ZEIT ONLINE: Herr Waltz, haben Sie manchmal Momente, wo Sie bei einem guten Glas Rotwein in Malibu sitzen, Ihre Situation analysieren und sich denken: Ist mir das alles wirklich passiert?

Christoph Waltz: Das passiert mir weniger bei einem Rotwein in Malibu, eher bei Dreharbeiten an einem Filmset. Es sind die Momente, in denen ich sehe, was alles möglich ist, wenn man sich ausgiebig vorbereitet und sich Gedanken gemacht hat.

ZEIT ONLINE: Mit welchen Erwartungen sind Sie an die Zusammenarbeit mit Robert Pattinson gegangen? Es ist ja ein Kollege, der durch Twilight rasend schnell berühmt wurde.

Waltz: Unter uns: ich habe nie einen Twilight-Film gesehen. Nicht, weil ich das ablehne oder drüber stehe, aber weil es einfach nicht die Filme sind, die ich mir als über Fünfzigjähriger mit meiner eigentlich viel zu knapp bemessenen Zeit, die ich aufs Kinogehen noch verwende, aussuche. Aber natürlich kann man ihm auch so momentan nur schwer entkommen.

ZEIT ONLINE: Was also war Ihre Meinung?

Waltz: Ich hatte keine Vorurteile. Wie viel kann denn ein damals 23-jähriger Schauspieler schon gemacht haben? Ich habe im Anschluss an diese Dreharbeiten mit Jodie Foster gearbeitet, die mit drei Jahren anfing. Sie hat 40 Jahre Berufserfahrung – aber das ist immer noch die Ausnahme. Was soll ich also für eine Meinung von Robert Pattinson haben, wo ich doch keine Filme von ihm gesehen habe? Laurence Olivier hat einmal etwas Schönes gesagt: "Wenn man Romeo wirklich spielen kann, kann man ihn eigentlich schon gar nicht mehr spielen." Ich als alter Knacker, der das seit einer halben Ewigkeit macht, war auf jeden Fall nicht dazu da, Rob Pattinson mit meiner Meinung zu behindern, sondern eher, ihm ein bisschen weiterzuhelfen, wenn er es wollte.

ZEIT ONLINE: Denken Sie bei so hoch budgetierten Filmen manchmal auch dran, dass an Ihrem Spiel inzwischen ganz schön viel Geld hängt?

Waltz: Permanent. Ich kann die Produktion ein Vermögen kosten, wenn ich sage, dass ich mit etwas nicht klarkomme und noch ein bisschen brauche. Den Haufen Geld kann man aber wahrlich besser investieren als in meine Marotten.

ZEIT ONLINE: Gibt es eine Persönlichkeit, die Sie gerne mal verkörpern würden?