Erotikfilm "Hotel Desire" "Sex sells", aber bittet um Spenden
Guter Sex im deutschen Kino ist so selten wie guter Humor. Mit dem Erotikfilm "Hotel Desire" will ein junger Regisseur das ändern. Und sucht dafür Sponsoren im Internet.
© Von Fiessbach Film

In vielen deutschen Spielfilmen wird Sex ausgeblendet - das will der Regisseur Sergej Moya bei "Hotel Desire" anders machen.
Vom Duschkopf prasselt das Wasser auf den Boden einer Duschkabine. Die Füße einer Frau (...) steigen ins Bild. Langsam hebt sich unser Blick und gleitet an ihrem Körper empor. Toni schäumt sich ihre Waden mit orangener Kernseife ein. Unser Blick hebt sich, wandert immer weiter an ihrem Körper entlang. Sie dreht uns ihren Hintern zu. Dann wendet sie sich wieder und wir sehen die gepflegte "Kurzhaarfrisur" ihres Intimbereichs. (...) Das vehemente Klopfen an der Tür des Bads unterbricht die aufgebaute Atmosphäre.
Die ersten Kapitel des Drehbuchs von Hotel Desire kann man schon im Internet lesen. Die Duschszene, die am Anfang stehen wird, ist auch schon gedreht – und sie endet keineswegs so sinnlich, wie sie anfängt. Eine Zahnbürste und Zahnpastaschaum spielen dabei eine wichtige Rolle.
Der Rest des Films ist noch nicht gedreht. Der Autor und Regisseur Sergej Moya und seine kleine Produktionsfirma Von Fiessbach Film hoffen, dass das Publikum ihr Projekt zum großen Teil vorfinanziert, Crowdfunding nennt sich das. 170.000 Euro sollen in den 80 Tagen vom Projektstart bis zum 23. August zusammenkommen, nach etwa der Hälfte der Zeit haben sie knapp 70.000 Euro.
Mindestens so ungewöhnlich wie die Finanzierungsidee ist das Thema des Films: Sex. An welchen erotischen deutschen Film erinnert man sich noch? Die flambierte Frau vielleicht. Das war 1983. Seitdem dient der Beischlaf meist als Beiwerk, als komödiantische Komplikation für Keinohrhasen oder als konstruierter Klebstoff für Tom Tykwers Drei , der eher Krebs, Medizinethik und Plastinate im Kopf hatte als private Körperwelten.
Sicher, es gibt ein paar Ausnahmen. Aber Hotel Desire will mehr sein als "nur" erotisch: Es sei ein "porNEOgraphischer Film", heißt es bei der beteiligten Produktionsfirma Teamworx , die sonst für ARD und ZDF Historienschinken à la Hindenburg oder Donna-Leon-Krimis dreht. Die Wortschöpfung bedeutet aus ihrer Sicht ein Werk , "in dem dramaturgisch sensibel und filmisch direkt das erregende Zusammenspiel von Sehnsucht, Lust, Begehren, Intimität, Sexualität, Sinnlichkeit und Spontanität erzählt werden soll – ohne Weichzeichner und ohne Rücksicht auf visuelle Vorschriften und Konventionen".
So ganz ernst gemeint sei die Wortschöpfung "PorNEOgrafie" nicht, sagt der Regisseur Moya: "Ich möchte mich nicht unbedingt am Porno messen. Mich stört eher, dass in Spielfilmen die Sexualität oft ausgeklammert wird. Es wird leidenschaftlich – Schnitt, Zigarette danach. Umgekehrt klammern auch Pornos ganz viel aus, die Emotionen, die Psychologie", sagt der 23-Jährige. Es gebe zwar künstlerisch anspruchsvolle Spielfilme, in denen expliziter Sex vorkommt – aber oft "missbraucht als Provokation, als Schockeffekt." Die Herausforderung für ihn sei, "dass der Zuschauer es als normalen Teil der Handlung empfindet, wenn er ein Geschlechtsteil sieht."
Die Hauptdarstellerin Saralisa Volm , die schon in Klaus Lemkes Fernsehfilm Finale viel von sich zeigte, sagt, warum sie sich auf den Film einlässt: "Die erotische Komponente ist etwas, das Toni passiert und sie berührt. Sex ist hier kein sinnfreies Element um seiner selbst Willen. Ich habe eigentlich keinen Bezug zu Pornos oder Erotikfilmen und sehe das in genau dieser Sinnlosigkeit begründet."
- Datum 20.07.2011 - 11:08 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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" Seitdem dient der Beischlaf meist als Beiwerk"
Wer einen Porno ansehen möchte, der kann doch aus Millionen einschlägigen Filmen jeglichster Art auswählen. Wo ist das Problem?
... ist: Im konventionellen Kino gibt es Erotik ohne Sex; im Porno gibt es Sex ohne Erotik.
