Zum Tod von Peter Falk Der Mann im Trenchcoat

Er war Polizist und einer von uns: Peter Falks Inspektor Columbo war eine der beliebtesten TV-Figuren. Doch der Schauspieler konnte weit mehr als den kauzigen Cop.

Im Wim-Wenders-Film Der Himmel über Berlin schlendern ein paar Arbeitertypen über ein Matschgelände an der Ruine des Anhalter Bahnhofs. Peter Falk kommt vorbei. "Eh watten, war det nich Columbo?", ruft einer. "Nee, gloob ick nich. Mit dem schäbigen Mantel? Der rennt doch hier nich durch die Pampe, biste verrückt!"

Dabei macht doch genau das das Image von Peter Falk alias Inspektor Columbo aus: schäbiger Trenchcoat, verbeultes Peugeot-Cabrio und keine Scheu, "durch die Pampe" zu rennen. Die war für den Ermittler, den Falk von 1968 bis 2003 in 69 Folgen gab, allerdings meist metaphorischer Natur: Er ermittelte häufig in den Villen der Edelviertel von Los Angeles, wo man sich die Finger nur an moralischem Morast schmutzig macht.

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Und Columbo nutzte es aus, dass die Schönen und Reichen ihn, den Schussel mit dem Knautschgesicht, nie so ganz ernst nahmen. Auch echte Polizisten kennen den "Columbo-Effekt" als Verhörtechnik: scheinbar nebensächliches Gerede, vermeintlich mangelnde Aufmerksamkeit lullen den Verdächtigen ein, doch Beobachtungsgabe und logische Kombination lauern unter der Oberfläche. Bei Columbo schnappen sie dann zu mit seinem "eine Frage hätte ich noch" (im Original just one more thing).

Dass diese Rolle so große Sympathien der Zuschauer genoss, ist kein Wunder: Columbo ist Polizist, aber doch einer von uns. Er hat eine Frau, die zwar nie zu sehen ist, von der er aber häufig spricht, und einen Bassett namens "Dog". Er wird seekrank und hat Flugangst, gibt das Rauchen auf und fängt immer wieder an.

Wenn Columbo ein Beweisstück aus der Tasche ziehen will, erwischt er stattdessen den Einkaufszettel. Selbst der Trenchcoat, der doch auf Vorgänger wie Humphrey Bogart verweist, wirkt an ihm nicht cool. Die Bösen dagegen, um deren Schuld der Zuschauer der Serie stets von Anfang an weiß, stehen meistens ein paar Einkommensklassen über dem italoamerikanischen Lieutenant und vermeintlich auch über den Dingen. Welche Genugtuung, wenn ihre Sicherheit zerstört wird.

Peter Falk war nicht nur Columbo. Aber er trug vor der Kamera seine eigene Kleidung, wie er in seiner Autobiografie berichtet, und improvisierte viele der "Columboismen" - der plötzlichen Themenwechsel im Gespräch. Seine Mitschauspieler sollten glaubwürdig verwirrt wirken. Den Gesichtsausdruck, mit dem er Verdächtige irritierte, ein Auge stärker zusammengekniffen als das andere, den spielte er nicht: Sein rechtes Auge war aus Glas, er war mit drei Jahren an einem Tumor erkrankt. Den Italoamerikaner konnte er glaubwürdig geben, weil er in einem italienischen Viertel aufgewachsen war, seine Vorfahren waren osteuropäische Juden.

Falk, Jahrgang 1927, wollte ursprünglich nach der Schule zur Armee gehen, doch sein Glasauge war ein Ausschlussgrund. Er heuerte auf einem Handelsschiff als Koch an und bewarb sich nach dem College-Abschluss – wieder vergeblich - bei der CIA. Stattdessen bekam er eine Anstellung bei einer Finanzbehörde. Nebenbei spielte er in einer Laiengruppe Theater. Er nahm Schauspielunterricht und schaffte es Mitte der fünfziger Jahre an den Broadway und dann nach Hollywood.

Leser-Kommentare
    • secura
    • 25.06.2011 um 11:56 Uhr

    Columbo ist natürlich nicht tot. Columbo lebt ewig in seinen Filmen.

