ZEIT ONLINE: Der Kinofilm Roller Girl ist nicht nur eine Coming-of-Age -Geschichte, sondern auch ein Porträt der Sportart Roller Derby. Was das genau ist, kann wohl am besten eine Spielerin erklären.

Megan Gannon: Es ist wie Rugby auf Rollschuhen. Anstatt eines Balls hat jedes Team einen Spieler, der Jammer genannt wird. Man fährt auf einer ovalen Bahn. Der eigene Jammer muss möglichst viele Gegnerinnen überholen, dabei helfen ihm die vier Pack-Spielerinnen, offensiv oder defensiv, mit verschiedenen Spielstrategien.

ZEIT ONLINE: Ein ziemlich harter Sport für erwachsene Frauen. Deshalb braucht die 17-jährige Protagonistin Bliss Cavendar auch die Erlaubnis ihrer Eltern, um mitspielen zu dürfen.

Gannon: Ja, Roller Derby ist ein Vollkontaktsport. Es gibt ein dickes Regelwerk. Blockings mit der Schulter, der Seite, der Hüfte sind erlaubt. Wer die Gegnerin mit Knien, Füßen, Ellenbogen oder dem Kopf stößt, geht gleich auf die Strafbank.

ZEIT ONLINE: Über Regelverstöße entscheiden dann aber Männer, ist das nicht komisch?

Gannon: Es ist eben ein Damensport. Männer, die sich dafür interessieren, können ehrenamtlich als Trainer oder Schiedsrichter mitmachen. Viele von ihnen sind Freunde oder Partner der Spielerinnen.

ZEIT ONLINE: Ein integratives Modell?

Gannon: Genau. Im Football dreht sich alles um die Männer, und die Frauen sind für die Unterstützung zuständig. Hier ist es andersrum. Mit dem Unterschied, dass die Männer mit ins Spiel einbezogen werden und nicht nur im Hintergrund schuften.

ZEIT ONLINE: Der Film spielt in Austin, Texas. Ist das Zufall?

Gannon: Nein, die Stadt hat eine große Punk-Szene. Dort haben sich im Jahr 2000 ein paar Mädchen zusammengetan und haben den Sport wiederbelebt. Dann hat er sich schnell verbreitet.

ZEIT ONLINE: Roller Derby ist mehr als ein Sport. Es vermittelt auch ein ganz bestimmtes Lebensgefühl, von dem sich auch Bliss Cavendar so angezogen fühlt. Kann man das benennen?

Gannon: Jede kann mitspielen. Egal, wie Du gebaut bist, es kann Dir einen Vorteil gegenüber anderen Spielerinnen bringen. Man vergisst den Alltag und spürt eine Freiheit und Wildheit, die man vielleicht seit der Jugend vermisst hat. Roller Derby hat diesen alternativen Geist, viele Mädchen tragen verrückte Frisuren, Piercings und Tattoos.

ZEIT ONLINE: Das wirkt nicht gerade wie eine Sportart, die wir demnächst bei Olympia sehen.

Gannon: Ein großes Streitthema im Verband. Viele Spielerinnen in den besten Mannschaften möchten dieses Girlie-Image gern hinter sich lassen. Sie sind ernsthafte Sportlerinnen und trainieren sechs, sieben Mal in der Woche. Im Dezember ist ein Derby Worldcup in Kanada.