Filmfest TorontoFlusslachse als Völkerverständiger

Die Verleihrechte für Lasse Hallströms "Lachsfischen im Jemen" waren heiß umkämpft in Toronto. Die romantische Komödie ist es wert. von Jan Schulz-Ojala

Szene aus "Lachsfischen im Jemen": Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor) watet durch den Fluss.

Szene aus "Lachsfischen im Jemen": Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor) watet durch den Fluss.  |  © Concorde Film

Ein Siegertyp ist er eigentlich nicht. Als Lasse Hallström vor der Weltpremiere seines Films Lachsfischen im Jemen in Toronto auf die Bühne des Princess of Wales Theatre gebeten wird, sagt er nur: "Ich bin sprachlos." Und im Interview antwortet er auf die Frage, ob er ein scheuer Mensch sei, nur: "Ja". Wirklich? "Jaa." Es klingt, als sei er über dieses Bekenntnis fast erleichtert.

Zurückhaltung ist nicht das schlechteste Zeichen für einen gestandenen Mann, vor allem, wenn er sonst allerhand richtig macht. In Lachsfischen im Jemen hat der 65-jährige schwedische Regisseur so viel richtig gemacht, dass manche Verleiher, etwa Concorde aus Deutschland, den Film bereits in Cannes fest gebucht haben, und zwar nur auf der Grundlage des Drehbuchs. In Toronto nun stürzten sich die amerikanischen Film-Einkäufer sogleich in einen hitzigen Bieterwettstreit. Binnen 24 Stunden setzte sich CBS Films durch. Der Preis: fünf Millionen Dollar.

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Das Geld dürfte vernünftig angelegt sein. Simon Beaufoy ( Slumdog Millionär ) hat nach dem Bestseller von Paul Torday ein temporeiches und witziges Drehbuch geschrieben, das sogar einem Billy Wilder gefallen hätte. Die romantische Seite der reichlich verwegenen Story setzen Ewan McGregor und Emily Blunt mit großer Spielfreude um, für den mediensatirische Part ist Kristin Scott Thomas zuständig. Und mit Amr Waked ist der wohl weltschönste Scheich seit Omar Sharif mit im Boot.

Im Boot? Maritime Metaphern ausgerechnet im Jemen? Ganz recht. Dieser Scheich träumt nämlich als moderner Nathan der Weise davon, Orient und Okzident beim kontemplativen Lachsfischen zu vereinen. Ausgerechnet in der Wüste sollen 10.000 schottische Flusslachse völkerversöhnende Dienste tun. Des Scheichs hartnäckigster Gegner: Der Fischereiexperte Dr. Alfred Jones (McGregor), als subalterner britischer Ministerialbeamter bereits an der Grenze zum Wahnsinn angelangt, hält der irrwitzigen Idee eines Staudammbaus nebst Flussanlage die Waffen der fischwissenschaftlichen, klimatologischen sowie ökologischen Vernunft entgegen.

Es ist dann die Überrumpelungskraft zweier Frauen, die Alfred besiegt: Die Pressesprecherin des Premierministers (Scott Thomas) besorgt sich good news in Sachen Nahost zur Not mit der Wucht eines Bulldozers, und die PR-Agentin des Scheichs (Blunt), die auf den nicht ganz staubfreien Namen Harriet Chetwode-Talbot hört, wirkt auf den ermatteten Büromenschen Alfred einfach unwiderstehlich.

Ganz schön altmodisch das alles, und genau darin liegt der Witz. Wie Kristin Scott Thomas ihrer Politpromo-Äffin Zucker gibt, ist wunderbar komisch. Noch süßer allerdings – dabei keineswegs zuckersüß – die anhebende Romanze: Tatsächlich kommt es zwischen Harriet und Alfred zu keinem einzigen Kuss, was es dem brillanten Schauspielerpaar gestattet, die erotische Spannung genüsslich auszukosten. Wann hat es das im Kino zuletzt gegeben – eine Lovestory, bei der es beim Händchenhalten bleibt?

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    • Schlagworte Film | Toronto | Concorde | Drehbuch | Ewan Mcgregor | Jemen
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