Wer von ihnen sich als Ausländer, als Deutscher oder als beides fühlt, hängt von den individuellen Lebensumständen ab. Der afghanische Gemüsehändler zum Beispiel kam einst nicht freiwillig nach Deutschland. Mit 16 wurde er allein in eine fremde Kultur geschickt und fühlte sich unendlich einsam. Jetzt ist ihm sein Laden Heimat. Während der WM läuft für die Stammkunden der Fernseher und eine lästige Fliege beschimpft er kichernd als "Scheißausländer". Seine Kinder sind deutsche Gymnasiasten, und er wird ganz feierlich, wenn er über die Freiheit spricht, die Deutschland ihm gewährt. Trotzdem: deutsch fühlt er sich deshalb nicht.

Ganz anders die serbisch-deutsche Polizistin, die in Jungbusch Streife fährt. Sie versteht, wie die alten Männer vom Balkan ticken, die auf dem Platz mit ihren Deutschlandhüten tanzen. Aber sie fühlt sich nur als eines: deutsch, während sich die Jungs aus der Fußballmannschaft lieber Ausländer nennen. Nicht, weil sie sich wirklich als Türken oder Italiener fühlten – einfach nur, weil sie anders sind als die Deutschen.

Empirisch beweist Kohl: Migrationshintergrund ist nur ein bürokratisches Wort, das keine Gruppe zusammenfügen kann. Im Kleinen hingegen kann Deutschland vielen Menschen Heimat sein. Dabei kann die Nationalmannschaft immer wieder gut als Folie herhalten. "Wer war der beste Deutsche heute?", schreit einer am Ende des Films. Und der Chor aus all den vielen verschiedenen Deutschen brüllt zurück: "Özil!"