Film "Alles Koscher" Joggen in der Burka

Ein Muslim stellt fest, dass er als Jude geboren wurde. Die englische Mainstream-Komödie "Alles Koscher" erlaubt uns, über Islam, Judentum und Burkas zu lachen.

britischen Komödie Four Lions werden im bösesten Monty-Python-Stil dusselige Terroristen in die Luft gejagt – Alles Koscher wählt die Form eines konventionellen Unterhaltungsfilms.

Der Trend zur respektlosen Komödie über Islam, Einwanderung und religiösen Fanatismus in den europäischen Kinos ist erfrischend: Plötzlich dürfen wir neurotische Fundamentalisten einfach auslachen und die Zeichen des Terrors und der Diskriminierung, eingebaut in einen aufgeklärten Alltag, ad absurdum führen. In der schwarzen

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Im englischen Original heißt der Film schlicht und provozierend: Der Ungläubige (The Infidel). Wie schade, dass er im Deutschen mit dem Titel Alles Koscher auf eine Religion und die Krise des Helden auf einen dünnen Witz reduziert wird.

Ein Ungläubiger ist der gutmütige Familienvater Mahmud, gespielt von dem englisch-iranischen Komiker Omid Djalili, allerdings nicht. Seine Welt ist zwar eine – im westlichen Sinne – stinknormale, kleinbürgerliche Vorort-Familienwelt. Aber das Fremde, das Muslimische, springt dem Zuschauer regelrecht ins Gesicht, weil der Regisseur Josh Appignanesi es wie selbstverständlich in bekannte Bilder integriert. So bespricht Mahmuds hübsche und pragmatische Frau Saamiya ihre Beziehungsprobleme mit ihrer Tratsch liebenden Freundin beim Joggen. So weit schon oft gesehen. Nur dass diese Freundin munter in schwarzer Vollverschleierung neben Saamiya herläuft. Auch Mahmuds kleine Tochter fällt aus der Rolle des süßen Vorstadtmädchens, spielt sie doch am liebsten Heiliger Krieg: Mit Hassparolen stürmt sie durchs Wohnzimmer und metzelt mit ihrem Plastikschwert Ungläubige nieder.

All dies ficht Mahmud nicht an. Für ihn ist Religion kein Thema. Sie ist eben da. Wenn ein Bericht über den Hassprediger Arshad al-Masri im Fernsehen läuft, zappt er genervt weg. Lieber schaut er sich die Musikvideos von Gary Page an, einem Rockmusiker aus den Achtzigern.

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Die Krise trifft Mahmud dafür gleich mit doppelter Wucht: Sein gläubiger Sohn Rashid will heiraten. Leider ist die Mutter seiner Auserwählten dabei, ausgerechnet jenen Hassprediger Arshad al-Masri aus den Nachrichten zu ehelichen. Rashid verlangt nun von seinem Vater, dass er als frommer Muslim den Islamisten empfangen soll, damit das junge Paar den Segen für die Hochzeit bekommt.

Als wäre das noch nicht heikel genug, erfährt Mahmud schließlich, dass er von seinen pakistanischen Eltern adoptiert wurde. Sein Geburtsname ist Solly Shimshillewitz, er ist als Jude geboren. Sein leiblicher Vater wohnt noch in der Gegend und liegt nun im Sterben. Der Rabbi verlangt von Mahmud, dass er sich erst wie ein echter Jude benehmen müsse, bevor er seinen Vater noch einmal sehen darf. Der "Ungläubige" muss sich also nun die Regeln von zwei Religionen aneignen, was ihn in eine tiefe Identitätskrise stürzt. 

Leser-Kommentare
    • TNE
    • 28.06.2011 um 16:45 Uhr

    Omid Djalili ist für diesen Job die Idealbesetzung! Ich freu mich so!

    • Tylias
    • 29.06.2011 um 1:23 Uhr

    Hab den Film am Montag in der Sneak gesehen, sehr schöner Film und das Publikum war begeistert.
    Das Ende ist vielleicht nicht so geschickt aufgelöst aber die Thematik ist auch so schwierig das es kaum wirklich authentische und zufriedenstellende Lösungen gibt.
    (Genauso bei der Szene mit der beinahe-Verhaftung)

    Ansonsten aber sehr schön, ich habe herzlich gelacht :D

    ... Oi...

    • lepkeb
    • 29.06.2011 um 3:29 Uhr

    hier letztes Jahr und hatte seine Momente, aber man wird ihn auch schnell wieder vergessen, ist imho einfach zu flach. Bei der Thematik schaue ich mir doch lieber "Entweder Border – Die Deutschland-Safari" an, der an Realsatire den Film imho bei weitem übertrifft, aber wohl leider vom dt. ÖRF erst um Mitternacht ausgestrahlt wurde. Leider.

    @Tilias
    Oy vey, Oy wird mit Ypsilon geschrieben. ;-)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Geschmack ist allahseidank immer verschieden.
    Ihren Vergleich mit "Entweder Broder" kann ich nicht nachvollziehen, finde ihn aber geschmacklos.
    Hier geht es um einen Kinofilm und nicht über eine platte narzistische Selbstdarstellung einer unbekannten Göre in einer hohlen TV-Serie, für die der GEZ-Gebührenzahler aufkommen muss.

    Geschmack ist allahseidank immer verschieden.
    Ihren Vergleich mit "Entweder Broder" kann ich nicht nachvollziehen, finde ihn aber geschmacklos.
    Hier geht es um einen Kinofilm und nicht über eine platte narzistische Selbstdarstellung einer unbekannten Göre in einer hohlen TV-Serie, für die der GEZ-Gebührenzahler aufkommen muss.

  1. ... aber Archie Panjabi ist toll!

  2. Omid Djalili, Archie Panjabi? Gekauft. :-)
    Lepkebs Tipp "Entweder-Broder" kann ich trotzdem unterstützen. Warum sich entscheiden, wenn man beides haben kann?

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  3. Entfernt. Bitte bleiben Sie konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

  4. Geschmack ist allahseidank immer verschieden.
    Ihren Vergleich mit "Entweder Broder" kann ich nicht nachvollziehen, finde ihn aber geschmacklos.
    Hier geht es um einen Kinofilm und nicht über eine platte narzistische Selbstdarstellung einer unbekannten Göre in einer hohlen TV-Serie, für die der GEZ-Gebührenzahler aufkommen muss.

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    Antwort auf "Der Film lief"
    • Kabuf
    • 30.06.2011 um 12:46 Uhr

    Hier in England lief er ja schon vor einer Weile, wir haben uns gerade die DVD geholt. Der Film ist ganz lustig, aber der absolute Hit ist er nicht und die Lachmuskeln werden nicht halb so oft bemüht wie der obige Artikel glauben lassen mag. Zur Verteidigung muss ich allerdings hinzufügen dass der Film nicht als flache Komödie konzipiert wurde, sondern durchaus ernst genommen werden will.

    Er zeigt den Alltag in vielen Schichten, reicht hier aber nicht immer in die Tiefe, und die Wendungen der Geschichte haben wiederholt eher unglückliche, da etwas erzwungen scheinende Lösungen. Letztendlich wird der Film durch die Besetzung gerettet - Omid Djalili natürlich prominent als das etwas trottlige Familienoberhaupt, dem das Leben aus der Hand gleitet, aber auch Richard Schiff spielt seine Rolle als zynischer amerikanisch-weltlicher Jude, den die Liebe in die englische Provinz verschlug, einfach wunderbar. Allein sie heben den Film aus dem Mittelmaß.

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