Gespräch über Huren : Nah dran, bis man Schweiß und Sperma riecht

Der Regisseur Michael Glawogger hat einen atemberaubenden Film über das Leben von Prostituierten weltweit gedreht. Unerträglich war es in den Bordellen aber nie, sagt er.


ZEIT ONLINE: In welchem der Bordelle, die Sie für Whores' glory besucht haben, war das Verhältnis zwischen Mann und Frau für Sie am unerträglichsten?

Michael Glawogger: Ich fand's nirgendwo unerträglich. In den Fish tanks in Thailand läuft alles sehr geschäftsmäßig, trotzdem wirken die Treffen eher wie kleine Partys, zu denen die Männer nach einem Geschäftsabschluss oder an einem Feiertag zu dritt oder viert hingehen. Sie holen sich dann eine Anzahl von Mädchen, und wenn man sich ein bisschen mag, geht man ein Stockwerk höher oder ins nächste Zimmer.

In Faridpur, in Bangladesch, muss man bei aller Gewalttätigkeit und offensichtlicher Unmenschlichkeit, die dort herrschen, sagen: Es ist in vieler Hinsicht ein riesengroßer Schulhof. Es gibt natürlich käufliche Liebe, aber auch Verliebtheit, Flirts – alles vermischt sich zwischen den jungen Männern und den Mädchen. In dieser Gesellschaft hat ein junger Mann ja keine Chance, in irgendeiner Form seine Sexualität auszuleben. Er lebt in einer Wohnung mit seinen Eltern, Großeltern und  Geschwistern, und seine mögliche Freundin dito. Er kann vielleicht, wenn er einen Polizisten besticht, in einen Park gehen und mit seiner Angebeteten Händchen halten – das ist jedoch das Höchste der Gefühle. Wenn er ins Bordell geht, in die "Stadt der Freude", wie sie das nennen, dann findet er dort – ähnlich wie in Mexiko – einen zwar nicht rechtsfreien, aber moralfreien Raum. Es herrscht bei aller oberflächlich sichtbaren, auch politischen Gewalt und Gefängnishaftigkeit da drinnen ein ganz anderer Tonfall zwischen Mann und Frau, ein spielerischer, entspannter Ton. Die jungen Leute können sich dort etwas erlauben, was außerhalb undenkbar ist.

In Mexiko habe ich den Film den Frauen dort gezeigt. Sie sagten: Das, was sie über Thailand gesehen haben, sei für sie der Abgrund – und sie dankten Gott, dass sie in Mexiko arbeiten können.

ZEIT ONLINE: Wer an Thailand und Tourismus denkt, muss unweigerlich auch an Sextourismus denken. In Ihrem Film kommt er aber gar nicht vor.

Sextourismus ist ein Teil der Thai-Prostitution, aber sicher nicht der größte!
Michael Glawogger

Glawogger: Es gibt ihn natürlich, aber an ganz bestimmten Orten. Die Fish tanks sind traditionelle Animierbars, die eher von Thais, Chinesen und Ausländern, die in Thailand leben, besucht werden. Sextourismus findet sich in Bangkok selbst nur an drei Stellen, außerdem in Pataya und in den Urlaubsregionen. Sextourismus ist ein Teil der Thai-Prostitution, aber sicher nicht der größte!

ZEIT ONLINE: Man glaubt, Schweiß und Sperma in den Filmbildern riechen zu können. Wie gelang es Ihnen, so nahe an die Protagonisten heranzukommen? Eine fast unmögliche Aufgabe, schätze ich.

Glawogger:(lacht) Ich sage sonst immer bei meinen Filmen: Nein, man braucht nur Geduld, Zeit und den Willen! In diesem Fall sag ich: Ja! Weil man sich erst mal die Genehmigung, überhaupt in einem Bordell drehen zu können, erkämpfen muss. Und wenn man sie sich erkämpft hat, fängt man von Null an. Man ist dort nicht willkommen. Das hat viel mit verpatztem Journalismus zu tun oder mit Leuten, die heimlich filmen, heimlich Fotos machen und ohne zu recherchieren, schnelle Katastrophenberichte darüber machen. Ich erinnere mich an einen Bericht auf CNN, für den jemand mit einer Kamera in einen Fish Tank in Kambodscha hinein läuft, und alle Huren rennen weg. Der Kommentar des Reporters lautete: Da sieht man, wie fürchterlich es denen geht! Natürlich laufen die Frauen weg, wenn jemand mit einer Kamera in ihren Arbeitsbereich eindringt! Es gibt wenig Orte, über die so unlauter, oberflächlich und sensationsgeil berichtet wird wie über Bordelle.

Die Prostituierte erzählt dir nichts, außer du bezahlst sie.
Michael Glawogger

Einer Hure erschließt sich der Unterschied zwischen einem CNN-Reporter und mir nur dann, wenn ich am nächsten Tag wieder komme. Und wenn ich nach einer Woche noch immer wiederkomme. Und nach einem Monat. Dann bleibt sie vielleicht mal stehen und fragt: Was willst Du hier eigentlich? Wenn sie schließlich darauf vertraut, dass ich mich wirklich dafür interessiere, wie ihr Leben funktioniert, dann krieg ich vielleicht eine Lüge weniger.

Das Ganze ist eine Mischung aus Geld und Vertrauen. Ohne Geld geht in dem Geschäft überhaupt gar nichts. Die Prostituierte erzählt dir nichts, außer du bezahlst sie. Dann stellt sich noch immer die Frage, ob sie dir die Wahrheit sagt. Ich habe mir nach einer gewissen Zeit zur Prämisse gemacht, ihnen alles zu glauben. Es ist mir völlig egal, ob sie mich belügen oder nicht! Das ist der einzige Weg.

ZEIT ONLINE: Prostitution existiert in Thailand offiziell gar nicht. Wie haben Sie es angestellt, eine Drehgenehmigung für etwas zu bekommen, das es nicht geben darf?

Glawogger: Mit Augenzwinkern. Man schreibt in die Anfrage hinein, man möchte "Arbeitswelten" und "bar girls" filmen . Dann kommt ein augenzwinkernder Text zurück: "Was soll das heißen: bar girls ?" Am Ende wird man von einem Zensor begleitet, der während der ganzen Dreharbeiten neben mir steht. Die Behörden sind aber nur der erste Schritt. Wenn jemand von der "illegalen Behörde" – wollen wir sie mal so nennen – die diese Orte kontrolliert, nicht damit einverstanden ist, dass ich filme, kann ich mir jede offizielle Drehgenehmigung in die Haare schmieren.

