Stasi-Kurzfilm Gemeinheit als Mittel der Staatsmacht

Der Kurzfilm "Die Klärung eines Sachverhalts" zeigt anhand eines authentischen Stasi-Verhörs die ganze Perfidität eines Staates, der Angst vor seiner Selbstauflösung hat.

Immer wenn man denkt, gemeiner, hinterhältiger, perfider kann es nicht mehr werden, wird es noch gemeiner, hinterhältiger und perfider. Das Stasi-Verhör aus dem Jahr 1985, das der Kurzfilm zeigt, lässt nichts aus, was die menschliche Seele an Widerwärtigkeiten bereit hält und beruht doch, wie es im Vorspann heißt, "auf wahren Begebenheiten".

Offiziell wird Jürgen Schulz nur "zur Klärung eines Sachverhalts" einbestellt. 24 Stunden wird er schließlich zu seinem Ausreiseantrag befragt. Josef Heynert spielt den im Grunde nicht gegen die DDR eingestellten, jungen Wirtschaftsingenieur Jürgen Schulz, Horst-Güner Marx den verhörenden Stasi-Hauptmann.

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Der setzt die Mittel des Drucks und der scheinbaren Verbrüderung im wohldosierten Wechsel ein. Die Kamera folgt den beiden im klassischen Schuss- und Gegenschuss oder vereint sie auf einem Bild, den Stasi-Mann tief über sein Opfer gebeugt, ihm ins Ohr flüsternd, es lockend, versuchend, ihm drohend.

Das Wendland Shorts Filmfestival

Seit Ende 2010 hat ZEIT ONLINE 30 Kurzfilme junger Regisseure vorgestellt, die das Festival Wendland Shorts in den vergangenen Jahren gezeigt und ausgezeichnet hat. Mit dem Beginn des diesjährigen Festivals im norddeutschen Lüchow-Dannenberg vom 17. bis 19. Juni 2011 endet diese Zusammenarbeit. Doch auch in Zukunft werden wir auf unserer Filmseite interessante und innovative Kurzfilme vorstellen.

Der Sachverhalt ist schnell erzählt: Nach einem Schlaganfall ihres Vaters will Schulz` Frau Sybille (Julia Brendler) in den Westen, wo ihre Eltern leben, um sie zu unterstützen. Das junge Paar erwartet ein Kind und für den liebenden Schulz ist klar, dass er den Wunsch seiner Frau unterstützen wird – immerhin ist es in der DDR des Jahres 1985 nicht illegal, einen Ausreiseantrag zu stellen. Doch als Schulz es ablehnt, den Antrag zurückzuziehen oder gar seine Schuld an einem Verbrechen einzugestehen, das er nicht begangen hat, quittiert das der Stasi-Beamte am Ende mit einem Bleistiftstrich und der Empfehlung: "18 Monate".

Der Fall Jürgen Schulz ist kein herausragender Einzelfall. Im Nachspann wird erläutert, dass bis zum Fall der Mauer 33.755 politische Häftlinge der DDR gegen eine Summe von 3,4 Milliarden D-Mark in Devisen von der BRD freigekauft wurden. So auch Jürgen Schulz. Für knapp 100.000 D-Mark durfte er 1987 das Land der unmenschlichen Verfolgung endlich verlassen.

Mit diesem sehr eindrücklichen Zeugnis, wie intensiv ein Kurzfilm auch historisch Komplexes darzustellen weiß, endet unsere Kooperation mit dem Kurzfilmfestival Wendland-Shorts. Am Wochenende eröffnet das diesjährige Festival mit 123 neuen Kurzfilmen.

Zum Film:
15 Minuten; Mit: Josef Heynert, Julia Brendler, Horst-Günter Marx; Buch und Regie: Sören Hüper, Christian Prettin; Produzenten: Jens-Peter Köll, Volker Redeker, Dirk Roggan; Ausführende Produzenten: Volker Redeker, Dirk Roggan; Junior Producer: Jonas Weydemann; Kamera: Marcus Kanter; Schnitt: Nikolai Hartmann; Musik: Marian Lux

 
Leser-Kommentare
  1. Und schon höre ich die ewig gestrigen schreien: Er hätte ja nur keinen Ausreiseantrag stellen müssen. So war das nicht. Wenn in der DDR jemand verurteilt wurde, dann nicht ohne Grund... und im übrigen war vieles besser.
    Hört das denn nie auf?

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    • Mailer
    • 15.06.2011 um 0:11 Uhr

    ... brauchen wir kritische Beiträge. Für eine gute Demokratie. Und gegen Revisionismus.

    • Mailer
    • 15.06.2011 um 0:11 Uhr

    ... brauchen wir kritische Beiträge. Für eine gute Demokratie. Und gegen Revisionismus.

    • Mailer
    • 15.06.2011 um 0:11 Uhr

    ... brauchen wir kritische Beiträge. Für eine gute Demokratie. Und gegen Revisionismus.

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