Wenn ein Mungo vor einer Giftschlange steht, kann er sie besiegen, weil er sich ganz auf den Kopf der Schlange konzentriert, wohingegen sie, siegesgewiss, entscheidende Bewegungen ihres Gegners übersieht. In Der Mungo sind wir die Schlange, die sich in die Irre führen lässt. Und das auf allerhöchstem Thriller-Niveau.

Es gibt das Team der Guten, die während einer Übergabe von waffenfähigem Plutonium einen potenziellen Attentäter stellen wollen, indem sie einen verdeckten Ermittler in den Deal einschleusen. Es gibt den Käufer und den Verkäufer der gefährlichen Ware. Es gibt im Team den Nervösen, den Väterlichen und die Berechnende, jede Menge Sondereinsatzkräfte mit entsprechender Bewaffnung und einen drohend klickenden Geigerzähler. Das Setting von Der Mungo ist klassisch wie in jedem abendfüllendem Spielfilm.

Erstaunlich ist, dass es Matthias Tuchmann mit seinem Drehbuch schafft, binnen nur 18 Minuten auch das komplette restliche Programm abzuwickeln: Einführung, Verwirrung als verzögerndes Moment, Höhepunkt, Wendung, jede Menge Nervenkitzel und Showdown, in diesem Fall mit einem Mungo. Tuchmann erzeugt Suspense im besten Hitchcock-Sinn. Nach einem ersten überraschenden Täuschungsmanöver fühlt sich der Zuschauer dem Geschehen gewachsen, meint die Bilder zu durchschauen. Wir vertrauen darauf, dass sie zeigen, was wirklich ist. Wie im echten Leben erweist sich das als großer Fehler. Wir enden wie die Giftschlange.

Das Ganze wird vom Regisseur Philipp Osthus dem Genre gemäß in kaltes, bläuliches Licht getaucht. Die Schatten sind hart wie die Dialoge. Kälter und härter sind nur noch die Frauen. Welch schauriges Vergnügen.

Zum Film:

20 Min.; Regie: Philipp Osthus; Drehbuch: Matthias Tuchmann; Mit: Mignon Reme, Stefan Rudolf, Mark Zak, Henning Schimke, Sarah Maria Besgen; Kamera: Maximilian Lips; Producer: Moritz Mihm; Schnitt: Tobias Peper; Musik: Stefan Will, Marco Dreckkötter; Regieassistenz: Fabian Wiemker; Ton: Einar Marell; Produktion: Hamburg Media School