Kurzfilm "Tembûr" Wenn das Unaussprechliche Bilder findet

In dem preisgekrönten Kurzfilm "Tembûr" wird in nur wenigen Szenen die Qual dargestellt, unter denen ein Folteropfer noch heute leidet.

Man weiß, was Folter mit Menschen anrichten kann. Man hat darüber gelesen. Es gibt Dokumentationen, in denen die Betroffenen davon berichten, wie die qualvollen Erfahrungen in Flashbacks immer wiederkehren und ihnen auch heute noch ein normales Leben schwer machen. Das in einem Kurzfilm von nur sechs Minuten Länge zu zeigen, scheint unmöglich. Wenn es gelingt, ist es ein Kunststück. Tembûr ist ein solches Kunststück.

Worte sind für das oft Unsagbare, das gezeigt wird, gar nicht nötig. Der Regisseur Hannes Treiber verlässt sich ganz auf die Wirkung von Licht, Schatten und den Schnitt. Es sind nur drei Szenen aus dem Alltag eines kurdischen Stadtreinigers, die sein Leiden deutlich machen. In der Türkei war er einst Musiker. Bilder zeigen ihn, wie er die Tembûr, eine Art Laute, spielt. Dann fiel er der türkischen Polizei in die Hände, die ihn folterte. Seine Musik ist für ihn eng mit dem traumatischen Erlebnis verknüpft. Aber sie ist es auch, die es ihm heute ermöglicht, an das Verdrängte anzuknüpfen. Die Umarmung mit seiner Tochter zeugt von einem – möglicherweise – künftig offeneren Umgang mit der Vergangenheit.

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Das Wendland Shorts Filmfestival

Seit Ende 2010 hat ZEIT ONLINE 30 Kurzfilme junger Regisseure vorgestellt, die das Festival Wendland Shorts in den vergangenen Jahren gezeigt und ausgezeichnet hat. Mit dem Beginn des diesjährigen Festivals im norddeutschen Lüchow-Dannenberg vom 17. bis 19. Juni 2011 endet diese Zusammenarbeit. Doch auch in Zukunft werden wir auf unserer Filmseite interessante und innovative Kurzfilme vorstellen.

Natürlich ist es ein Glücksfall, wenn man als Hauptdarsteller einen Mann gewinnt (Dietmar Rüttiger), dessen Miene sowohl die eines stoisch vor sich hinarbeitenden Straßenkehrers spiegeln kann, als auch die des zutiefst Gequälten. Dennoch ist Tembûr ein Musterbeispiel für das Potenzial, das in dem Format Kurzfilm steckt. Zu Recht wurde der Beitrag bereits mit mehreren Preisen bedacht, darunter ein Preis, den das nordzyprische Internationale Kurzfilmfestival in Nikosia 2008 vergeben hat, und 2007 eine Auszeichnung vom Internationalen Friedensfilmfestival in Seoul, Südkorea.

Zum Film:

Länge: 7 Minuten; Regie: Hannes Treiber; Mit: Seydo und Dietmar Rüttiger; Drehbuch: Serkal Kus; Producer: Stephanie Blum; Kamera: Florian Kirchler; Schnitt: Mark Heizmann
 

 
Leser-Kommentare
  1. >>In dem preisgekrönten Kurzfilm "Tembûr" wird in nur wenigen Szenen die Qual dargestellt, unter denen ein ehemaliges Folteropfer noch heute leidet.<<

    Der zweite Halbsatz dieser Einleitung widerspricht dem ersten. Als "ehemaliges Folteropfer" würde ich nur jemanden bezeichnen, der aufgehört hat, unter den ihm zugefügten Qualen zu leiden. Und zwar nicht dank eines emotionalen Schutzpanzers, denn auch das wäre eine Beeinträchtigung seiner Lebensqualität.

  2. Ja gut - nach Ihrer Definition ist einmal Folteropfer ewig Folteropfer - denn echte Heilung wird es da nicht geben.

    Sehr starker Film! Ich war überrascht, wie subtil die "Flashbacks" in den Film eingebaut sind.

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