Martina Gedeck Eine Schauspielerin mit Mut zur Selbstpreisgabe

Ihr Debüt war eine bayerische Bäuerin, nun erklärt sie Robert de Niro, wie ein Berliner Zimmer aussieht. An ihrem 50. Geburtstag sieht Martina Gedeck vieles gelassener.

Sie gilt als schwierig. Als schwierig bezeichnen Journalisten Menschen, die keine Interviews geben oder, wenn ausnahmsweise doch, vorher Verträge abschließen wollen: Keine Eigen- oder Fremdsilbe erscheint ohne mein Einverständnis! Andererseits: Hat nicht, wer als "wichtigste" Schauspielerin des Landes gilt, die Pflicht, ein wenig schwierig zu sein? Wichtig – noch so ein Journalistenwort. Warten auf Martina Gedeck. Vokabelprüfung ist eine gute Wartetätigkeit. Schwierig. Wichtig. Wie viele Adjektive es doch gibt, die mehr verstellen als erhellen.

Und dann kommt sie von der Straße herein wie jede andere berufstätige Frau zur Feierabendstunde.

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Offener heller Trenchcoat, leichte Eile und die Spuren eines Tages im Blick – als sei sie alles, nur nicht "wichtig". Allerdings dürfte es für niemanden leicht sein, in diesem Gründerzeit-Treppenhaus aufzufallen. Seine Pracht macht jeden klein. Es gehört dem Berliner Hotel, das Martina Gedeck am liebsten hat, obwohl sie nie dort schläft, schließlich wohnt sie in der Stadt. Aber so weltverloren wie hier ist man an wenigen Orten. Das ist wichtig, denn jedes gute Gespräch ist ein wenig zeitlos, und erst recht eins, dessen Anlass nicht zuletzt die Zeit ist. Am Mittwoch wird Martina Gedeck ein halbes Jahrhundert alt.

Älterwerden? "Älterwerden bedeutet, länger gelebt haben. Es kommt etwas dazu, es ist ein Reicherwerden", wird sie später erklären. Aber jetzt strebt sie geradeaus am fast tropischen Gewächshaus-Innenhof-Garten vorbei ins Dunkle. Ein kleiner Tagungsraum mit Tagungstisch. Sie setzt sich an die Stirnseite. Eine Tagung zu zweit. Und kein Wort von einem Vertrag. Vielleicht ist niemand so einfach wie ein komplizierter Mensch, der sich vorgenommen hat, nicht kompliziert zu sein.

Fünfzig Jahre also. Aber mit welchem sollen wir anfangen? 1978, als die Austauschschülerin in New Jersey mit ihrer Highschool-Theatergruppe zum ersten Mal auf der Bühne stand? In einem Turgenjew-Stück. Auf die Rolle des liebenden Mädchens hatte sie sich vorbereitet, aber dann bekam sie die alte russische Magd. Oder sollten wir 1983 beginnen, als sie als einzige Absolventin ihrer Berliner Schauspielklasse kein Engagement bekam, anfangs? Oder mit dem Jahr 1994, als sie in Hölleisengretl ihren Durchbruch als bucklige bayerische Bäuerin hatte, und kein Mann sah sie an, nur den Hof, den sie besaß?

Eine alte Magd, eine bucklige Bäuerin – das typische Register einer femme fatale des Kinos ist das nicht. Und dann ist da noch die Osttute Jutta aus Wismar. Natürlich, wir beginnen mit dem Herbst 1990, als der NDR ihr die Rolle der Jutta anbot, und sie ein "Niemals!" dagegensetzte.

"Natürlich hab’ ich das gesagt", erklärt Martina Gedeck 21 Jahre später, und das Erstaunen von damals steht wieder in ihren dunklen Augen. Wie konnte man ihr das zumuten? "Eine Italienerin meinetwegen oder eine Türkin, aber doch keine aus dem Osten."

Leser-Kommentare
  1. Eine wunderbare Schauspielerin. Allein bei ihrer Stimme kommt man ins schwärmen.

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    Martina Gedeck, und z.B. auch Maria Schrader sind die besten Beispiele dafür, dass deutsche Schauspieler locker mit Hollywood-Größen mithalten, wenn nicht sogar übertreffen können.
    Das diese zwangsläufig manchmal auch in eher schlechten Filmen mitspielen, liegt leider an den Gehältern hierzulande, bzw. an den kleineren Budgets für Filme.

    Martina Gedeck, und z.B. auch Maria Schrader sind die besten Beispiele dafür, dass deutsche Schauspieler locker mit Hollywood-Größen mithalten, wenn nicht sogar übertreffen können.
    Das diese zwangsläufig manchmal auch in eher schlechten Filmen mitspielen, liegt leider an den Gehältern hierzulande, bzw. an den kleineren Budgets für Filme.

  2. hat diese Frau an sich, ich weiß nicht was es ist, das mich ganz stark abstößt.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Na, dann hoffe ich für Sie, dass Sie den Artikel nicht gelesen habe...

  4. Martina Gedeck, und z.B. auch Maria Schrader sind die besten Beispiele dafür, dass deutsche Schauspieler locker mit Hollywood-Größen mithalten, wenn nicht sogar übertreffen können.
    Das diese zwangsläufig manchmal auch in eher schlechten Filmen mitspielen, liegt leider an den Gehältern hierzulande, bzw. an den kleineren Budgets für Filme.

    Antwort auf "Wunderbar!"
  5. 5. Rot

    Den roten Faden im Teppich hätte ich mir auch im Artikel gewünscht.

    via ZEIT ONLINE plus App

    • Juni29
    • 15.09.2011 um 11:23 Uhr

    die Schauspielerin eines anderen Landes wäre, wäre ich neidisch auf das Land.

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