Moritz BleibtreuDas dünne Eis der Komödien

Derzeit ist Moritz Bleibtreu als Jude zu sehen, der einen Nazi mimt. Im Interview analysiert er das schwierige Verhältnis der Deutschen zu ihrer Geschichte und zum Humor.

ZEIT ONLINE: In Mein bester Feind spielen Sie einen Juden, der in eine SS-Uniform schlüpft. War das ein Gegengift zu Ihrer Rolle als Joseph Goebbels in Jud Süß?

Moritz Bleibtreu

Moritz Bleibtreu wuchs in Hamburg auf – auch wenn seine Mutter, die Schauspielerin Monica Bleibtreu, Österreicherin war. Schon als Kind trat er vor der Kamera auf. Nach Aufenthalten in Paris, Italien und New York, wo er auch Schauspiel studierte, begann er seine Karriere am Schauspielhaus Hamburg. Als Kino-Darsteller wurde er mit Knockin’ on Heaven’s Door (1997) und Lola rennt (1998) bekannt sowie durch seine Rollen in etlichen Filmen des Regisseurs Fatih Akin. In dem Film Jud Süß, der 2010 teilweise negative Kritiken erhielt, spielte Bleibtreu Joseph Goebbels.

Moritz Bleibtreu: Viele denken, dass man als Schauspieler mit der Auswahl seiner Rollen wahnsinnig taktiert. Das ist gar nicht so. Es ist ein riesengroßer Zufall, wenn einmal zwei Geschichten auf dem Tisch liegen, die sich ähneln. Diesen Film habe ich hauptsächlich gemacht, weil ich mit Wolfgang Murnberger arbeiten wollte, und weil der Film einen besonderen Umgang mit Humor hat. Heute verliert die Komödie im Kino immer mehr an Gesicht. Ich liebe Komödien, aber ich mag keinen Klamauk, sondern bin ein großer Fan der klassischen Comedies aus den 40er-Jahren. Die Komödien etwa von Billy Wilder zeichnete aus, dass sie immer auch auf wahnsinnig dramatischem Boden standen.

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ZEIT ONLINE: Aus Deutschland heraus hätte Mein bester Feind heute wohl kaum stattgefunden. Sind die Österreicher mutiger?

Bleibtreu: Nein. Österreich hat sich dem Konflikt, was die NS-Zeit mit ihrem nationalen Bewusstsein gemacht hat, noch gar nicht richtig geöffnet. Was wir in Deutschland Vergangenheitsbewältigung nennen, davon ist Österreich weit entfernt. Die Österreicher haben es geschafft, die Verantwortung zu umschiffen und so zu tun, als wären sie damals überrannt worden. Deshalb hat man dort aber auch eine größere Freiheit im humoristischen Umgang mit dem Thema.

Leserkommentare
  1. im Umgang mit unserem Deutschsein entwickelt." Diese Opfer-Leier läuft doch seit 1945. Bleibtrue reiht sich ein in die "Opfervolk"-Rhetorik des deutschen Imperialismus.......

    3 Leserempfehlungen
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    Würden Sie das bitte ausführen?

    • dacapo
    • 04.09.2011 um 0:49 Uhr

    ".......Opfervolk-Rethorik des deutschen Imerialismus". Was ist das denn nur für ein Schwulst?

    Würden Sie das bitte ausführen?

    • dacapo
    • 04.09.2011 um 0:49 Uhr

    ".......Opfervolk-Rethorik des deutschen Imerialismus". Was ist das denn nur für ein Schwulst?

  2. [...]

    Entfernt. Bitte lassen Sie Ihren Beitrag nicht unbegründet und ohne seriöse Quellen stehen. Danke. Die Redaktion/er

    Eine Leserempfehlung
  3. Ein Film mehr den wir nicht brauchen!
    Wie wäre es mal mit Abenteuerfilmen, Aktionfilmen
    aber dann bitte ohne schwangere Halbwaise mit
    schwulem Bruder oder so.
    Der Deutsche Film verkommt mi Extremen Handlungen
    und Multkulti zum Schierbrei!!!
    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/se

    6 Leserempfehlungen
  4. Die Deutschen sollten ihrem verlorenen Patriotismus nicht nachtrauern.
    Wer auf kollektives Hochgefühl steht, soll sich einen Fußballclub suchen.

    8 Leserempfehlungen
  5. Ich glaube ja nicht, dass die Deutschen überhaupt zu sich selbst finden können.
    Denn das würde bedeuten, dass die Menschen in diesem Land ihre Idendität zu Gunsten eines Mainstream-Deutschseins aufgeben müssten.

