Der Schauspieler und Regisseur Robert Redford während der Filmfestspiele in Cannes 2011 © SEBASTIEN NOGIER/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Mary Surratt wurde nach dem Attentat auf Abraham Lincoln von einem Kriegsgericht zu Unrecht zum Tode verurteilt. Wie bekannt ist ihre Geschichte in den USA?

Robert Redford: Natürlich weiß jeder, dass Abraham Lincoln 1865 von dem Schauspieler John Wilkes Booth während einer Theatervorführung erschossen wurde. Diese historischen Eckdaten wurden in der amerikanischen Geschichtsschreibung immer wieder recycelt. Aber der Kriegsgerichtsprozess gegen Mary Surratt, der untrennbar mit diesem Attentat verbunden ist und eine unglaubliche Ungerechtigkeit darstellt, blieb weitgehend unbekannt. Der damalige Kriegsminister Edwin Stanton hat erfolgreich dafür gesorgt, dass diese Frau gehenkt, begraben und vergessen wurde.

ZEIT ONLINE: Was hat den Hardliner Stanton angetrieben: Rache oder politisches Kalkül?

Redford: Stanton hielt den Frieden zwischen Nord- und Südstaaten für noch sehr fragil. Schließlich hatte Lincoln die Sklaven befreit und die Südstaatler waren sehr aufgebracht, weil sie der Meinung waren, dass man ihnen ihren persönlichen Besitz weggenommen hatte. Als Lincoln ermordet wurde, geriet Stanton in Panik und versuchte, möglichst schnell Stärke zu demonstrieren, um weiteren Widerstand im Keim zu ersticken. Die Attentäter sollten nicht vor ein ordentliches Gericht gestellt werden, weil das zu viel Aufmerksamkeit erregt hätte und Stanton alle Beteiligten so schnell wie möglich an den Galgen bringen wollte. Nur John Surratts konnte er nicht habhaft und zog deshalb dessen Mutter vor einem Militärgericht zur Verantwortung. Das war gegen die Verfassung. Die USA waren damals wie heute ein Rechtsstaat und genau das hatte dieses Land auch so stark gemacht. Doch Stanton war der Meinung, dass man das Gesetz verletzen muss, um den Frieden aufrecht zu erhalten.

ZEIT ONLINE: Der Vergleich zur Reaktion der Regierung Bush auf die Anschläge des 11. September, zum Patriot Act und zu Guantanamo drängt sich auf…