Versuche, hier wieder zusammenzubringen was zusammengehört, egal von welcher Seite aus, finde ich unterstützenswert.
"2. Das "Problem"
... ist: Im konventionellen Kino gibt es Erotik ohne Sex; im Porno gibt es Sex ohne Erotik."
-------------
Das kann ich so nicht bestätigen.
Das Gegenteil ist doch richtig.
Gibt es heute überhaupt noch einen einzigen Spielfilm, eine einzige TV Serie, in welcher/m sich "die Laienschauspieler oder auch die Hollywoood Kurtisanen" nicht leidenschaftlich die Kleider vom Leib reißend schon nach Minuten nach Spielbeginn ins Bett fallen?
Das läuft einem doch oft schon zu den Ohren und zu den Augen raus und man schaltet gerne um, falls man am TV sitzt. Das gehört doch heute wohl in jeden Spielfilm wie die Namensangabe der Schauspieler am Anfang des Filmes - am Ende werden diese wegen der Werbung sowieso ausgeblendet.
Das Problem ist ganz sicher nicht mangelnder Sex, sondern mangelnde Unfähigkeit gute Filme drehen zu können. Aus diesem Grunde gibt es wohl in der gesamten Kunst-Kommerzialisierung nur noch Remakes oder in der Musik Covers - aber keine Eigenleistung mehr - im Prinzip auch hier nur noch Plagiate.
Hat mal jemand eine gute Idee, dann wird diese doch gleich 1000x übernommen.
Die Hochzeit der Film- und Kinoindustrie hatte Frankreich und Italien zu der Zeit als wirklich gute Filme gemacht wurden. Nouvelle Vague. Zu dieser Zeit waren die Inhalte gut und die Schauspieler talentiert. Die Filme waren erotisch, aber keine Pornos.
Wer einen Kopf zum Denken hat, weiß ohnehin auch so, was passiert, wenn ein Paar im Bett verschwindet. Das muss man nicht sehen.
"2. Das "Problem"
... ist: Im konventionellen Kino gibt es Erotik ohne Sex; im Porno gibt es Sex ohne Erotik."
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Das kann ich so nicht bestätigen.
Das Gegenteil ist doch richtig.
Gibt es heute überhaupt noch einen einzigen Spielfilm, eine einzige TV Serie, in welcher/m sich "die Laienschauspieler oder auch die Hollywoood Kurtisanen" nicht leidenschaftlich die Kleider vom Leib reißend schon nach Minuten nach Spielbeginn ins Bett fallen?
Das läuft einem doch oft schon zu den Ohren und zu den Augen raus und man schaltet gerne um, falls man am TV sitzt. Das gehört doch heute wohl in jeden Spielfilm wie die Namensangabe der Schauspieler am Anfang des Filmes - am Ende werden diese wegen der Werbung sowieso ausgeblendet.
Das Problem ist ganz sicher nicht mangelnder Sex, sondern mangelnde Unfähigkeit gute Filme drehen zu können. Aus diesem Grunde gibt es wohl in der gesamten Kunst-Kommerzialisierung nur noch Remakes oder in der Musik Covers - aber keine Eigenleistung mehr - im Prinzip auch hier nur noch Plagiate.
Hat mal jemand eine gute Idee, dann wird diese doch gleich 1000x übernommen.
Die Hochzeit der Film- und Kinoindustrie hatte Frankreich und Italien zu der Zeit als wirklich gute Filme gemacht wurden. Nouvelle Vague. Zu dieser Zeit waren die Inhalte gut und die Schauspieler talentiert. Die Filme waren erotisch, aber keine Pornos.
Wer einen Kopf zum Denken hat, weiß ohnehin auch so, was passiert, wenn ein Paar im Bett verschwindet. Das muss man nicht sehen.
Pornos mit Handlung gibts auch heute schon. Nur die meisten Leute spulen die eh vor.
Wer will aber einen Porno (oder von mir aus so was ähnliches) mit Beziehungsproblemen und der Erörterung von "Zusammenspiel von Sehnsucht, Lust, Begehren, Intimität, Sexualität, Sinnlichkeit und Spontanität..." sehen?
Ich denke es geht nur eins.
Entweder ich schau einen Film über Beziehungsprobleme z.B. Keinohrhasen... und Til Schweiger behält schön seine Unterhose an- oder nen Porno über Beziehungsprobleme da wird dann aber des Gequatsche schön vorgespult weil das niemanden interessiert (weil das Stimmungstötend ist).
Dennoch kann man es versuchen. Deswegen heisst diese neue Richtung, Porneographie.
...außer etwas zu verurteilen, ohne es gesehen zu haben
Dennoch kann man es versuchen. Deswegen heisst diese neue Richtung, Porneographie.
...außer etwas zu verurteilen, ohne es gesehen zu haben
Ach so noch eins.
Natürlich kann jeder der zuviel Geld hat sein Geld in diesen Film stecken. Aber nicht wundern wenn es dann weg ist...