    Seit wann gibt es denn unser heutiges Deutschland? Seit gerade mal gut 20 Jahren. Davor gabs grob 40 Jahre lang zwei deutsche Staaten. Noch davor 12 Jahre Diktatur mit "Großdeutschem Reich", davor eine Weimarer Republik, die sich immerhin nur aufs "Deutsche Reich" beschränkte, von dem das Kaisserreich nach der Niederlage im ersten Weltkrieg ein paar Stückchen abtreten musste... und so weiter.

    Weder territorial, noch politisch oder kulturell waren die Deutschen jemals wirklich eins. Noch heute herrschen viele interesante und hörenswerte Dialekte vor, gibt es regional große kulturelle Unterschiede.

    Im Norden die Protestanten, im Süden die Katholiken - die Badener und Würtemberger frozzeln genauso mit Klischees gegeneinander, wie die Franken gegen die Altbayern und umgekehrt.

    Seit einigen Dekaden bereichern uns auch Kulturen von ganz woanders her.

    Deutsch, das ist nicht Einfalt sondern Vielfalt.

    Das letzte Mal, als die Deutschen sich einem uniformen Deutschsein unterworfen haben, ging's übel aus. Aber deswegen funktionieren Nazifilme eigentlich immer: Da sind "die Deutschen" greifbar, reduzierbar, mit hohem Wiedererkennungswert.

    Aber die richtig guten Filme widmen sich gar nicht dem Deutschsein, sondern (einer der vielen) Varianten, aus denen es besteht.

    19 Leserempfehlungen
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    • snm81
    • 01.09.2011 um 20:06 Uhr

    ihre ganze litanei ist sowas von deutsch :-P

    Die Deutschen sind ethnisch und kulturell ein Volk - seit Zeiten Magna Germanias auch von Fremden so angesehen. Was Sie dort verzapfen ist die Lebenslüge der Multikulturalisten, die Unterschiede die bestehen, die waren noch nie gravierend.

    Völlig richtig, wenn man die viefältige Begabung dieses Volkes so ausdrücken will.

    Aber natürlich meinen Sie etwas anderes: Vielfalt = Multikuilti.

    Doch hier gilt allerdings längst der Satz: Weniger ist mehr!

    • snm81
    • 01.09.2011 um 20:06 Uhr

    ihre ganze litanei ist sowas von deutsch :-P

    Die Deutschen sind ethnisch und kulturell ein Volk - seit Zeiten Magna Germanias auch von Fremden so angesehen. Was Sie dort verzapfen ist die Lebenslüge der Multikulturalisten, die Unterschiede die bestehen, die waren noch nie gravierend.

    Völlig richtig, wenn man die viefältige Begabung dieses Volkes so ausdrücken will.

    Aber natürlich meinen Sie etwas anderes: Vielfalt = Multikuilti.

    Doch hier gilt allerdings längst der Satz: Weniger ist mehr!

    • snm81
    • 01.09.2011 um 20:06 Uhr

    ihre ganze litanei ist sowas von deutsch :-P

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Der Herr Künstler :)"
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    Aber was ist denn daran deutsch?

    Aber was ist denn daran deutsch?

  6. Aber was ist denn daran deutsch?

    Antwort auf "paradoxie..."
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    • snm81
    • 01.09.2011 um 20:51 Uhr

    auch ihre replik, dieses ewige ringen um nationale identität oder nicht. findet man sonst nirgendwo. das ist schon ziemlich exklusiv deutsch. im übrigen stimmts ja- nation ist ein konstrukt und mehr oder weniger ne erfindung der moderne... aber wirklichkeit entsteht halt durch den glauben daran

    • snm81
    • 01.09.2011 um 20:51 Uhr

    auch ihre replik, dieses ewige ringen um nationale identität oder nicht. findet man sonst nirgendwo. das ist schon ziemlich exklusiv deutsch. im übrigen stimmts ja- nation ist ein konstrukt und mehr oder weniger ne erfindung der moderne... aber wirklichkeit entsteht halt durch den glauben daran

    • snm81
    • 01.09.2011 um 20:51 Uhr

    auch ihre replik, dieses ewige ringen um nationale identität oder nicht. findet man sonst nirgendwo. das ist schon ziemlich exklusiv deutsch. im übrigen stimmts ja- nation ist ein konstrukt und mehr oder weniger ne erfindung der moderne... aber wirklichkeit entsteht halt durch den glauben daran

    Antwort auf "Mag sein"

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