Nahrungsmittel-DokuMüll statt Mahlzeit

Es ist genug für alle da, eigentlich. Viele Lebensmittel landen aber im Müll und nicht auf dem Tisch. Die Doku "Taste The Waste" zeigt das Ausmaß der Verschwendung. von 

In einem Müllcontainer liegen Nahrungsmittel.

In einem Müllcontainer liegen Nahrungsmittel.  |  © W-film

In Taste The Waste sucht der Autor und Regisseur Valentin Thurn die Orte auf, an denen wir unser täglich Brot zu Abfall degradieren: Bauernhöfe, Groß- und Supermärkte und Haushalte. Mehr als ein Drittel aller Lebensmittel landet nicht auf den Tischen , sondern im Müll. Allein in Deutschland blieben 15 Millionen Tonnen Nahrungsmittel pro Jahr ungenutzt, heißt es in der Dokumentation, die thematisiert, was nicht bloß Umweltaktivisten berühren sollte, sondern jeden von uns: die Verschwendung von Lebensmitteln .

Diese beginnt bereits auf dem Feld. Ein Bauer erklärt, dass er nur jede zweite Kartoffel ernten dürfe. Die anderen bleiben liegen, weil sie einen Riss haben, laut Norm zu groß oder zu klein sind. Dem Landwirt bereitet das Unbehagen: "Die großen Kartoffeln schmecken doch genauso gut wie die andern." Wegen der strengen Verordnungen dürfen Bauern heute viele ausrangierte Lebensmittel nicht einmal an Schweine verfüttern.

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Mit der Recherche begann Thurn 2007, als er eine Fernsehreportage über Menschen machte, die sich von den Lebensmittelabfällen der Supermärkte ernähren. Die Mülltaucher schienen zunächst ein interessantes, aber doch eher exotisches Phänomen zu sein. Erst im Laufe seiner Recherchen bemerkte der Dokumentarfilmer, wie viele Lebensmittel die Menschen verschwenden und welche Folgen sich daraus für Wirtschaft und Umwelt ergeben. Die Dokumentation Frisch auf den Müll , die er schließlich für die ARD drehte, war so erfolgreich, dass Thurn beschloss, seine Arbeit auch auf die große Leinwand zu bringen.

Es nicht leicht, eine Genehmigung dafür zu erhalten, im Supermarkt auch den Hinterhof zu filmen – Thurn und sein Team haben das geschafft. Zusammen mit dem Kameramann Roland Breitschuh hat er zwei Läden in Frankreich und Japan besucht. Die Angestellten dort sortieren fleißig Lebensmittel aus. Die Kunden richten sich sklavisch nach den Angaben für die Mindesthaltbarkeit, auch wenn die Produkte noch frisch und unversehrt sind. Alles, was laut Etikett nur noch zwei Tage haltbar ist, muss also weg. Obst mit Dellen oder ein Salat mit einem welken Blatt will schon gleich gar niemand mehr kaufen. Zudem sind die Angestellten angehalten, darauf zu achten, dass die Regale immer gut bestückt sind. Je voller diese sind, desto mehr sprechen sie den Kunden an und desto mehr wird verkauft. Auch für den Bäcker vorne am Eingang gilt diese Regel: Bis zum späten Abend muss er dafür sorgen, dass die Auslage mit dem vollständigen Sortiment befüllt ist. Jedes fünfte Brot landet später im Müll.

Leserkommentare
  1. Dieser Satz allein fasst perfekt zusammen, was in unserem Wirtschaftssystem gerade so massiv schiefläuft.

    Die These, dass der Markt sich selbst reguliere und das egoistische Verhalten aller Marktteilnehmer letztendlich durch die "unsichtbare Hand" zu paradiesischen Bedingungen für alle Beteiligten führe, ist von der Realität wohl rundum widerlegt worden.

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    • this.
    • 06. September 2011 11:08 Uhr

    Der Grund warum es sich lohnt, liegt an den staatlichen Eingriffen über Subventionen und zuviel billigem Geld!

    • jkluge
    • 06. September 2011 13:01 Uhr

    Es ist leicht, auf das "System" zu schimpfen, und von der Regierung zu verlangen, dass es doch bitte verändert wird.

    Ich habe eine Gegenthese: WIR sind Schuld. Haben Sie etwa noch nie eine Tomate im Supermarkt liegen gelassen, weil sie die falsche Farbe hatte? Oder eine Banane mit braunen Stellen? WIR wollen immer nur das Beste und erzeugen damit dieses Verhalten. Im "System" zeigt sich dann aggregiert unser eigenes Verhalten und wir sind schockiert.

