdische Herkunft in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle.

Die Schau befasst sich mit zwei "Tatort"-Fällen, die im jüdischen Umfeld spielen, sowie mit Juden in der "Lindenstraße". Die Rolle des Pizzabäckers Enrico Pavarotti war darauf angelegt, die Reaktion der nichtjüdischen Umwelt aufzuzeigen. Im Dezember 2010 war es dann Mutter Beimer, die die Verlegung von Stolpersteinen in der "Lindenstraße" anregte. Das war spitze, oder?

Jüdisches Museum München, St.-Jakobs-Platz 16, 80331 München. Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. www.juedisches-museum-muenchen.de

Aus dem Tagesspiegel

 
Leserkommentare
  1. Hat zwar mit dem Artikel nur beiläufig zu tun: aber warum hat eigentlich noch nie jemand das Leben von Hans Rosenthal verfilmt ? Wenn irgendwas einen perfekten Filmstoff abgibt, dann ja wohl dieses Leben... Obwohl man einiges an seinen Shows kritisieren kann (angefangen von den abgehalfterten Stars, die bei ihm immer noch singen durften) war Hans Rosenthal auf seine Art der Größte!

    2 Leserempfehlungen
  2. dann bitte so hoch, dass auch wirklich Menschen drüber stolpern!

  3. Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/lv

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der da ihrer Meinung nach waere: ?

    Der da ihrer Meinung nach waere: ?

  4. Der da ihrer Meinung nach waere: ?

    Antwort auf "Internet-Fund"
  5. Rosenthal hat sich nicht versteckt, man denke nur an seine ruhige, bewusste Art, mit der er zum Beispiel mehrere Sendungen zu "verbotenen Noten" moderierte, in denen er auf das Schicksal der verfolgten und emigrierten Texter und Komponisten verwies. Das war mehr als alberne Unterhaltung. Das nötigt Respekt ab, das zeigte auch, dass man mit dem Erbe der Jahre 1933-45 leben muss, es aber auch kann.
    Löwenthal zog Zorn und auch Hass auf sich, weil er bestimmte, wer Kommunist zu sein hatte, damit er ihn verdammen konnte:
    "Die Milch wird sauer, das Bier wird schal, im Fernsehen redet Löwenthal"

    Er hat sich aber nicht hinter seiner jüdischen Abstammung versteckt, er setzte sie nicht als Totschlagargument ein, um Diskussionsgegner nicht ausreden zu lassen.
    Er schlug nicht mit der Antisemitismuskeule um sich oder diskredierte ihm unliebsame Politiker- und davon gab es natürlich viele- als Antismiten.

    Diese Verhaltensmuster kennen wir heute allerdings von Friedman und Broder zu Genüge. Sie diskutieren nicht, sie geifern.
    Sie lassen nichts gelten, was nicht ihre Zustimmung hat.
    Unvergesslich ist mir ein Auftritt Friedmans bei Stefan Böhme, alos er die Moderation der Sendung quasi an sich riss und von einem sich zu Worte gemeldeten Gast im Publikum erst ein positives Bekenntnis zur Existenz Israels abverlangte, sonst würde er nicht auf dessen Frage eingehen.
    dder Herr war Araber.

    Taktlosigkeit als Lebensprinzip- so könnte man das nennen.

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