erfunden hat und seither für das Böse steht im Journalismus . Jenen Kummer , von dem man weiß, dass er, obwohl die Sache inzwischen rund zehn Jahre her ist, nichts wissen will von Reue und den Fehler nie bei sich suchte. So ein Film über diesen Kummer kann eigentlich nur schief gehen. Und tatsächlich deutet der Regisseur Miklós Gimes recht früh im Film an, dass es ihm nicht gelingen wird, Tom Kummer zu "knacken", wie er es nennt.

Ein Dokumentarfilm über Tom Kummer. Jenen Tom Kummer, der Interviews unter anderem mit Mike Tyson , Sharon Stone und Kim Basinger

Alles andere wäre auch eine Sensation gewesen. Im Film lässt sich Tom Kummer kaum beobachten, obwohl es nicht schwer ist, Privates von ihm zu bekommen. Er inszeniert sich, sogar wenn er Tennis spielt (was er nun beruflich tut), wenn er mit seien Kindern zum Campen in die kalifornische Wildnis fährt, oder wenn er in Berlin scheinbar alte Freunde wieder trifft. Manchmal, wenn Tom Kummer für ein paar Sekunden die Kamera aus den Augen verloren hat, schaut er wieder kurz zu ihr hin, als wolle er sich vergewissern, dass sie noch läuft.


Die Grundfrage ist spannend, erst recht nach dem Fall Guttenberg : Was treibt jemanden, so dreist zu lügen? Fühlt er sich sicher, solange es nicht auffliegt? Und wenn ja, warum? Dass der Film darauf keine Antworten findet, obwohl er den Protagonisten bis ins Intimste zeigt (selbst der Tisch ist zu sehen, auf dem Kummer vermutlich eines seiner Kinder zeugte) und auch in seiner Kindheit recherchiert (der frühe Tod des Vaters), liegt nur zum Teil an Tom Kummer. Es liegt vor allem auch daran, dass Gimes diejenigen, die vormals Kummers Auftraggeber waren, im Film nicht zu Wort kommen lässt. Sie haben es vorgezogen zu schweigen. Denn sie sind mit dem bisherigen Ergebnis der Tom-Kummer-Geschichtsschreibung wohl ganz zufrieden: Tom Kummer, der böse Junge, der uns Schaden brachte.

Also präsentiert der Film Kummer so, wie er sich selbst gerne sieht: als einen Getriebenen, voller Talent, der gar nicht anders kann als Realität und Fiktion zu vermischen und dabei neue Kunst entstehen lässt. Kummer glaubt, dass seine Auftraggeber immer wussten, was sie da geliefert bekamen . Ein Streit mit ihnen darüber wäre sicher schön gewesen. Stattdessen redet er im Film vielfach mit den Falschen: mit anderen Journalisten, die Erfolg hatten, und die ihm mehr oder weniger mitleidig erklären, was er alles falsch gemacht hat.

Der Regisseur Miklós Gimes war selbst stellvertretender Chef des Schweizer Tagesanzeiger-Magazin , als Interviews von Kummer dort erschienen. Gimes sagt heute, er habe damals nie Zweifel gehegt. Im Film also auch kein Satz wie: Ich hätte ihn früher aufhalten können. Weder Protagonist noch Regisseur scheinen allzu sehr von Selbstzweifeln befallen zu sein.