Film "Joschka und Herr Fischer" Joschka Sponti Superstar

Pepe Danquarts neuer Film feiert den früheren Außenminister. "Joschka und Herr Fischer" zeigt tolle Bilder aus der BRD-Geschichte, aber leider auch zu viel Lobhudelei.

Keiner knarzt so schön mit der Stimme wie Joschka Fischer. Immer wenn er über die Kriege von Hitler bis Bush spricht, über seine Gewichtsprobleme, über Gott und Marcuse – immer dann bekommt der frühere Außenminister diese Knarze-Stimme. Sie klingt nach Selbstzweifel und Weltenschmerz und zugleich nach Selbstgewissheit und Weltdeutung. Sie passt gut zu seinem Stirnrunzeln.

Joschka Fischer ist Held und Erzähler in einem dokumentarischen Kinofilm von Pepe Danquart, der in dieser Woche in die Kinos kommt. Die Rahmenhandlung: Fischer, inzwischen alt und rund geworden, steht in einem kellerartigen Raum und spricht über seine Vergangenheit. Man sieht Fotos und Videoschnipsel aus seiner Vergangenheit, die über große Flachbildschirme laufen. Fischer kommentiert sie.

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Das ganze dauert 140 Minuten. Langweilig wird es trotzdem fast nie. Das hängt damit zusammen, dass Fischer eine spannende Biographie hat, die in einem spannenden Land spielt: der westdeutschen BRD.

Los geht's mit dem Nachkriegsjahrzehnt. Man sieht Schwarz-Weiß-Bilder aus Oeffingen, Fischers Heimatdorf in der schwäbischen Provinz. Man kann das stickige Klima der 50er Jahre förmlich spüren: den Revanchismus der Elterngeneration, die Lehrmeinung von den Deutschen als Opfer, die Enge des katholischen Dorfmilieus. Der junge Fischer litt darunter, aber es prägte ihn auch, wie man seinem Knarzen entnehmen kann.

Wer weiß, ob Fischer ohne die Erfahrung der Spießbürgerlichkeit in Deutschlands führende Revoluzzer-Liga aufgestiegen wäre? Jedenfalls wollte er raus, nach Stuttgart und später nach Frankfurt. Fischers Generation probte den Aufstand. Es ging gegen die autoritären, verlogenen Instanzen der Republik. Aber es ging auch um eine neue Freiheit, um Sex, Haschisch und Rockmusik. Man sieht grandiose Bilder, wie Langhaarige und Bullen sich prügeln. Dazu hört man die verzerrten Riffe von Jimmy Hendrix.

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Spannend sind auch die 80er Jahre: die Gründung der Grünen, ihr Einzug in den Bundestag. Wie Petra Kelly und Konsorten mit den CDU-Honoratioren über das Recht auf erfüllte Orgasmen streiten wollen – das ist schon großes Kino. Auch der Streit zwischen Realos und Fundis gehört auf die Leinwand. Wie diese langhaarigen, strickenden Menschen sich voneinander entfremden, wie sie langsam erwachsen werden oder eben radikal und weltfremd bleiben, all das ist sehr bunt und unterhaltsam.

Fischer, eben noch Steineschmeißer, wird Ober-Realo. Man sieht einen Reifeprozess von Homerschem Ausmaß: Sekunden nach seiner Vereidigung als hessischer Umweltminister, die er noch in Turnschuhen und feixend über sich ergehen lässt, hockt er mutterseelenallein am Schreibtisch seines Ministeriums. Der Druck ist groß. Die Vorwürfe häufen sich. Regieren ist scheißschwer, seufzt Fischer sinngemäß aus dem Off. 

Leser-Kommentare
  1. film haben wir nicht gebraucht-das sich j f nicht dagegen ausgesprochen hat den zu drehen verwundert mich nicht mehr -

    schade eigentlich, war er doch ein beachtenswerter diplomat -

  2. Selbstherrlichkeit ist und war schon immer nicht zum Aushalten. Man hat manchmal das Gefühl er hält sich für den Messias persönlich, wie er bei Interviews zwischen Folianten in irgendeiner (seiner?) Villa sitzt, mit buddhistischem Lächeln Fragen so gelassen, ja fast aus dem Jenseits beantwortet.

  3. Bei dem Hype um diese Person wird mir übel !

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Joschka Fischer hat aus antiautoritären Reflexen heraus zum Schluss 1,5 Mio Steuergelder rausgehauen, um ein Historiker-Gutachten erstellen zu lassen, dass nach mittlerweile überwiegender Ansicht interessengeleitet und wissenschaftlich nicht haltbar ist. Hans Mommsen empfahl den von Fischer verpflichteten Autoren sogar den Besuch eine wissenschaftlichen Proseminars: http://berlin2011.wordpre...

  5. 5. [...]

    Habe ihn mal gewählt.
    Bereue es.
    Anm: Bitte bleiben Sie höflich und respektvoll im Sinne der Netiquette. Danke. Die Redaktion/km

    • Quirke
    • 19.05.2011 um 22:07 Uhr

    Hendrix hatte den Vornamen "Jimi" (nicht "Jimmy") und auf seiner Gitarre produzierte er kein "Riffe" sondern "Riffs"!

  6. Der verstorbene Top-Journalist Günter Gaus sagte über Joseph (Joschka) Fischer:
    "Er ist der grösste Opportunist, den ich kenne, und ich kenne viele".
    Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

    Nachzulesen in der ZEIT
    http://www.zeit.de/2004/0...

    Und so kenne ich ihn auch aus der Frankfurter Zeit

    Dr. Alexander von Paleske
    Arzt für innere Medizin, Haematologie
    Bulawayo/Simbabwe
    Ex Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt (M)

  7. Welcher Hype soll denn hier vorliegen? Fischers Buch ein Hype, ein Film über Fischer ein Hype? Typisch deutsches Verhalten gegenüber Politikern die unkonventioneller agierten als andere und eben auch eine bewegende Vergangenheit aufweisen. Wer so tut als ob dieser Politiker nichts weiter als ein Großkotz ist, der hat nicht ihn nicht verstanden oder will es auch nicht, aus welchen Gründen auch immer.

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    Danke für diesen Kommentar - sehe es ebenso...!

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