Wenn zwei das Gleiche zeigen, ist einer oft überflüssig. Wenn sechs das Gleiche zeigen, ist auf jeden Fall mindestens einer überflüssig. Sechs Sender haben heute die gleichen Bilder von der englischen Traumhochzeit gezeigt. Darunter auch unsere beiden Gebührensender ARD und ZDF. Teuer war das nicht, weil die BBC die Bilder für alle zur Verfügung stellte. Aber unnötig. Noch dazu haben die doppelten Bilder ein Signal gesendet, das den öffentlich-rechtlichen Sendern schadet.

ARD und ZDF haben sich im Vorfeld knapp verteidigt, es handele sich um das "Das Fernsehereignis des Jahres". Das müssten eben alle zeigen dürfen. Immerhin handelt es sich um eine Hochzeit aus einem Königshaus der Kategorie A. Vor ein paar Jahren hatten sich die beiden Sender geeinigt, alle anderen adeligen Großereignisse untereinander aufzuteilen.

Man muss die Hochzeit in der Kirche lassen: Es ist kein ganz großes Drama, dass an einem Freitag tagsüber sechs Stunden Sendezeit vergeudet werden. ARD und ZDF sind so scharf auf die Übertragung, weil sie normalerweise zu dieser Zeit kaum Quote machen und das Royal-Spektakel ein Quotenbringer erster Güte ist. Gleichzeitig zeigt die Entscheidung, dass die Intendanten manchmal arg kurzfristig denken. Ein Tag mit toller Quote wiegt nicht auf, was sie sich an Kritik für diesen Tag einfangen.

Sie bieten mit der doppelten Übertragung eine offene Flanke. Wer Gebührengelder bekommt und den Auftrag hat, damit sorgsam umzugehen, kann es sich eben nicht leisten, nur mit Massenspektakel zu argumentieren. Der eigentliche Grund, aus dem beide übertragen, ist nämlich, dass sie sich nicht einigen konnten, wer den Zuschlag bekommen sollte. Keiner wollte zurückstehen. Wobei es in diesem Fall auch inhaltliche Gründe für eine Entscheidung gegeben hätte: So lange es Rolf Seelmann-Eggebert und seine adelige Fachexpertise gibt, sieht man mit dem Zweiten schlechter.

Während der vergangenen Monate gab es mit den Großereignissen der ganz anderen Art in Japan und der arabischen Welt die Möglichkeit für ARD und ZDF, sich mit differenzierter Berichterstattung von der privaten Konkurrenz abzusetzen und ihre eigene Existenz inhaltlich zu rechtfertigen. Zum Teil sind sie den Ansprüchen gerecht geworden. Aber wenn an manchen Tagen nach einem kurzen Brennpunkt oder  ZDF Spezial schnell wieder auf die Unterhaltungsprogrammschiene gewechselt wurde, dann müssen sich die Verantwortlichen jetzt nicht wundern, wenn Politiker auf die Idee kommen, die Prioritäten der Sender zu hinterfragen.

Mit Recht werfen ihnen Medienpolitiker quer durch die Parteien in diesen Tagen vor, dass die Öffentlich-Rechtlichen sich offenbar nicht als ergänzende Sender begreifen, sondern als direkte Konkurrenten, die dann am Ende auch noch das Gleiche machen. Von da aus ist es nicht mehr weit zu dem Schluss, dass bei diesen zwei einer zu viel sein könnte.

"Zwei ganz normale Menschen, die mit uns ihre Hochzeit feiern und wir sind mittendrin", sagte eine aufgedrehte Andrea Kiewel im ZDF. Dabei sein ist aber doch nicht immer alles.