Film "Colombiana": Abgesang aufs Killerfilm-Genre
Eine Killerin ohne Geschichte, Herumgeballere ohne Handlung: Mit dem miesen Action-Thriller "Colombiana" bringt Luc Besson sogar seine frühen Filme in Verruf.
Hot Shots 2 gibt es eine wunderbare Szene , in der Charlie Sheen als Rambo-Derivat in einem Dschungeldorf steht und mit großer Gleichgültigkeit aus Hütten stürmende Rebellen erlegt. Dazu wird ein Counter eingeblendet, der die Zahl der Getöteten angezeigt: 20, 30, 100 Tote. Als der Body Count die 290 überschreitet, preist Hot Shots 2 sich selbst als "blutigsten Film aller Zeiten" an.
In dem Klamaukfilm
Ganz ähnliche Szenen spielen sich auch in Colombiana ab, einem von Luc Besson produzierten und Olivier Megaton ( Transporter 3 ) in Szene gesetzten Actionfilm. Bloß ist das gleichgültige Herumgeballere hier, anders als in Hot Shots 2 , leider vollkommen ernst gemeint. Überhaupt geht es in diesem Film fast ausschließlich um die Kunst des andauernden Schusswechsels.
Für die Rahmenhandlung haben Megaton und Besson jedenfalls keine guten oder gar neuen Ideen verschwendet: Die neunjährige Cataleya, benannt nach einer südamerikanischen Orchidee, wird Zeugin, wie ihre Eltern von der kolumbianischen Drogenmafia ermordet werden, nachdem ihr Vater sich vom örtlichen Paten Don Luis losgesagt hat.
Wenige Minuten später lügt sich das offenbar kaltblütige Mädchen durch das Gespräch mit den Häschern des Paten, rammt einem Mafiosi ein Messer durch die Hand und windet sich derart geschickt durch die Gassen und Hinterhöfe der Favela, dass sie ein Dutzend bewaffneter Männer hinter sich lässt. Natürlich sind die Wege und Häuser dieser Favela mit dem mittlerweile obligatorischen Gelbstich versehen, ohne den man lateinamerikanische Wohnviertel seit City of God offensichtlich nicht mehr zeigen kann.
Die ungerührte Cataleya schlägt sich weiter auf eigene Faust zu ihrem Onkel Emilio nach New Orleans durch: Der ist von Berufs wegen zwar Killer, aber hat natürlich ein gutes Herz. Das trifft sich gut, denn die kleine Cataleya will unbedingt zur Killerin ausgebildet werden, um eines Tages ihren Vater zu rächen. Und wie das mit kleinen Mädchen so ist, bekommt Cataleya natürlich ihren Willen – und mordet sich 15 Jahre später auf der Fährte der mittlerweile von der CIA protegierten Ganoven einmal quer durch die USA.
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Nicht allein die Handlung ist vollkommen absehbar – und davon abgesehen Luc Bessons Klassiker Leon der Profi entlehnt – auch alle Figuren in Colombiana sind Abziehbilder ihrer selbst. Das wäre noch hinzunehmen, schließlich soll der Film ja ein Action-Spektakel sein und keine feinsinnige Charakterstudie.
Dass Geschichte und Charakter aber als derart nebensächlich abgetan werden und bloßer Vorwand für die nächste Schießerei sind, dass die stets emotionslose Heldin des Films ohne jede Schramme aus all den Auseinandersetzungen hervorgeht und keinen Moment an sich, ihren Morden und an dieser grausamen Welt zweifelt, ist einfach nur ärgerlich. Noch dazu, weil Luc Besson es besser kann: Er war es schließlich, der mit Nikita und Leon der Profi in den neunziger Jahren das Killerfilm-Genre zur Seelenschau erweitert hat.






versteht der autor dieses artikel nicht, dass dieser film die konsequente weiterentwicklung der alten besson filme ist.
zeiten und gesellschaft ändern sich - eine zunehmende emotionslosigkeit und kaltherzigkeit breitet sich doch gerade zusehends in unserer gesellschaft aus - ich denke besson hat diese "entwicklung" aufgegriffen.
"zeiten und gesellschaft ändern sich - eine zunehmende emotionslosigkeit und kaltherzigkeit breitet sich doch gerade zusehends in unserer gesellschaft aus"
Das ist aber nur eine oberflächliche Emotionslosigkeit. In Wahrheit werden die Emotionen unterdrückt.
Viele Menschen verkraften dieses Unterdrücken von Emotionen schon im normalen Leben nicht und suchen psychatrische Hilfe.