Lieber raus aus dem Großraumbüro

ZEIT ONLINE: Sie haben viele Bordelle besucht, die Sie faszinierten, an denen Sie aber die Kamera nicht auspacken durften. Wo hätten Sie gerne noch gefilmt?

Glawogger:(lacht) Einen Ort durfte ich nicht einmal besuchen, geschweige denn dort drehen! Das war eine Art magic bus tour in Japan, wo die Zimmer eines Bordells wie ein Bus eingerichtet sind. In diesem Pseudo-Bus stehen Prostituierte in Schulmädchenuniform, aber ohne Unterwäsche. Arbeiter auf dem Heimweg besuchen dieses Bordell, indem sie sich einfach reinstellen, als wären sie Busreisende. Sie dürfen sich in der Zeit, für die sie bezahlen, im Bus stehend an den Mädchen reiben und befriedigen.

Würde ich dort hineingehen und eine japanische Frau anfassen, dann wäre sie in den Augen der Japaner angebatzt.
Michael Glawogger

Als Ausländer darf man so ein Bordell nicht einmal betreten! Es herrscht unter den Männern eine Form von Rassismus: Würde ich dort hineingehen und eine japanische Frau anfassen, dann wäre sie in den Augen der Japaner angebatzt. Es gibt aber auch einen sehr ausgeprägten Rassismus unter den Prostituierten. In vielen Bordellen, die ich besucht habe, ordnen die Huren die Freier nach Herkunft, nach Schwanzgröße, Verhalten und Geruch – wenn die Frauen miteinander reden, entstehen ganze Landkarten von Schwanzgrößen! Da geht's ziemlich ans Eingemachte. (lacht)

ZEIT ONLINE: Wie viele der vielen Hundert Huren, mit denen Sie gesprochen haben, wollten weg aus ihrem Job?

Glawogger: So viele wie in jedem anderen Job auch. Diese Frage wird komischerweise immer so gerne gestellt. Wenn ich einen Film über ein Großraumbüro drehe und frage, wie viele da raus wollen, dann glaub ich, sind's mehr.

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Kommentare

176 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Sie werden es kaum gauben,

aber es gibt Prostituierte, die den Job machen, weil er ihnen Spass macht, weil es für sie ein seriöses Business ist, weil sich damit gut Geld verdienen lässt. Und es gibt Prostituierten-Vereinigungen, die sich seit Jahren dafür einsetzen, dass diese Tätigkeit als "normaler Job" anerkannt wird. Was Sie hier als "Nutte" bezeichnen, ist genau das Problem, mit dem viele Prostituierte zu kämpfen haben. Diskriminierung und Verachtung. Ich möchte hier überhaupt nichts schön reden. Das Millieu ist oft gewalttätig, gefährlich und menschenverachtend. Aber dies liegt nicht nur an diversen Lebensumständen, sondern auch an mangelnder Akzeptanz. Ich denke, es liegt viel in der Hand des Staates die Situation von Prostituierten zu verbessern. Das muss er sogar. Denn, jetzt rede ich mal von Deutschland, zahlen die Mädels und Jungs Steuern, wie alle anderen auch. Eine Alice Schwarzer hat so etwas noch nie verstanden und bewegt sich noch immer in der Mittelalterlichkeit des Feminismus der 70er. Prostitution ist in seinem Kern auch nichts Schlimmes. Warum sollte sie das auch sein. Es ist eine Dienstleistung, die einen Kunden befriedigt und der Dienstleister dafür Geld bekommt. Es ist die Frage, mit welchen Mitteln und welchem Hintergrund Prostitution betrieben wird. Soldaten sind auch erst mal nichts Schlimmes, je nachdem wie sie eingesetzt werden. Um eine Diktatur zu supporten, oder um Frieden zu sichern und eine Demokratie zu wahren.

mfg

Ihr Kommentar und Kommentar 4...

...beschreiben so ziemlich genau die Situation des Abwägens in der ich mich bezüglich der Prostitution befinde.

Prinzipiell ist am Tauschgeschäft "Sex gegen Geld" nichts auszusetzen, ein generelles Verbot empfände ich also als unbegründet. Wenn man den Blick weg vom Gedankenkonstrukt in die Realität wendet, so findet man - ja, was findet man eigentlich? Verschiedenste Schilderungen: Bücher vom Kaliber Fucking Berlin, Berichte von Journalisten, Meinungen von Organisationen wie der Mitternachtsmission, von Kirchen oder von Feministinnen. Was ist nun glaubhaft? Wo liegt die Wahrheit?

Wie beeinflusst dies alles mein eigenes Handeln? Darf man Dienste von Prostituierten moralisch überhaupt in Anspruch nehmen? Was ist in Ordnung: Callboy? Saunaclub? Straßenstrich?

Der im Artikel vorgestellte Film mag einen neuen Blick auf die Situation ermöglichen. Ob er jedoch weiter bringt bleibt offen.

Gedanken weiterspinnen...

"Papa, ich will nicht mehr im Büro arbeiten, zu eintönig, ich werd jetzt Nutte!". Was sagt ihr dann? "Klasse, Mäuschen, finde ich gut dass du so selbstbestimmt bist!"

Nein, aber es hat schon Millionen Väter gegeben, deren Kinder irgendetwas aus ihrem Leben gemacht haben, ohne dass die Eltern damit einverstanden waren. Wenn es eine Frau wirklich will, warum nicht? Soldaten oder Waffenhersteller haben ja auch mit anderen moralischen Ansichten ihrer Mitmenschen zu rechnen.

"Und wenn Prostitution eine ordentliche, legale Beschäftigung ist, ist es dann auch eine zumutbare Tätigkeit, die demnächst dann von der Arbeitsagentur als Vermittlungsvorschlag geschickt wird, und wer sich weigert, bekommt die Leistungen gekürzt?

Übertreibe ich? Vielleicht."

Ich denke schon, dass das übertrieben ist. Es wird ja auch niemand gezwungen, in ein Kloster zu gehen oder als katholischer Priester zu arbeiten. Insofern wird es immer Berufe geben, die selbstverständlich nicht unter diesen Zwang fallen.

Es ist manchmal nicht hilfreich, jeden Gedanken weiterzuspinnen. Jeder von uns hat eine im Grundgesetz festgelegte Freiheit, die nicht angetastet werden darf. Dazu gehört selbstverständlich auch jede Form der Prostitiution unter Zwang. Aber was ist gegen freiwillige Prostitution einzuwenden? Jeder One-Night-Stand wäre nichts grundlegend anderes, jedes Fremdgehen dann im Grunde genauso moralisch verwerflich. Was macht es aus, ob dann eine (freiwillige) gewerbsmäßige Tätigkeit vorliegt oder nicht?

