Filmfestspiele Cannes Es ist das Leben, das Angst macht
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 "Michael" von Markus Schleinzer

Durchweg kühl blickt dagegen der Österreicher Markus Schleinzer in Michael auf das Martyrium eines Zehnjährigen, der im Keller eines bunkerartigen Vorstadthauses von einem Pädophilen gefangen gehalten wird. Der sozial auffällig unauffällige, im Job superkorrekte Versicherungsangestellte Michael (Michael Fuith) versorgt sein Sexualobjekt Wolfgang (David Rauchenberger) zuverlässig, und wenn die Rollläden runtergelassen sind, darf das Kind aus seinem Klo-Bett-Tisch-Waschbecken-Verschlag auch mal zum Abendbrot rauf ins Erdgeschoss. Bis es eines Tages zu Michaels Verhängnis kommt. Endlich.


Schon der Titel verweist darauf, um wen es hier vor allem geht: Spielt der Film also mit der Identifikation mit dem Täter? Dafür bleibt der Blick zu distanziert. Denunziert er ihn stattdessen als Monster? Auch nicht, es sei denn als eines jener Alltagsmonster, wie sie jedem täglich hundertfach auf der Straße begegnen.

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So vermeidet Michael jede Stilisierung ins Horror-Genre hinein, wie sie etwa Lynne Ramsays Familienaufstellung We Need to Talk About Kevin zu Festivalbeginn so unangenehm kennzeichnete. Andererseits erfährt der Zuschauer nichts, was ihm nicht etwa hinlänglich aus dem Fall Natascha Kampusch bekannt wäre. Die nahezu totale Effektlosigkeit: auch ein Effekt.

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