    Wir müssen auf diese Aufnahmen der Müllberge schauen und UNS darin wiedererkennen, nicht die Schuld auf böse Bosse, Spekulanten oder Systeme schieben.

    • MaxData
    • 06. September 2011 14:27 Uhr

    Richtig wäre es die Preise für Lebensmittel drstisch zu erhöhehen und der deutsche Michel das zahlt was die Produktion auch tatsächlich kostet.

    Das macht aber der deutsche Michel nicht weil er sein Pfennig sparen will und beim Discounter einkauft. Und wenn er solche Artikel liest schreit er sofort und laut: Das war nicht ich, das war das System und die FDP und alle anderen, ich bin gut.

    Also lasst uns doch ab morgen einfach mehr für Lebensmittel bezahlen, dann werden die Banenen mit den braunen Flcken billiger und wir kaufen sie dann, weil wir wissen so schlimm sind die gar nicht und paar cent weniger kosten die auch noch.

    • 8ende8
    • 06. September 2011 10:55 Uhr
    2. 125 g

    10 Millionen Kilogramm Lebensmittel bleiben laut Autor jedes Jahr in Deutschland ungenutzt.

    Das sind 125 g pro Bürger.

    Das ist nicht viel! Hat der Autor sich verrechnet und meint Tonnen statt Kilogramm?

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    Laut dem Trailer zum Film müsste es "15 Milliarden Tonnen Lebensmittel" heißen. Da hat der Autor wohl nicht aufgepasst.

    Liebe Leser,

    es sind 15 Milliarden TONNEN Nahrungsmittel, die jährlich in Deutschland im Müll landen. Bitte entschuldigen Sie den Zitationsfehler, die Stelle ist entsprechend korrigiert:

    "Allein in Deutschland blieben 15 Millionen Tonnen Nahrungsmittel pro Jahr ungenutzt, heißt es in der Dokumentation"

    Vielen Dank für Ihr Verständnis.

    Bleiben Sie uns treu,
    Sami skalli

  2. Laut dem Trailer zum Film müsste es "15 Milliarden Tonnen Lebensmittel" heißen. Da hat der Autor wohl nicht aufgepasst.

    Antwort auf "125 g"
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    15 Millionen Tonnen muss das selbstverständlich heißen... :)

    • fanta4
    • 06. September 2011 11:53 Uhr

    Valentin Thurn hat dies gestern in einem Interview auf 3sat erläutert.

    Bei dieser Zahl handelt es sich allerdings um eine Hochrechnung, da in Deutschland kein Händler Auskunft geben will, wie viel er weg wirft.

  3. 15 Millionen Tonnen muss das selbstverständlich heißen... :)

    Antwort auf "Zitiertfehler"
  4. Noch vor nicht all zu langer Zeit, bestand die Welt ausschließlich aus Mangel. Nun haben wir es durch technische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen geschafft ein Großteil der Welt in eine Überflussgesellschaft zu verwandeln. Und Gott lob Erdbeeren zu Weihnachten sind ein Segen. Wer daraus einen Fluch machen will ein Weltbild was vielleicht in den Zeitgeist passt, aber wenig von Intelligenz zeugt.

    Was den Hunger auf der Welt betrifft so wird der nicht durch Almosen und Spenden beseitigt werden. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden Milliarden an Milliarden an Entwicklungsländer überwiesen. All diese Gelder sind in Waffen investiert worden oder liegen auf schweizer Nummernkonten irgend eines Despoten herum. Auch fleißig den eigenen Wohlstand vermehrt haben die unzähligen NGOs die mit diesem Leid ihre Geschäfte finanzieren.

    Wer Hunger in der Welt ernsthaft verhindern will, sorge dafür dass diese Länder einen gewissen Wohlstand erreichen, sprich man Handel mit ihnen betreibt. Der Rest kommt von allein.

    Wer weiterhin auf Entwicklungshilfe setzt, welche eine seichte Form des Rassismus darstellt, zementiert diese Zustände.

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    Es gibt also doch noch ein paar FDP-Jünger in diesem Land, die nach wie vor an die Utopie des "freien Marktes" glauben. Träumen Sie weiter!

    Die Menschheit macht im wesentlichen alles richtig und mmuss nur hier udn da etwas nachbessern - damit sie weiter so ignorant leben und entsprechende statements wie dieses verfassen können...*kopfschüttel*
    Manchen Leuten ist ncihts zu schade um den eignene falschen Lebenswandel zu rechtfertigen, in der regel sind das SOGENANNTE Konservative.