Wie borniert muss man sein

um zu behaupten, die Situation der meisten Frauen sei mit "in diesem Gewerbe arbeiten" angemessen beschrieben?

Es geht hier nicht nur um Deutschland, wo die Lebens("Arbeits"-)umstände vieler Prostituierter "besser" sein mögen als anderswo.
In den meisten Fällen haben die betroffenen Frauen gar kein Selbstbestimmungsrecht, das man ihnen absprechen könnte; es wird ihnen einfach genommen, wie in manchen Beiträgen hier schon ausgeführt wurde.
Mit der Waffe am Kopf (eigener oder der der Familie) nützt auch die rationalste Urteilsfähigkeit nichts.

Gut, wenn so ein Film zur Aufklärung und Enttabuisierung des Themas Prostitution beiträgt, verharmlosen sollte, nein, DARF er nicht.

prostitution

also bei vielen Frauen kommt es mir auch so vor als würden sie ihren körper bei ihrem partner einsetzen um gefälligkeiten zu bekommen. ich sehe da keinen großen unterschied zur berufsmäßigen prostitution außer vielleicht, dass man dort meist weniger über den sexualpartner weiß. auch unter den studentinnen arbeiten nicht wenige als tänzerinen oder gar als prostituierte um ihren lebensunterhalt zu verdienen. sie werden zwar nicht von zuhälter xy gezwungen, müssen aber eben ihren lebensunterhalt verdienen. und ob sie sich an eine firma für einen schlechtbezahlten bürojob verkaufen oder als prostituierte arbeiten...

wenn ich kommentare wie ihren lese kommt es mir manchmal so vor als wäre prostitution in deutschland verboten und alle professionellen seien geistig behindert, drogensüchtig und oder unter körperlicher gewalt gezwungen sich zu prostituieren. nur weil nach ihren moralvorstellungen prostitution etwas schlimmes ist heißt das nicht, dass das auch bei anderen personen zutrifft ganz zu schweigen von anderen kulturen die nicht selten einen komplett anderen umgang mit sexualität haben als der/die gemeine deutsche.

Liebe aufgeregte Kritiker,

... wenn Sie dafür sorgen, dass keine Prostituierte mehr durch Not oder Gewalt dazu gezwungen wird, ihren Beruf auszuüben, dann streiche ich gerne die Segel, applaudiere Ihnen und lehne mich entspannt zurück.
Und ich bezeichne Prostituierte nicht als Nutten. Das oben war ein Gedankenspiel und eine darin vorkommende Aussage einer anderen fiktiven Person.

Es mag durchaus sein, dass es in Deutschland viele Prostituierte gibt, die ihren Beruf freiwillig ausüben. Dennoch wird das im weltweiten Durchschnitt wohl eher die Ausnahme sein. Man darf nicht vergessen, dass Prostitution in den meisten Ländern dieser Welt illegal ist und ein Gewerbe, in dem es um sehr viel Geld und dementsprechend sehr viel kriminelle Gewalt geht.
Die in Deutschland erfolgte Legalisierung der Prostitution und die damit verbundene Kontrollmöglichkeit mag dem zum Teil erfolgreich entgegenwirken, aber wir dürfen nicht vergessen, dass unser Rechtsstaat und unsere juristischen und polizeilichen Standards sicherlich nicht dem Weltdurchschnitt entsprechen.

Ich verbitte mir die Unterstellung, ich würde Menschen, die geringer qualifizierte Berufe ausüben, nicht respektieren. Ich habe genügend Putzfrauen und Hilfsarbeiter im Freundes- und Bekanntenkreis. Die würden aber lieber als Putzfrau nur Butter und Brot essen statt als Prostituierte zu arbeiten. Dass andere Frauen das anders sehen, ist ihr Recht, muss ich aber nicht gutfinden.

@Zeit-Kommentar: Ich finde Fremdgehen moralisch verwerflich. Meinungsfreiheit.

Gedanken zur weiblichen Ablehnung der Prostitution

Es ist interessant, daß es heute vor allem Frauen zu sein scheinen, die der Prostitution gegenüber so ablehnend eingestellt sind -- obschon die Freiheit, Gegenleistungen für sexuelle Handlungen eigennützig wählen zu dürfen, doch eigentlich im Interesse aller Frauen sein müßte.
(Eben diese Freiheit der Frauen dürfte der wahre Grund sein, warum Männer die Prostitution ablehnen: Wenn es einen Markt gibt, auf dem Frauen für Sex Gegenleistungen verlangen können, gibt's weniger für umsonst.)

Ich will versuchen, einige unausgesprochene Gründe der weiblichen Ablehnung zu erraten:
- Prostituierte sind Nebenbuhlerinnen aller Frauen, die in Partnerschaft mit einem Mann leben. Sie erhöhen die Gefahr eines Seitensprunges des Partners.
- Prostituierte befriedigen genau diejenigen Erwartungen der Männer, die Frauen vielfach nicht schätzen dürften: Weniger große Gefühle, mehr Action. Weniger bequeme Klamotten, mehr sexualisiertes Outfit.
- Frauen identifizieren sich mit ihren Geschlechtsgenossinnen und machen aus der löblichen Forderung: "Keine Frau soll tun müssen, was ihr zuwider ist" die anmaßende Forderung: "Niemand soll tun dürfen, was ich hassen würde!" Fehlgeleitete Empathie, sozusagen.
- Schließlich: Auch Frauen haben vielleicht die uralte patriarchale Mär verinnerlicht, daß Keuschheit eine Tugend sei, und daß Frauen mit jedem weiteren Sexualpartner an Wert verlieren, wovor sie mangels Verstand notfalls zwangsweise bewahrt werden müssen.

re. @Lyralie

Ich denke schon, daß Fremdgehen überwiegend mit Prostituierten stattfindet -- normalerweise bekommt einfach niemand etwas davon mit.

Was ich mit Tugend meinte sind eher unterschwellige, in der Tradition wurzelnde Gefühle als in Stein gemeißelte Überzeugungen.
Ist es nicht so, daß promiske Frauen (und solche, die so aussehen) auch unter Geschlechtsgenossinnen tendenziell schief angesehen werden? "Schlampe" oder "Flittchen" sind schließlich keine netten Bezeichnungen.
Und ist es nicht so, daß auch Frauen auf Prostituierte herabblicken und "Nichtkäuflichkeit" als wertvolle Eigenschaft betrachten?

Der dritte Punkt, daß "Männer per se denken, Frauen fänden Sex doof", mag zum Teil auf einem zwischengeschlechtlichen Mißverständnis beruhen, aber zum anderen Teil sicher darauf, daß die Erwartungen an Sex zwischen den Geschlechtern verschieden sind.
Prostituierte bedienen offenkundig mit Erfolg männliche Erwartungen, die diese anderswo nicht befriedigt bekommen -- sonst gäbe es ja keine Prostitution. Männer würden schließlich auch lieber für umsonst bekommen, wofür sie zu zahlen bereit sind...