Ein guter Film ist u.a. durch folgende Merkmale gekennzeichnet: kein Sex, keine Autoverfolgungsjagden.
Natürlich machen Verfolgungsjagden und Sexszenen einen Film automatisch gut, aber das Fehlen von Verfolgungsjagden und Sexszenen macht einen Film noch lange nicht gut. Kennzeichen guter Filme ist, dass sie den Zuschauer fesseln, dass sie eine Geschichte so erzählen, dass sie interessant ist und den Zuschauer irgendwie berührt.
Die Tatsache, dass die Leute ganz verschieden sind und deshalb ganz unterschiedliche Dinge an Filmen mögen, führt Ihre Aussage ad absurdum. Allgemeingültige Kriterien dafür, was ein guter Film sei, dürfte es kaum geben. Oder allenfalls, wenn sie so vage sind, dass sich jeder selbst ausdenken kann, wie er sie versteht.
Natürlich machen Verfolgungsjagden und Sexszenen einen Film automatisch gut, aber das Fehlen von Verfolgungsjagden und Sexszenen macht einen Film noch lange nicht gut. Kennzeichen guter Filme ist, dass sie den Zuschauer fesseln, dass sie eine Geschichte so erzählen, dass sie interessant ist und den Zuschauer irgendwie berührt.
Die Tatsache, dass die Leute ganz verschieden sind und deshalb ganz unterschiedliche Dinge an Filmen mögen, führt Ihre Aussage ad absurdum. Allgemeingültige Kriterien dafür, was ein guter Film sei, dürfte es kaum geben. Oder allenfalls, wenn sie so vage sind, dass sich jeder selbst ausdenken kann, wie er sie versteht.
komme im deutschen Kino so selten vor wie guter Humor.
Und anders herum:
Dafür stehen Themen wie "Guter Sex im deutschen Kino" so selten in deutschen Zeitungen wie es Sand am Meer gibt!
Aber natürlich muss auch die ZEIT wirtschaftlich denken...
Wenn es eine gute Autoverfolgungsjagd gibt, gebe ich was dazu! Aber mal ernsthaft: Die Zielgruppe könnte in der Tat zum Problem werden. "blinder Künstler mit alleinerziehender Mutter". Bitte! Bisher sehe ich da nur Frauen 35-50. Ok, man zeigt Schamhaare, aber ob das dem Rest der Zuschauer reicht?
Man wird nicht nur Schamhaare sehen.. es wird alles zu sehen sein, was beim Sex zu sehen ist..
Man wird nicht nur Schamhaare sehen.. es wird alles zu sehen sein, was beim Sex zu sehen ist..
dann rauft mal euer geld zusammen, männer, damit sich die schöne schauspielerin auch weiter auszieht...
nach 9 von 20 drehbuchkapiteln muss ich als finanzkräftige investorin konstatieren, dass ich von einer förderung absehe.
von einem männerporno kann man ja vielleicht keine zwischentöne erwarten; aber: der männerblick bestimmt gleich zu beginn, dass die hauptdarstellerin an den "„richtigen“ Stellen die „richtige Portion“ Körper" hat, das zweite zimmermädchen ist "abgekämpft, aber liebreizend", männer kommen nur arbeitend und als geile blicke vor, die alles für eine frau mit 'richtiger portion körper' tun - und frauen als jene, die das ausnutzen. auch der rest ist noch mehr klischee als till schweiger: der herzensbrecher ist franzose, der franzose heißt pierre und der reiche mann, der im noblen hotel anruft, ist jude; der herzensgute schwule wünscht sich nichts sehnlicher als kinder, und die mutter sieht ihr kind an wie einen ersatzehemann, mit dem sie aus rechtlichen gründen leider nicht schlafen darf. also muss der siebenjährige penis, also der ödipus, erst in die ferne geschickt werden, damit ein richtiger mann, der aber, wenn schon nicht franzose, so natürlich künstler sein muss und trotzdem supergut aussieht und der, um single und willig zu sein, dann auch mal blind sein darf, die von der hitze völlig willenlose und in einer tour weinende, weil ungefickte, mutter dann ertastend trösten darf...
hm, naja, immer noch besser als: "warum liegt hier überhaupt stroh rum?"
Ich danke Ihnen sehr für einen, sowohl inhaltlich, als auch semantisch perfekten Beitrag zu Diskussion!
Ich wünschte solche Kommentare gäbe es öfter. Selbst wenn ich mit Ihnen einmal nicht einer Meinung wäre, könnte ich Ihre Form der Kritik jederzeit akzeptieren.
Ich danke Ihnen sehr für einen, sowohl inhaltlich, als auch semantisch perfekten Beitrag zu Diskussion!
Ich wünschte solche Kommentare gäbe es öfter. Selbst wenn ich mit Ihnen einmal nicht einer Meinung wäre, könnte ich Ihre Form der Kritik jederzeit akzeptieren.
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