Filmförderung "Der Blick auf die Quote schadet"

Regisseur Markus Sehr musste für jede Szene seines Debütfilms kämpfen und auch Til Schweiger stellte als Produzent die eigene Gage zurück. Sechs Stimmen zur Filmförderung

Til Schweiger, 47, ist Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Er spielte neben Brad Pitt im Tarantino-Film Inglourious Basterds mit und füllt die deutschen Kinosäle mit seinen Komödien. Seinen jüngsten Film Kokowääh produzierte er mit seiner Firma Barefoot, führte Regie, schrieb das Drehbuch und übernahm an der Seite seiner jüngsten Tochter Emma die Hauptrolle.

"Als Schauspieler hat man am wenigsten Verantwortung, kann sich in die Hände des Regisseurs begeben und tatsächlich auch mal ein Projekt annehmen, von dem man vielleicht nicht hundertprozentig überzeugt ist, bei dem man aber weiß – von dieser Gage kann ich meine Miete bezahlen. Als Regisseur hast du die Verantwortung für ein großes Team und einen ganzen Film. Da spielt die eigene Gage eher eine untergeordnete Rolle. Kreative Entscheidungen muss man finanziellen Gegebenheiten oftmals anpassen und das Beste aus dem Budget herausholen, was man zur Verfügung hat.

Als Produzent hast du das größte Risiko und musst unter Umständen dem Regisseur auch mal sagen: Sorry, das kannst du jetzt so nicht machen, das ist zu teuer. Wenn man wie ich in meinen eigenen Produktionen in Dreifachfunktion agiert, ist das manchmal gar nicht so einfach.

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Ich weiß aus Erfahrung, dass es oft einen langen Atem braucht, bis man ein Projekt anschieben kann, so wie das bei Barfuss der Fall war. Der erste Film ist sowieso immer der schwierigste in der Finanzierung, weil man ja auch erst mal Vertrauen bei Förderungen und Geldgebern aufbauen muss. Wobei auch mein zweiter Film One Way nicht ganz einfach zu finanzieren war. Nachdem ein Finanzier kurzfristig abgesprungen war, mussten wir relativ kurzfristig noch Geld auftreiben. Mein Produzentenpartner Tom Zickler und ich sind damals sogar extra nach Kitzbühel geflogen, um einen Scheich zu treffen, der dort Urlaub machte. Der entpuppte sich allerdings als ziemlicher Schaumschläger und nicht als potenzieller Investor.

Wenn es dann eng wird und man selber als Produzent mit drin steckt, stellt man als erstes seine eigene Gage zurück, damit der Film noch gemacht werden kann. Und wenn der Film dann nicht erfolgreich ist, wie es bei One Way der Fall war, hat man nicht nur nichts dabei verdient, sondern auch noch Geld verloren. Das kann für kleine Firmen schon das Aus bedeuten.
Wir hatten danach das Glück, mit Keinohrhasen so einen großen Erfolg zu haben. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätten wir zum Beispiel den Film 1 ½ Ritter gar nicht drehen können. Dieser Film war aufgrund der vielen Locations und der Ausstattung sehr teuer, das Budget wurde auch noch überzogen.

Obwohl der Film 1,8 Millionen Zuschauer hatte, habe ich als Produzent noch Geld hineingesteckt und nichts verdient. Insofern konnte ich bisher zwar alle Filme, die ich gerne machen wollte, realisieren, aber immer mit einem hohen eigenen finanziellen Risiko."

Leser-Kommentare
  1. Das Problem ist, dass Förderung immer konservativ ist und gewisse Erwartungen hat.

    Nehmen wir mal die Nazis, die ja immer funktionieren im Förderkontext. Ein empathisches Psychogramm eines SS-Manns wäre nicht der Erwartung entsprechend. Man ist da festgelegt wie die Leute einst mit dem Hollywood-Code auf die Repetition der gleichen Schemen und "kritischen Ansichten".

    Theo van Gogh war der letzte, der Konventionen mit dem Brecheisen aufgesprengt hat. Und in Deutschland gibt es keinen guten Unterhaltungs-Thriller aus der Förderwerkstatt. Förderung in der Kunst produziert Kitsch und Selbstzensur. Wir bräuchten einen Uwe Boll mit Begabung.

  2. Die beste Förderung von Filmen, Spielen, Werken aus Malerei und Bildhauerei, ebenso wie dem Bereich Musik die den Anspruch erheben, Anspruch zu haben, ist immer noch die Investition in die Bildung und kritisches Denken.

    Das beste Kunstwerk ist wertlos wenn es niemanden gibt der in der Lage ist, es zu verstehen.
    Wie der erste Kommentator schon erwähnt, ist die Förderung einzelner Werke problematisch, aufgrund der Wertungshoheit von Einzelpersonen.

    Allerdings stellte sich mir die Frage, wenn in der Überschrift "Der Blick auf die Quote schadet." steht und dann "1 1/2 Ritter" ins Gespräch gebracht wird. Ganz ernsthaft, mit welcher Intention wurde dieser Film gedreht?

  3. Interessanter Artikel! Es ist für mich immer spannend, wenn auch über das Hinter-der-Kamera-Geschehen der Filmproduktion geschrieben wird.
    Aber bitte noch einmal Korrektur lesen (Rechtschreibung, falsche/fehlende Satzzeichen und Wörter), z.B. heißt es "Ateliers du Cinéma Européen" (aus dem Beitrag über Herbert Schwering), das hätte durch eine 2-Minuten-Internet-Recherche vermieden werden können.

    Eine Leser-Empfehlung

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