Einen Grund haben Sie vergessen

- Frauen identifizieren sich mit Prostituierten und wissen, dass sie selbst sich nicht verkaufen wollen würden.

Selbstverständlich mag es Frauen geben, die gerne und freiwillig Prostituierte sind, damit habe ich kein Problem. Womit ich ein Problem habe ist die Vorstellung, aus realem oder aus Sachzwang (Hunger etc.) heraus es dulden zu müssen, mich von fremden und potentiell unsympathisch bis subjektiv ekligen Männern an intimsten Stellen berühren (und mehr) lassen zu müssen. Nicht wählen zu können, wen man in seinen Körper lässt, ist keine schöne Vorstellung für mich.

Übrigens: In einer älteren Studie kam heraus, dass 90% der in Deutschland arbeitenden Frauen an einer Form des Posttraumatischen Belastungssyndrom, einer ziemlich schweren, von außen zugefügten psychischen Krankheit. (Die Frage, woher es kommt, konnte die Studie natürlich nicht beantworten.) Ich habe meine Zweifel, ob der Beruf Prostituierte so frei gewählt ist, wie man gerne glauben möchte, selbst wenn er gewählt wird.

Verharmlosung

Guten Abend
Ich bin mir nicht mal ansatzweise sicher das der Autor des Filmes hier irgendwas verharmlost, das käme seiner Arbeit als DOKUMENTARIST noch nicht einmal ansatzweise nahe. Er dreht einen Dokumentarfilm und die vornehmste Aufgabe des Dokumentaristen ist es, sich die eigene Meinung/Wertung für sich zu behalten. Er dokumentiert, nicht mehr und nicht weniger.
Gruss
Rene

Es ist andersherum

"Und ist es nicht so, daß auch Frauen auf Prostituierte herabblicken und "Nichtkäuflichkeit" als wertvolle Eigenschaft betrachten?"

Eine Prostituierte sagte mir, dass sie stolz darauf ist, nicht HARTZ IV zu bekommen und ihre Familie sehr gut ernähren kann.
Sie ist ein Privatmodell und fühlt sich sehr wohl, ist politisch engagiert und eine kluge und lebensfrohe Frau, der Sex sehr viel Spass macht.

Also die Generalisierung ist einfach falsch.

Wenn sie auf meinen Kommentar antworten

haben sie mich mißverstanden. Ich versuche ja gerade zu sagen, daß auch Frauen Spaß am Sex haben und es bestimmt auch Frauen gibt, die den Beruf der Prostitueriten freiweillig ausüben. Ich blicke auf keine dieser Damen verächtlich herab, ich Gegenteil.
Es gibt wohl wirklich einen Bedarf für Sexdienstleistungen und deswegen denke ich, wäre es wichtig, daß als Beruf anzuerkennen. Ich denke,nur das kann helfen, denen die es nicht freiwillig machen, zu helfen.

In Deutschland gibt es ja die Sozialhilfe u.das Arbeitsamt

zumindest m. H4 ist der Lebensunterhalt abgesichert, ein jeder kann sich dorthin wenden.
Warum gibt es dann auch hier die Prostitution in diesem Ausmaß - wenn diese als so schlimm empfunden werden würde?

Schließlich vergessen Sie mir hier ein wenig die Rolle der Freier.
Auch diese sind vielleicht doch irgendwo traumatisiert oder geschädigt, wenn sie für diese natürliche und einfache Sache bezahlen wollen und müssen, geschädigt vielleicht durch "ihre" Arbeits- und Lebenswelt.
Dann kann es hier ja sogar sein, dass zwei geschädigte sich hier ein wenig heilen oder eben die Schäden so etwas erträglicher werden, für ein paar Minuten...

Frauen nur als Opfer, bzw. nur Frauen als Opfer, das kann ich auch hier schon aus rein prinzipiellen Gründen so nicht stehen lassen.

Ja, wenn man zunehmend in der Prostution sind trifft, das kann man durchaus als ein Alarmzeichen ansehen. Zumindest wenn man meint, dass es irgendetwas Alarmierendes geben kann.
Es mag sein, dass es dazu keine Alternative gibt - für Frauen wie für Männer.

Schön, diese Tatsachen sind mir zum Beispiel,

genau wie dem/der Verfasser(in) des Beitrages, auf den Sie sich beziehen, gar nicht neu. Auch ich bin dafür, daß Frauen, die diese Arbeit nun einmal machen, dabei ein möglichst gutes Leben führen. Der Knackpunkt ist aber: Wie verhalte ich mich, wenn meine Tochter den Berufswunsch "Prostituierte" äußert ? Weil Sex ihr Spaß macht, sie gerne "was mit Menschen" machen möchte und dabei auch noch gutes Geld verdienen kann. Wenn es für Sie "ein ganz normaler Job" ist, haben Sie natürlich kein Problem damit.
Ich hätte das schon und würde alles in Bewegung setzen, um das zu verhindern. Tja, und wenn diese meine Haltung kein Beitrag zur Erhöhung der Akzeptanz der Prostituierten und irgendwie mittelalterlich, borniert, spießbürgerlich, scheinheilig oder sonstwas ist, dann ist das eben so. Meine Tochter auf den Strich gehen lassen, um fortschrittlich zu sein? Laßt mich bloß in Ruhe mit Eurem Fortschritt.

oh mein gott

frage: wieviele leute in deutschland arbeiten in "normalen" berufen und leiden unter mobbing, versagensängsten, burnout, depressionen bzw werfen sich mittelchen und drogen ein um leistungsfähig zu bleiben. wieviele leute in deutschland sterben bei arbeitsunfällen/auf dem weg zur arbeit. prostitution ist ein beruf und keine feier die für das bloße vergnügen der anbieter da ist, im gegenteil "der kunde ist (mit einschränkungen) könig". das bedeutet es geht nicht um die erfüllung der wünsche der professionellen. wenn man probleme bekommt muss man eben aufhören oder mit jemanden sprechen bspw einem psychologen...

der beitrag wollte zeigen, dass eben nicht alle prostituierten opfer sind. und hier kommt ständig wieder das argument menschenhandel unfreiwillig usw. das ist wie in einer diskussion über wehrpflicht ja/nein bei der ständig eingeworfen wird, dass militär an sich was schlimmes ist, man sollte doch nurmal an kindersoldaten denken!!! (vielleicht etwas dummes beispiel aber was passenderes fällt mir nicht wirklich ein)

es ist auch klar: in vielen nicht so tollen ländern ist prostitution auch eine überlebensstrategie. aber schließlich gehen eben einige andere leute auch anderen berufen nach. und diese formen ebenso die betroffenen bloß eben auf unterschiedlichste weise...

und es ist glaube ich auch den meisten männern langsam klar geworden: wenn man eine prostituierte zu etwas zwingt was sie nicht will, dann ist das vergewaltigung.

