ComicCon in San Diego und klappern danach mit dem Wohnmobil entlang des Extraterrestrial Highway die legendärsten UFO-Landeplätze ab. Ausgerechnet in der Area 51 in Nevada, wo einer modernen Fabel zufolge 1947 eine fliegende Untertasse abstürzte, begegnet ihnen ein leibhaftiger Außerirdischer.

Man muss sich den Science-Fiction-Nerd als glücklichen Menschen vorstellen. Graeme und Clive strahlen die stille Zufriedenheit von Exzentrikern aus, die ihre Berufung gefunden haben: Der eine erfindet Comicgeschichten, der andere illustriert sie und hat durch eine Alien-Zeichnung mit drei Brüsten eine gewisse Bekanntheit erlangt. Die beiden Briten besuchen die

Paul, benannt nach dem Hund einer Farmerfamilie, der bei dem Raumschiffabsturz ums Leben kam, ist auf der Flucht vor dem FBI. 60 Jahren lang stand er der Regierung zu Diensten und beriet unter anderem auch den Regisseur Steven Spielberg, doch nun soll das hochintelligente Wesen der Stammzellenforschung geopfert werden. Wie einst E.T. will Paul unbedingt nach Hause und überredet die beiden Touristen, ihn zu seinem Mutterschiff zu bringen. Ferner treten dusselige Geheimpolizisten auf, die christliche Fundamentalistin Ruth, die von dem Trio versehentlich gekidnappt wird, ihr schießwütiger Vater – und als abschließendes Highlight die Grande Dame der Alienjäger, deren Name hier nicht verraten werden soll.


Mit entspanntem Gewitzel entpuppt sich das Roadmovie als kundige und liebevolle Hommage an die Nerd-Kultur und an die seltsamen Blüten, die das Sci-Fi-Genre hervorgebracht hat. Die ausufernde Handlung ist vollgestopft mit Fan-Memorabilia, ausgefuchsten Details und Filmzitaten von Star Wars über Men in Black bis Unheimliche Begegnung mit der Dritten Art , um die bekanntesten zu nennen. Dabei kommt es nicht nur zwischen dem rabauzigen Paul und den beiden schüchternen Erdlingen zum Clash der Kulturen – in der filmischen Machart prallen auch unterschiedliche Auffassungen von Komik aufeinander.

Die Drehbuchautoren und Hauptdarsteller Simon Pegg und Nick Frost haben durch ihren inspirierten Zombiespaß Shaun Of The Dead und die Actionparodie Hot Fuzz eine große Insider-Fangemeinde, sind jedoch mit ihrem schrulligen Humor noch nicht in den Mainstream vorgedrungen. Der Regisseur Greg Mottola dagegen steht mit seinem Jungs-Schwank Superbad für jene aggressiv gefärbte Brachial- und Anal-Komik, wie sie seit American Pie in Mode ist. So ähnelt Paul äußerlich dem treuherzigen E.T., ist aber ein kiffender, großmäuliger Slacker in Cargo-Pants und Flipflops, der beim kleinsten Anlass die weiten Hosen runterlässt und die höflichen Briten schockiert: Er ist eine außerirdische Kopie von Seth Rogen, der Paul im Original vertont (in der deutschen Fassung übernimmt dies der angemessen rotzige Bela B. von den Ärzten ) und als Galionsfigur jener Jungskomödien gilt.

Die beiden Heimchen Graeme und Clive ihrerseits erinnern an eine sanftmütige Stan- und Olli-Ausgabe. Der blasse Simon Pegg mit seinem leichten Grottenolm-Appeal und der stämmige Nick Frost, legendär seit seinem Auftritt als angekettetes Zombie-Haustier im Gartenschuppen , sind freundlich-unschuldige Käuze. Das führt in der Hillbilly-Umgebung, in der die beiden britischen Aliens unterwegs sind, zu Schwulenwitzen, die sich im Original wahrscheinlich lustiger anhören als in der deutschen Synchronisation.

Die Gag-Palette reicht von grobmotorischen Späßen über albernen Slapstick bis hin zu großartigen Pointen. Die beiden unterschiedlichen Humor-Geschwindigkeiten wirken mitunter befremdlich, halten aber einen konstanten Kicherpegel. Die originellen menschlichen Charaktere indes, die ganz geradlinig und unironisch auftreten, weisen über die bloße Parodie und Zitatenhuberei hinaus. Paul ist eine verspielte E.T.-Komödie für Fortgeschrittene, die sich nicht nur an Sci-Fi-Afficionados adressiert.