Amerika ist zum Verzweifeln. Jungs spielen Football, Mädchen hopsen am Spielfeldrand herum und bauen braungebrannte, glattrasierte Körpertürme. Oder: Jungs spielen Baseball, und Mädchen stöckeln in kleidgewordenen Albträumen auf die Bühne eines Gemeindehauses, um hübsch gefunden zu werden. Wer keine Lust auf Cheerleading und Schönheitswettbewerbe hat, ist entweder ein Junge oder nicht ganz dicht.

Bliss Cavendar ist 17, lebt in einer texanischen Kleinstadt und hasst es. Grau ist ihr Pink, Armeestiefel sind ihre Pumps. Mutter ist glücklich, solange sich Bliss gelegentlich als Prinzessin verkleidet und an einem Wettbewerb teilnimmt. Vater ist glücklich, solange er Football gucken kann und die Familie wohlauf ist. Bliss weiß noch nicht, was sie glücklich macht.

Bis sie Roller Derby entdeckt und zur starken, selbstbewussten Heldin im Film Roller Girl wird, der nun in die deutschen Kinos kommt. In ihrem Regiedebüt erzählt Drew Barrymore eine klassische Coming-Of-Age -Geschichte, deren Triebwerk dieser rasante Damensport ist. Vor rund zehn Jahren entwickelte sich das heutige Roller Derby in Austin, Texas aus früheren Showrennen. Rollschuh-Rugby auf einer Hallenbahn, gespielt von zehn ruppigen Frauen. Körperkontakt darf nicht zimperlich sein: Um die Gegnerinnen um ihre Punkte zu bringen, bremst man sie aus oder drängt sie mit harten Hüftstößen vom Spielfeld.

Wenn das alles wäre, könnte man Barrymores Roller Girl getrost im rostigen High-School-Komödien-Spind vergessen. Was den Sport und damit auch den Film einzigartig macht, ist der Geist von Rock'n'Roll, der mit den Spielerinnen über das Oval fegt. Sie geben sich Namen wie Iron Maven, Smashley Simpson oder Eva Destruction, tragen Tätowierungen, Piercings, knappe Mottokostüme und viiiiiiiel Kajal. Blutergüsse sind ihre Trophäen. Diese Rollergirls feiern ein alternatives, selbstbestimmtes Bild der Weiblichkeit und lieben das Rollenspiel. Bliss weiß sofort, dass sie zum Team der Hurl Scouts gehören will. Von jetzt an ist sie Babe Ruthless. Zur Not auch gegen den Widerstand der Eltern.