Voraussetzung

Und wenn Prostitution eine ordentliche, legale Beschäftigung ist, ist es dann auch eine zumutbare Tätigkeit, die demnächst dann von der Arbeitsagentur als Vermittlungsvorschlag geschickt wird, und wer sich weigert, bekommt die Leistungen gekürzt?
-------
Dazu ist es aber erstmal notwendig, dass Prostituierte beim Arbeitgeber ordentlich angestellt werden (und nicht etwa selbständig arbeiten).

Daran arbeitet der Staat:

http://www.bmfsfj.de/doku...

Werte

Ehe: gelobt man da nicht Treue????? Wenn ich nicht in der Lage bin (jetzt vom Mann ausgehend) meine Phantasien zu kontrollieren, sollte man vielleicht nicht heiraten oder sich in eine Beziehung begeben, von der ich ausgehen kann, dass sie mir nicht das bietet, was man haben möchte. Entweder ich habe einen Partner, dem ich treu bin oder ich lasse es. Was kann denn daran so schwierig sein? Drum prüfe wer sich ewig bindet!!

Wieso soll das die Tugend der Keuschheit eine Mär sein??? Man verliert zwar nicht an Wert als Frau, jedoch verlieren einige Frauen mit jedem Mann mehr an Selbstachtung?! Frauen sind (zumindest die meisten) nunmal anders gepolt als die meisten Männer. Hier besteht nicht der Drang, die Spermien so oft und bei so vielen wie möglich zu verteilen.

@maristra

"Dass andere Frauen das anders sehen, ist ihr Recht, muss ich aber nicht gutfinden."

Und genau damit argumentieren Sie gegen sich selbst. Genau darum geht es nämlich: Es ist ihr RECHT. Also wieso nehmen Sie sich heraus, Prostitution als per se übel-riechendes Buisness zu deklarieren? Seltsam, dass Sie dafür auch noch eine Redaktionsempfehlung bekommen.

Dass es Millionen von Prostituierten gibt, die dazu gezwungen werden und denen es ganz sicher nicht gut geht ist ein Faktum. Klar.
Durch Ihre Haltung ziehen sie aber das gesamte Gewerbe in den Schmutz, indem Sie quasi Zwang als Generalverdacht in den Raum stellen.

Der Hauptgrund, weshalb vor allem Frauen hier immer wieder aufschreien ist wohl, dass Frauen im Gegensatz zu Männern eine teilweise sehr unterschiedliche Libido haben. Ich hab Frauen erlebt, die wollten vielleicht einmal die Woche, teilweise einmal im Monat; andere jeden Tag. Es gibt Frauen, die blasen sehr gerne und auch in der ersten Nacht. Andere brauchen dafür Monate bis sie sich dazu überwinden; wieder andere tun es nie. Männer sind sicher auch unterschiedlich, haben aber in der Tendenz eine weitaus weniger "individuelle" Art mit Sex umzugehen; sprich: wollen i.d.R. oft und haben weniger Hemmschwellen.

Wenn jetzt eine Frau einfach nicht so die Hemmschwelle hat, mit fremden Männern zu schlafen, dann wird sie von der Mehrheit der Frauen sofort unter den Verdacht gestellt, es "eigentlich ja gar nicht zu wollen".

Re: Es ist andersherum

Tja, da frage ich mich doch, wie viele von diesen Frauen es geben soll. Ich denke, das Wort „freiwillig“ in diesem ganzen Zusammenhang falsch gewählt. Wahrscheinlich sind es nur wenige, die es „freiwillig“ ohne irgendein Muss dahinter tun. Meine Mutter fährt seit 30 Jahren! nachts Taxi; und sie kennt sich aus in diesem Milieu. Sie hat Zuhälter gefahren, Prostituierte, Männer, die sich gewisse Dienste erkaufen möchten etc. Es waren viele Frauen dabei, die sehr achtenswert waren, aber nur ein Bruchteil dieser Frauen hat diesen Job aus reinem Spaß am Sex getan.

@Calavera Toleranz ist nicht Gutfinden

Wir leben in einer freien Gesellschaft, und ich argumentiere NICHT gegen mich selbst.
Ja, die Frauen haben das Recht, als Prostituierte zu arbeiten.
Aber nur, weil ich die Legalisierung der Prostitution in Deutschland toleriere ("tolerieren" bedeutet immer noch "erdulden" und nicht "bejubeln"), nimmt mir das nicht das Recht, es persönlich nicht gut zu finden, oder?

Es gibt doch viele Dinge in unserer Gesellschaft, die gesetzlich erlaubt sind, die ich persönlich aber nicht toll finden muss. Deshalb beschneide ich noch lange nicht die Freiheit der anderen. Aber ich lasse mir auch nicht mein Recht nehmen, zu sagen, warum ich etwas nicht in Ordnung finde.

Und ich denke nicht, dass die Tatsache, ob man als Prostituierte arbeiten würde oder nicht, etwas mit der sexuellen Hemmschwelle zu tun hat. Was man mit einem vertrauten Partner tut und was mit einem Wildfremden, sind bei manchen Personen nunmal zwei Paar Schuhe.

Allerdings verstehe ich mich gerade selbst nicht mehr, warum ich mir eigentlich die Mühe mache, auf einen Kommentar zu antworten, der mir jegliche Denkfähigkeit abspricht und darüber hinaus "die" männliche und "die" weibliche Libido klassifizieren zu können glaubt.

Abgesehen davon, auch wenn nicht alle unter Zwang handeln, vor allem in Deutschland, sind Prostitution und Drogen (gehen in vielen Ländern Hand in Hand) DIE gigantischen kriminelle Geschäftszweige in dieser Welt. Wenn Sie das nicht glauben, verlassen Sie mal Kleinkleckersdorf und schauen sich die Welt an

Sie liegen falsch Teil 1

Sie schreiben: "...Es ist interessant, daß es heute vor allem Frauen zu sein scheinen, die der Prostitution gegenüber so ablehnend eingestellt sind - obschon die Freiheit, Gegenleistungen für sexuelle Handlungen eigennützig wählen zu dürfen, doch eigentlich im Interesse aller Frauen sein müßte...."