    Zitat:"Und Gott lob Erdbeeren zu Weihnachten sind ein Segen."

    Und sie erdreisten sich Aussagen über die Intelligenz anderer Leute zu machen?

    Warum werden denn in den Entwicklungsländern Entwicklungshilfegelder in Waffen investiert, und warum ist genau das auch im Interesse unserer Konsumgesellschaft?

    Weil wir zu Weihnachten gerne Sekt mit Erdbeeren schlürfen während wir unser neues Handy auspacken, das mit Rohstoffen gebaut wurde die nur so lange billig bleiben wie in den Erzeugerländer Krieg herrscht.

    Zwar stimme ich einiger Ihrer Behauptungen zu, aber die Schuld für jahrzehntelange Bürgerkriege und die Mästung von Despoten gleichsam den einfachen Menschen in den betroffenen Ländern, bzw den NGO die aktiv versuchen die Probleme zu lösen unterzuschieben, ist genau der seichte Rassismus den sie hier anderen unterstellen.

    Handel treiben mit diesen Ländern. Stimmt genau, das wäre eine Lösung. Fairen Handel. Gutes Geld gegen gute Ware, und nicht Waffen gegen Überfluss.

    beste Grüße,

    ein naiver Idealist

    • Apfel-Z
    • 06. September 2011 12:46 Uhr

    Handel treiben? Zum Beispiel den Afrikanern ihre Getreideproduktion abkaufen, weil wir nunmal besser dafür bezahlen können als die Einheimischen? Und ihnen unsere billigen Hühnchen aus Masssenproduktion verkaufen, so dass einheimische Geflügelzüchter aus dem Markt gedrängt werden?

    • this.
    • 06. September 2011 11:08 Uhr

    Der Grund warum es sich lohnt, liegt an den staatlichen Eingriffen über Subventionen und zuviel billigem Geld!

  5. Es gibt also doch noch ein paar FDP-Jünger in diesem Land, die nach wie vor an die Utopie des "freien Marktes" glauben. Träumen Sie weiter!

    Antwort auf "Hilfa Hilfa"
  6. " Die Doku "Taste The Waste" zeigt das Ausmaß der Verschwendung."

    Das ist auch so eine Tragik Deutschlands. Seit Jahrzehnten gibt es und gab es immer wieder mal Mediendokumentationen über Lebensmittelverschwendung in Tonnen. Mehr oder weniger wurde das seit Jahrzehnten ignoriert. Jeder wußte es, weiß es. Man hat es ignoriert.

    Weil die Lebensmittelvernichtung vor allem anderen ein kapitalistisches Moment ist. Lebensmittel werden weggeworfen, weil man die Profite oben behalten will. Wenn man diese kostenlos abgibt, wird weniger gekauft. Obwohl Ärmere diese ansonsten auch nicht kaufen können.

    Man könnte die Lebensmittel den Armen geben, (die Tafeln machen nur einen Anteil aus und die Tafeln haben nicht genug Lebensmittel, wie die Tafeln selbst aussagen. Nach eigenen Aussagen der Tafeln, können sie tlw nicht mehr Arme aufnehmen, weil die Lebensmittel fehlen und manche müssen sie - dokumentiert - praktisch ohne Nahrungsmittel nach Hause schicken, weil keine mehr da sind. Tafeln sind freiwillige Arbeit. Der Staat könnte die Lebensmittelausgabe an Ärmere auch organisieren und die Märkte und Erzeuger verpflichten alle überschüssigen Lebensmittel an soziale Organisationen geben zu müssen.
    Aber in einem kapitalistischen System geht das eben nicht).

    Die Doku macht klar, dass die meisten Lebensmittel tonnenweise weggeworfen werden, bevor sie in den Handel kommen. Also um die Gewinne oben zu halten. dh aus Profitgründen werden die Lebensmittel künstlich verknappt.

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    Wenn ein Anbieter die Tafeln beliefert, muss er es dennoch als Absatz voll besteuern, soviel ich weiß. Dadurch fehlt dem Händler, der oft nur Franchisenehmer ist, der Anreiz. Vielleicht lesen hier Fachleute mit, die sowas ganz genau wissen.

    ...sind der gänzlich falsche Weg. Der Staat hat dafür zu sorgen, dass es keine *Armen* (Leute die kein ausreichendes Einkommen erwirtschaften können) gibt. Dann können die die Waren auch kaufen und müssen sie nicht als Almosen bekommen. Und behaupte niemand, das gänge nicht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Film | Brot | Dokumentation | Klima | Landwirtschaft | Müll
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