    Tot ist Peter Falk, der geniale Schauspieler mit dem echten Glasauge. Er verkörperte den
    schussligen Inspektor in zahlreichen Folgen für das Fernsehen.

    Columbo ist der klasssische Underdog und ein Meister des "Understatements".
    Er umgarnt seine "Opfer" aus der amerikanischen Oberschicht, überheblich-arrogante Mitglieder der High Society, die Columbo oft genug spüren lassen, daß er nur ein kleiner Beamter des Los Angeles Police Department ist und daß sie beste Beziehungen zu seinen Vorgesetzten haben. Sie halten sich sozial und geistig Columbo für überlegen und glauben, daß sie das perfekte Verbrechen begangen haben, mit dem sie durchkommen werden.

    Da der Zuschauer in den meisten Episoden weiß, wer der Mörder ist, liegt die Spannung in der Art, wie Columbo den Fall mit List und Logik löst:"Da wäre noch eine Kleinigkeit..."

    Dabei ist Columbo nicht ohne Verständnis für seine "Opfer"- er versteht ähnlich wie Maigret die Täter aus der Unterschicht die Täter aus der Oberschicht und ihre Motive. Aber er billigt deswegen nicht die Tat. Daher endet jede Episode damit, daß der Täter mehr und weniger freiwillig mit den Polizisten in Uniform mitgeht.

    Hans-Peter Oswald
    [...]

    Entfernt. Bitte verlinken Sie nicht auf werbliche Seiten. Danke. Die Redaktion/ew

  1. Wenn man nun von seinem Leben, der Karriere, den Preisen liest, weiß man sofort, er war ein ganz Großer des Business.
    Trotzdem war er in jeder Folge Columbo einem ganz nah und vertaut.
    Er bleibt für immer eine der besten TV-Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend!
    R.I.P.

  2. ....habe ich mindetens soviel wie die Serie Tatort gemoecht.

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  3. ...verzeihen Sie die aus ungeuebtem Umgang mit der Tastatur mir immer wieder entstehenden Tippfehler. Es heisst natuerlich, mindestens und gemocht.

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    • Ayyub
    • 25.06.2011 um 13:49 Uhr

    Columbo war schon immer mein Held, er war sogar vielleicht eine Art Vorbild. Auf jeden Fall jemand zu dem ich aufgeschaut habe. Er hatte es nie nötig gehabt gewalttätig, oder ausfallend zu werden - er hat alles mit seinem Verstand gelöst. Er war ein sehr intelligenter Mann, hat dies aber nicht zu Schau gestellt. Ich glaube auch, er war ein sehr genügsamer und bescheidener Mensch. Alles in einem jemand, den ich sehr gemocht habe.. und den ich sehr vermissen werde.

    - Ayyub

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    Von der Überschrift abgesehen ist Ihren Ausführungen nichts hinzuzufügen. Ich nehme die Rubrik lediglich zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass die häufig in deutschen Texten benutzte Bezeichnung Trenchcoat falsch ist. Deses Kleidungsstück (Schützengrabenmantel) ist zweireihig ist geknöpft, wird mit Gürtel getragen und hat Schulterstücke.

    Von der Überschrift abgesehen ist Ihren Ausführungen nichts hinzuzufügen. Ich nehme die Rubrik lediglich zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass die häufig in deutschen Texten benutzte Bezeichnung Trenchcoat falsch ist. Deses Kleidungsstück (Schützengrabenmantel) ist zweireihig ist geknöpft, wird mit Gürtel getragen und hat Schulterstücke.

  4. Er wusste es immer. Der Rest ist understatement gegen Aroganz.

  5. ... rechnet man damit, daß er nochmal auf dem Absatz kehrt macht um uns mit einer letzten Bemerkung zu überraschen.

    Aber das ist jetzt wohl doch leider für immer vorbei.

    R.I.P.

  6. Von der Überschrift abgesehen ist Ihren Ausführungen nichts hinzuzufügen. Ich nehme die Rubrik lediglich zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass die häufig in deutschen Texten benutzte Bezeichnung Trenchcoat falsch ist. Deses Kleidungsstück (Schützengrabenmantel) ist zweireihig ist geknöpft, wird mit Gürtel getragen und hat Schulterstücke.

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