Ken Loach dem Genre bösen Witz verliehen, in Frankreich wird es häufig von Melancholie begleitet. Das deutsche Sozialdrama indes bleibt ein unerfreuliches Lehrstück.

Ach, das Sozialdrama. In Großbritannien hat

Verena S. Freytags Film Abgebrannt hat eine Story, die jeder Sozialarbeiter im Berliner Stadtteil Wedding sofort wiedererkennen würde: Eine junge Frau, drei Kinder von drei unterschiedlichen Vätern, allein erziehend, arbeitslos, ist mit der Erziehung zunehmend überfordert. Als sich der kleine Sohn mit den Partydrogen, die ihr Liebhaber in der Tasche hat, fast vergiftet, schreitet das Jugendamt ein.


Der Film hat sehr gute Darsteller, vor allem Maryam Zaree als junge Mutter Pelin lässt die schwere Last erahnen, die auf ihren Schultern liegt. Abgebrannt ist auch handwerklich einwandfrei, erzählt schlüssig und mit versierter Dramaturgie, wie Pelin versucht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, doch immer wieder scheitert. Die letzte Chance für die Familie ist eine Mutter-Kind-Kur an der See. Verbockt Pelin es auch dieses Mal, verliert sie ihre Kinder. Man ahnt: Die Reise wird kein gutes Ende nehmen.

Freytag gewann den SR/ZDF Drehbuchpreis auf dem diesjährigen Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken und den Preis für den besten Film auf dem Berliner Achtung! Filmfestival . Sie hat also alles richtig gemacht, scheint es.

Doch Abgebrannt gibt sich nur vordergründig verständnisvoll. Immer wieder scheint durch, dass Pelins Probleme selbst gemacht sind. Dass es doch nicht so schwierig sein kann, in der deutschen Behördenwelt zurechtzukommen. Da gibt es die nette Mitarbeiterin im Jugendamt, die der überforderten Mutter eine Chance nach der anderen anbietet. Pelin könnte also ihr Leben vielleicht auf die Reihe kriegen, würde sie nicht ständig von Neuem auf ihren nichtsnutzigen, dealenden Exfreund Edin hereinfallen.

Dieser erzieherische Gedanke begleitet den Zuschauer durch den ganzen Film. Mit dem Ergebnis, dass diesen die Geschichte von Pelin ziemlich kalt lässt. Das liegt nicht an der schauspielerischen Leistung der Hauptdarstellerin Zaree, sondern daran, wie ihre Figur angelegt ist. Für einen Spielfilm braucht es einen Charakter, mit dem man mitfühlen kann – selbst wenn diese Gefühle nicht positiv sind. Abgebrannt hingegen wirkt über lange Strecken wie eine akkurat recherchierte Milieureportage.