Die fraglichste aller "Freiheiten", den eigenen Körper für Geld zu verkaufen, soll "im Interesse aller Frauen" sein???
Ich habe das Bedürfnis Ihnen zu sagen, dass Sie womöglich weder von Frauen und deren wahre Interessen noch von Freiheit etwas verstehen.

Zu Ihren weiteren Aufzählungen behaupteter Gründe für die Ablehnung von Prostitution "ausgerechnet" durch Frauen möchte ich Ihnen dies sagen:
Es mag daran liegen, dass die Prostitution beinahe auschließlich Frauen (und auch Kinder) gefährdet, krank macht, tötet - und beinahe ausschließlich Männer hier Nutznießer, Täter, zahlende Kunden, Profitierende als Zuhälter, Menschenhändler sind. Wie sollte eine Frau dieser Tatsache keine Aufmerksamkeit schenken und die Prostitution nicht kritisch betrachten?

Sie liegen falsch Teil 2

Zu Ihrer Einschätzung, Prostitutierte würden im Vergleich zur Frau zuhause bereitwilliger auf "große Gefühle" verzichten, sich sexualisierter (statt "bequem") kleiden und mehr "Action" bieten:

Ich bin überzeugt, dass Frauen, die sensibel für die Problematik der Prostitution sind, ausnahmslos auch einen kritischen Blick für sexualisierte Frauenbilder - und womöglich auch für Kommunikationsprobleme in Paarbeziehungen - mitbringen. Die meisten von ihnen verbringen dann ihr Leben wohl eher nicht mit einem Partner, der ungefähr die von Ihnen beschriebenen und verteidigten Einstellungen, Handlungsweisen und Bedürfnisse zeigt - Es gibt schließlich auch andere Männer.

Viel interessanter als zu klären, warum die meisten kritischen Betrachter des Themas "Prostitution" ausgerechnet Frauen sind, fände ich diese Frage:

Was macht denn so erschreckend viele Männer so erschreckend blind für die vielschichtige Problematik, die die Prostitution seit jeher birgt? Erfüllt sich mit ihr womöglich eine der ältesten und primitivsten Männerfantasien: sich Sex jederzeit nach Bedarf "holen" zu können, ohne erst umständlich eine persönliche Beziehung zu einer Frau aufbauen zu müssen? Das entspräche Ihrem Punkt: "Action statt großer Gefühle", oder?

In fester Partnerschaft gebundene Männer mit solchen Bedürfnissen mögen sich auf naturgegebene männliche Biologie berufen - aber menschlich stellen sie sich bei der Nutzung zum "Kauf" angebotener Frauenkörper ein Armutszeugnis aus.

Was heißt "selbstbestimmt"?

. Spinnen wir diesen Gedanken weiter...wenn Prostitution gar nicht schlimm ist, was sagt man denn dann als aufgeklärter, liberaler Vater, wenn die Tochter sagt: "Papa, ich will nicht mehr im Büro arbeiten, zu eintönig, ich werd jetzt Nutte!". Was sagt ihr dann? "Klasse, Mäuschen, finde ich gut dass du so selbstbestimmt bist!". Ja sicher, oder?

Die meisten Väter (und Mütter), werden wohl nicht begeistert sein. Dies mag Zeichen einer gewissen Doppelmoral dahingehend sein, dass ein vermeintlich liberaler Mensch Vorbehalte gegen Prostituierte so lange nicht hat, solange es fremde Menschen und nicht eigene Familienangehörige sind, die diesem Beruf nachgehen. Da mögen gewisse (überwunden geglaubte) traditionelle Moralvorstellungen und Wertungsgewohnheiten eine Rolle spielen.
Indes: Dies beweist nicht die Richtigkeit ebendieser Moralvorstellungen oder dass Prostitution eo ipso etwas Verwerfliches sei, es ist eher allzumenschlich. Allerdings kann es auch abseits dieser Vorstellungen einfach so sein, dass der Berufswunsch der Tochter die erwartungen der Eltern ähnlich enttäuscht wie die Künstlerkarriere eines Sohnes, den man eigentlich zum Nachfolger in der eigenen Firma machen wollte.
Davon abgesehen ist das Mädchen nicht dann selbstbestimmt, wenn die Eltern zu allem ja und Amen sagen, was es tut, sondern dann, wenn es auch Dinge tun kann, mit denen die Eltern nicht einverstanden sind - ohne sofort verstoßen, enterbt oder sonstwas zu werden.

auch ich sehe das als unerträgliche verharmlosung

die Kommentare dazu sowohl von dem Filmemacher als auch hier die Kommetare zu dem Beitrag von Anne Bonny sind so dermaßen zynisch, dass es mir echt hochkommt. Wenn ich da lese: kleine Parties, ein riesengroßer Schulhof, wie dumm kann ein einzelner mann sein? Diese frauen versuchen eben das beste aus ihrer Situation zu machen, die meisten sind seelisch so deformiert, dass sie gar nicht mehr fühlen können...denn sonst würden sie im Wahnsinn enden. Ein mensch, dem unerträgliches widerfährt, spaltet sich von seinen gefühlen ab. Genau das ist doch den meisten frauen /Mädchen dort widerfahren, wie abgebrüht kann man sein, darin etwa locker, lustiges zu erkennen? oder soll hier die eigene benutzung von Frauen gerechtfertigt werden?
Die Frauen finden das doch eigentlich alles ganz spaßig? Alles nicht so schlimm? wie beschränkt kann ein einzelner mensch sein uns so etwas weismachen zu wollen? und Anhänger findet er hier ja genug, wie man sieht("ist ihr nachname Schwrzer?" was blöderes konnte diesem menschen wohl nicht einfallen, dazu fällt mir nichts mehr ein. Ist die deutsche Bevölerung wirklich kollektiver verblödung anheimgefallen?

bravo Mdme moutard

genau so ist es. Was bitte sollte eine frau daran gut finden können. dass ihre körperöffnungen wie eine ware gehandelt werden? dass für die benutzung ihrers körpers wie für die Benutzung eines Gebrauchsgegenstandes Gedl bezahlt wird?
Eine tiefergehende Abwertung und Entwürdigung eines meschelichen Wesens gibt es nicht, ich würde fast sagen, es ist schlimmer als die Tötung eines menschen, einen menschen wie einen seelenlosen gegenstand zu benutzen. was sollte eine frau, so sie noch im besitz ihrer geistigen kräfte ist, daran gut oder erstrebenswert finden?

die Wahrheit ist nur für einige unerträglich

Liebe AnneBonnie, wieso ist die Wahrheit für sie unerträglich ? Die Wahrheit hat eben mehrere Aspekte, zum Beispiel auch, dass eine Prostituierte ihre Arbeit gern macht, dass sie Interesse am Geld hat,dass Sie vielleicht kein "Opfer" ist , sondern ziemlich genau weiss, was sie will, ja das ihr ihre Arbeit sogar bisweilen Spass macht. Ist das unvorstellbar ? Herr Glawogger hat einen berührenden Film gemacht, der ein Stück der Wahrheit zeigt. Das ist nicht unerträglich sondern ehrenwert und schön.

