Der dänische Regisseur bei einem Auftritt vor der Presse in Cannes © Vittorio Zunino Celotto/Getty Images

Er hat Hitler gesagt! Er hat Hitler gesagt! Dieses Mal war's Lars von Trierund Cannes steht Kopf. Der dänische Regisseur gab am Mittwoch eine Pressekonferenz und kam vom Judentum zu seinen deutschen Wurzeln, von da zum Mitgefühl für Hitler im Bunker und bekannte letztlich, Nazi zu sein. Zumal ihm die Architektur von Albert Speer gefalle.

Der Aufschrei war, wie zu erwarten, groß. Schon am Abend entschuldigte sich von Trier für seine Aussagen. Trotzdem hat die Festivalleitung des Filmfests in Cannes Lars von Trier heute zur dort unerwünschten Person erklärt.

Erst ein Hitlervergleich, dann große Aufregung, dann hektisches Dementieren und Distanzieren – so geht das schon seit einigen Jahren mit den Nazi-Skandälchen. Es ist damit wie mit einem Böller: Für einen Moment ist es sehr laut, kurz stinkt es, aber Minuten später ist Ruhe eingekehrt. Schon kurze Zeit später kann genau dieselbe Pointe zünden. Zurück bleibt der rhetorische Müll – wie im Falle von Trier das falsche Sich-Reinfühlen in Hitler im Bunker, die fragwürdige Gleichsetzung von Nazis und Deutschen sowie die naive Bewunderung für Speer.

Im aktuellen Fall ist die Erregung besonders verlogen, falsch und albern. Weil Lars von Trier seit Jahren als Garant für jede Art von Provokationen gilt und gerade wegen seiner Rolle als Enfant terrible geschätzt und eingeladen wird. Wenn man sich schon wundern will, dann darüber, dass von Trier mittlerweile auch zur billigsten aller Provokationen greift, um Aufmerksamkeit zu heischen. 

Vor allem aber: Was Lars von Trier bei jener Pressekonferenz von sich gab , war ganz offensichtlich weder sonderlich ernst gemeint, noch sonderlich durchdacht. Und schon gar nicht war es, was viele Überschriften suggerierten: ein Bekenntnis des Regisseurs zu Hitler und den Nazis. Von Trier ist vielleicht ein Schwätzer, ein Faschist ist er nicht. Nicht nur von Triers Provokation ist also billig – sondern auch die Aufregung darüber.

Das Problem ist eigentlich auch nicht Lars von Trier oder der Unfug, den er witzelnd und provozierend von sich gibt. Das eigentliche Problem an dieser Art des Umgangs mit Hitler und dem Nationalsozialismus: dass die Ernsthaftigkeit und Vorsicht bei dem Thema längst weg sind, und die Aufregung jede sachliche Diskussion erstickt. Es gäbe ja durchaus einiges zur Rolle Albert Speers im Dritten Reich und zu Hitlers letztem Tag richtig zu stellen – und dazu, dass angesichts der von Hitler zu verantwortenden Gräuel eben kein Mitleid mit ihm angesagt ist.

Statt aber diese Diskussion zu führen und inhaltlich auf von Trier zu antworten, wird das Problem kurzerhand durch Ausgrenzung und Ausschluss gelöst. Bis zum nächsten Nazi-Skandal.