Außerdem besteht diese Emotionslosigkeit und Gleichgültigkeit im Prinzip weniger bei den Handelnden, als bei denen die danebenstehen und zusehen und vielleicht gerade noch denken 'besser er/sie, als ich'.
Das faszinierende an Leon der Profi war doch, wie der gleichgültige Hauptcharakter sich verändert und schließlich erkennt, dass es in seinem bisherigen trostlosen Leben doch eine Perspektive geben kann und nicht nur die perspektivlose Aneinanderreihung von Tötungsaufträgen. Daraus entsteht doch erst dieser enorm tragische Moment, als er am Ende doch noch erschossen wird.
MfG
AoM
"zeiten und gesellschaft ändern sich - eine zunehmende emotionslosigkeit und kaltherzigkeit breitet sich doch gerade zusehends in unserer gesellschaft aus"
Das ist aber nur eine oberflächliche Emotionslosigkeit. In Wahrheit werden die Emotionen unterdrückt.
Viele Menschen verkraften dieses Unterdrücken von Emotionen schon im normalen Leben nicht und suchen psychatrische Hilfe.
Außerdem besteht diese Emotionslosigkeit und Gleichgültigkeit im Prinzip weniger bei den Handelnden, als bei denen die danebenstehen und zusehen und vielleicht gerade noch denken 'besser er/sie, als ich'.
Das faszinierende an Leon der Profi war doch, wie der gleichgültige Hauptcharakter sich verändert und schließlich erkennt, dass es in seinem bisherigen trostlosen Leben doch eine Perspektive geben kann und nicht nur die perspektivlose Aneinanderreihung von Tötungsaufträgen. Daraus entsteht doch erst dieser enorm tragische Moment, als er am Ende doch noch erschossen wird.
MfG
AoM
... dass Emotionen zunehmend als Charakterfehler angesehen werden, der einem das Vorankommen in unserer neoliberalen Zeit erschwert.
Aber kommt einmal ein Film heraus, der die Folgen davon zeigt, jammern die "liberalen" Menschen gleich herum!
wirklich involviert?
Es ist ja nichts ungewöhnliches, dass der berühmte Name draufsteht, aber nichts inhaltliches zum Film beiträgt. Dabei geht's meistens darum, etwas Geld zu verdienen um die eigentlichen Projekte zu finanzieren. Zumindest hat Besson ja keine Regie geführt. Und dass das Actionfilmgenre von der Zerissenheit des "Helden" leben ist ja eigentlich nicht wahr. Ein Paar Genreperlen gibt es, aber verallgemeinern kann man das nicht, ein Beispiel ist der Fauxpass vom Anfang des Artikels, wo "Rocky" steht, aber wahrscheinlich "Rambo" gemeint ist. Außer in Teil eins, waren das doch auch primitivste Metzel- und Propagandafilme.
Verdammt, Sie haben Recht. Unangenehm, wird korrigiert.
DE
Lieber eirenarch,
ja, Rambo war's, da haben Sie recht. Vielen Dank für Ihren Hinweis.
Freundliche Grüße,
D. Hugendick
Verdammt, Sie haben Recht. Unangenehm, wird korrigiert.
DE
Lieber eirenarch,
ja, Rambo war's, da haben Sie recht. Vielen Dank für Ihren Hinweis.
Freundliche Grüße,
D. Hugendick
…haben Sie, riciru, tatsächlich Recht und "Colombiana" ist tatsächlich bloß die konsequente Weiterentwicklung eines Besson-Motives (das kann schon sein, aber eben im Schlechten) – aber unterscheiden, ob das nun ein verhärmter, emotionsloser Charakter oder eine unausgegorene Story samt Klischeefiguren ist, das traue ich mir gerade noch zu.
Herzliche Grüße!
Daniel Erk
Verdammt, Sie haben Recht. Unangenehm, wird korrigiert.
DE
gibt es nur in Brasilien und in Cidade de Deus. In Kolumbien heißt das Tugurio.
gibt es nur in Brasilien und in Cidade de Deus. In Kolumbien heißt das Tugurio.
Dieser Film ist genauso überflüssig und sinnfrei wie Formel 1.
Und ein gutes Beispiel für den Missbrauch grenzenloser Freiheit.
gibt es nur in Brasilien und in Cidade de Deus. In Kolumbien heißt das Tugurio.
fuer die Recherche ;-) ....
fuer die Recherche ;-) ....
fuer die Recherche ;-) ....
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