Was ist selbstbestimmt? II

Und wenn Prostitution eine ordentliche, legale Beschäftigung ist, ist es dann auch eine zumutbare Tätigkeit, die demnächst dann von der Arbeitsagentur als Vermittlungsvorschlag geschickt wird, und wer sich weigert, bekommt die Leistungen gekürzt?

Da muss ich sofort daran denken, dass Wolfgang Clement (SPD) mal "jeden legalen Job" als zumutbar bezeichnet haben soll. Zusammen mit der legalisierung der Prostitution durch die Rot-Grüne Koalition ergibt das genau dieses Szenario. Würde unser Staat, der auf englisch FRG, federal republic of Germany heißt, tatsächlich so verfahren, gäbe das der Abkürzung die neue Bedeutung federal rapist of Germany, denn Zwang zur Prostitutution ist Vergewaltigung. Mit Selbstbestimmtheit bei der Berufswahl hat das gewiss nichts zu tun.
Dies gilt allerdings auch für andere Jobs, in denen man z.B. gezwungen ist, Menschen etwas aufzuschwatzen, was sie nicht brauchen.

Ich will Prostitution keinesfalls verharmlosen, und dennoch gibt es so manches, was noch schlimmer ist. Dazu kann zum Beispiel ein Leben in einer durch massive Gewalt geprägten (Zwangs-)Ehe gehören, die sich selbst von Zwangsprostitution, also der schlimmsten Form, nur durch die Anzahl der Peiniger unterscheidet.

Heilung...?

Sie schreiben: ..."Dann kann es hier ja sogar sein, dass zwei geschädigte sich hier ein wenig heilen oder eben die Schäden so etwas erträglicher werden, für ein paar Minuten..."

Ein Mann, der in seinem Sozial- und Sexualverhalten "geschädigt" ist, im Sinne von "gehemmt", "bindungsunfähig" oder auch sexuell "ungewöhnlich" (keine Wertung!) orientiert, mag sein Leiden tatsächlich bei der Nutzung von käuflichem Sex erträglicher empfinden - bzw. auf diese Weise sein Ziel erreichen: überhaupt - und trotz seiner Problematik - an Sex zu kommen. Hier sind Anonymität, Freiheit und Unabhängigkeit von privater Beziehung und die Unnötigkeit, sich privat arrangieren zu müssen, weil statt dessen ein Geldschein auf die Bettkante gelegt wird, eine Lösung.

Aber Sie glauben doch nicht im Ernst, dass für Frauen und Mädchen, die in Elternhaus /Lebensumgebung frühe Sexualisierung, ein ungesundes Frauen- bzw. Männerbild, Gewalt, Erniedrigung, womöglich auch Mißbrauch erfahren haben, es als wohltuend, heilsam und tröstend empfinden, ihre intimen Körperteile an sozial gestörte Männer zu vermieten?
Ja, sozial gestört, denn bei Befürwortern der "Ware Frau" MUSS etwas bei der Entwicklung sozialer Basiseinstellungen und -Fähigkeiten schief gelaufen sein. Dass manchem Mann dieser Anspruch an die männliche Menschlichkeit und Ethik sehr lästig und auch kompliziert erscheint, kann ich gut nachvollziehen. Mancher Mann ist eben eher nutzen-orientiert eingestellt, da sind Dinge wie "Reflektion" im Weg.

Nichts rechtfertigt die "Nutzung" von Frauenkörpern

"...Gilt dieses denn auch für geistig oder körperlich behinderte Männer, oder etwa kleinwüchsige? Betrachten Sie das Problem doch einmal von dieser Warte." schreiben Sie.

Weder geistige noch körperliche Behinderung oder Kleinwüchsigkeit, weder soziale oder sonstige Defizite und Probleme von Männern rechtfertigen in irgend einer Weise die Miete und Benutzung von Frauenkörpern.

Es gibt genauso viele geistig oder körperlich behinderte oder kleinwüchsige Frauen wie Männer - und diese leben seit Jahrtausenden selbstverständlich mit der Tatsache, dass es für sie in KEINER Stadt der Welt einen Straßenstrich und unzählige Bordelle gibt, in denen sie einem Mann stundenweise mieten können.

Das Elend der Prostitution ist unmittelbar an das ethische Denken und die menschliche Einstellung von Männern geknüpft. Männer halten sich seit jeher Vieh - und Frauen. Frauen gelten ihnen seit Tausenden von Jahren als Raubgut, als Besitz, als billige oder Gratis-Arbeitskraft, als Handelsware, als Tauschobjekt, zur Machtsicherung (Heirat zur Vermehrung von Land, militärischer Macht, Geld, Besitz) und zur Befriedigung intimer Bedürfnisse. 2011 geht nun zuende, und noch immer verteidigen Männer "ihre" Bordelle, schaffen gigantischen Raum zum Handel mit der "Ware Frau" und zu deren seelischer, korperlicher und sozialer Ausbeutung.

Madame de Pompadour war

eine Hure und sie wird nicht aus Zwang die Mätresse von Ludwig XV gewesen sein. Und Sie wollen mir doch wohl nicht erzählen, daß all die jugendlichen Showbiz- Sportler- und Politikerehefrauen ihren Ferrari fahrenden, aber dennoch alternden, Gatten in romantischer Liebe zugeneigt sind? Das mag ja im Einzelfall so sein, aber meines Erachtens ist hier doch sehr viel Heuchelei im Spiel, es ist wohl eher so, daß viele dieser Frauen primär Macht und Geld heiraten und (völlig freiwillig) den eigenen Körper als Mittel zum Zweck einsetzen. Und ich behaupte, daß dieses Spiel heutzutage immer von Männern und Frauen gemeinsam gespielt wird – ich muß Ihnen doch nun wirklich nicht erklären, daß die arrangierte Ehe, auf die sie in Ihrer Replik anspielen, in unserem Kulturkreis schon längst nicht mehr vorkommt. Es ist insofern geradezu grotesk, wenn sie hier Parallelen zur Viehhaltung (!) ziehen. Madame de Pompadour wird ein ausgeprägtes Macht- und Selbstbewußtsein besessen haben und sie können davon ausgehen, daß sie ihrerseits mit den Männer spielte. Als ein Stück Vieh wird sie sich nicht wahrgenommen haben.

Ich maße mir nicht an

für den kleinwüchsigen Mann zu sprechen, den ich vor einiger Zeit bei der Kontaktaufnahme mit einer Prostituierten beobachtet habe. Aber diese Frage sei dann doch erlaubt: wieviele Ihrer Geschlechtsgenossinen würden ihn als Partner akzeptieren und ihm das Ausleben ‚normaler‘ Sexualität ermöglichen, selbst wenn sie sich eine Partnerschaft unter anderen Voraussetzungen vorstellen könnten? Wenn Sie jetzt ehrlich sind werden Sie mir beipflichten wenn ich Ihnen sage, daß es wahrscheinlich nicht sehr viele sein werden. Weil sie sich ekeln, weil er nicht der sozialen Norm entspricht, weil sie sich etwas besseres wünschen, weil sie sich vor dem Tratsch der Freundinnen und Nachbarn fürchten, weil sie nicht einfühlsam und sensibel sondern schwach und selbstsüchtig sind. So wie viele Männer eben auch. Aber es ist doch nun wirklich eine Beleidigung der Intelligenz, wenn hier von verschiedenen Foristinnen fortwährend der Eindruck erweckt wird, daß Gewaltausübung in Geschlechterbeziehungen ein Privileg der Männer ist. Was glauben Sie wieviele Demütigungen dieser Mann hat hinnehmen müssen?

Und wieso maßen Sie sich an

die Frau, die ihrerseits ihre ganz individuellen Gründe zur Ausübung ihrer Tätigkeit gehabt haben wird, pauschal der 'frühen Sexualisierung‘ sowie 'der Erfahrung von Gewalt und Erniedrigung‘ zu verdächtigen und ihr ein 'ungesundes Frauen- bzw. Männerbild‘ zu attestieren? Ist Ihnen klar, daß Sie mit solch einem Urteil Millionen von Frauen zu wehr-, macht- und willenlosen Opfern degradieren und ihnen so jegliche Würde nehmen? Wenn diese Frau ihre Tätigkeit in freier Entscheidung ausübt, und wenn dieser Mann sie mit dem gebotenen Respekt behandelt, besteht kein Anlaß zu moralischer Verurteilung und Überheblichkeit. Sie mögen diese Auffassung nicht teilen und das ist ja auch gut so. Üben Sie sich aber doch einfach in Toleranz und akzeptieren Sie, daß es Sie nichts angeht was freie und erwachsene Menschen in gegenseitiger Übereinkunft miteinander tun.

'2011 geht nun zuende,

und noch immer verteidigen Männer 'ihre‘ Bordelle (…).‘ Ich sage Ihnen, daß es Prostitution auch am Ende des Jahres 2012 geben wird, und auch im Jahr 2112, auf der ganzen Welt und übrigens auch in Schweden. Nicht weil Männer 'gigantische Räume‘ zur 'seelischen, körperlichen und sozialen Ausbeutung‘ der 'Ware Frau‘ schaffen und sich in der Vieh- und Frauenhaltung üben, sondern weil es immer Situationen geben wird, in denen Prostitution für Männer und Frauen opportun und das kleinere Übel ist. Ich gebe Ihnen aber vollkommen recht wenn Sie die Zwangs- und Elendsprostitution anprangern. Hier muß wirklich etwas getan werden.

Finally

Ich muß, glaube ich, nicht extra betonen, daß sich meine Ausführungen nur auf freiwillig und in gegenseitigem Einvernehmen miteinander vorgenommenen Handlungen bezogen haben. Falls Sie mir antworten wollen, bemühen Sie sich doch nicht wieder ausschließlich über das Thema der Zwangsprostitution zu schreiben – hier bestehrt ja gar kein Gegensatz zwischen Ihrer und meiner Auffassung. Auch Glawoggers Film handelt ja meines Wissens nicht von Zwangsprostitution sondern vom Problem der Prostitution im allgemeinen.

Schwieriges Thema

Jenseits der Armuts- und Zwangsprostitution gibt es aber doch auch die freiwillige, nach dem Motto.." bevor ich bei Aldi an der Kasse sitze". Dann gibts noch die Gelegenheitsprostitution, und die "Einmalprostitution": Heirat nur wegen des Geldes. Insgesamt also alles sehr vielschichtig. Wobei ich nicht weiß wie es in den Ländern zugeht von denen das Interview berichtet, ein gewisse Tendenz zur Verharmlosungsehe sehe ich hier auch.
Interssant wäre es aber einmal die Situation in D. zu untersuchen.Echte Existenzbedrohung gibts ja hier nicht (oder allenfalls partiell)
Angeblich sollen in D 400.000 Frauen diesem Beruf (offiziell und ohne Zwang) nachgehen. Die Dunkeziffer soll erheblich höher sein. Wären die Damen alle bei einem "Unternehmen" angestellt, wäre es wohl (nach dem öffentlichen Dienst), der größte Arbeitgeber für Frauen. Hier wäre also einmal eine verteifte Untersuchung über Motivlage, Status, Emotionalität etc.interessant (und zwar jenseits vom RTL 2 Niveau versteht sich).

Wer uns so alles "aufklärt"...

von Kolle über Roche zu Herrn Glawogger...

Jeder nach seiner Art - und ich hoffe mal wirklich, dass nicht alles was "Aufklärungsarbeit" leistet auch noch honoriert wird...

Ich weiß, dass der Film ausgezeichnet wurde...

Es wurde schon so viel ausgezeichnet und mit dem Wort "Bestseller" betitelt, dass ich nur noch staune.

Über den Menschen, der eigentlich in der Hand hat, was so als Topseller oder sonst einer "Seller-List" geführt wird - die Allgemeinheit...

Wollen wir mal beiseite lassen, dass Herr Glawogger ein Mann ist - er ist vor alllem in erster Linie ein Mensch.

Deshalb ist er verantwortlich für seine Art der "Aufklärungsarbeit" - und ich bin auch ein Mensch (wenn auch ein weiblicher) der die Auffassung vertritt: "Jeder Mensch ist dafür verantwortlich was als Bestseller oder Topfilm "gehandelt" wird. Nämlich jeder Einzelne...

Nur weil die Mehrheit etwas gut findet - wird es am Ende als gut gehandelt -wobschon Vieles davon weit entfernt ist (siehe Bestsellerlisten mit Roche und Lahm...) - wofür spricht das?!

Und alle reden so gerne von und über "Bildung" - wie wäre es zur Abwechslung mal wieder über etwas mehr "Weniger ist mehr"... Bei Allem!

Zitat M. Twain: "Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, dann ist es Zeit sich zu besinnen" Zitat Ende

Mehr und nicht wenig freundliche Güße