Haftstrafe für FilmemacherEin Publikum für das Unrecht

In Iran wurde die Haftstrafe und das Berufsverbot gegen den Regisseur Jafar Panahi bestätigt. Es zeigt, wie totalitär das Regime gegen Künstler vorgeht. von 

Jafar Panahi

Der iranische Regisseur Jafar Panahi in Teheran im August 2010  |  © ATTA KENARE/AFP/Getty Images

Kunstfreiheit ist ein teures Gut. In Iran kostet sie manchen sein künstlerisches Leben. Der Regisseur Jafar Panahi muss für sechs Jahre ins Gefängnis und darf 20 Jahre lang weder seinen Beruf ausüben noch reisen. Wird das Urteil vollstreckt, ist es das Ende eines Filmemachers.

Schon im Dezember 2010 hatte ein iranisches Gericht den Regisseur zu diesen harten Strafen verurteilt , weil Panahi "Propagandafilme gegen die Islamische Republik" gedreht habe. Tatsächlich wollte er mit seinem Kollegen Mohammad Rasoulof einen Film machen über die Massenproteste gegen die Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad im Sommer 2009. Gegen das Urteil war der Regisseur in Berufung gegangen. Seitdem schwebte das Verfahren, Panahi stand unter Hausarrest.

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Der 51-Jährige ist ein sehr erfolgreicher Regisseur. Schon sein Debüt Der weiße Ballon wurde 1995 in Cannes ausgezeichnet; für Offside erhielt er 2006 den Silbernen Bären. Im Februar blieb sein Stuhl in der Jury der Berlinale demonstrativ leer . Im Mai wurde seine jüngste Arbeit, Dies ist kein Film , in Cannes vorgeführt , ein Film, der den Regisseur in seiner Wohnung dabei zeigt, wie er Szenen improvisiert, die er nie drehen durfte, und den er unter abenteuerlichen Umständen ins Ausland schmuggeln ließ.

Nun hat das Berufungsgericht das harte und unrechte Urteil bestätigt. Die Regierung Irans will Angst säen.

Filme zu machen bedeutet, die Welt zu zeigen, wie man sie selbst sieht, die Perspektive des Zuschauers zu hinterfragen oder möglicherweise zu verändern, Bilder zu finden für das, was ist und was sein könnte. Filmemachen ist in Augen autoritärer Machthaber eine höchst gefährliche Angelegenheit.

Drehgenehmigungen für unabhängige Filmprojekte werden in Iran kaum erteilt, Filmschaffende bis ins Privatleben hinein drangsaliert oder für ihr Tun drastisch bestraft. Im Juli wurde die Schauspielerin Pegah Ahangarani verhaftet, die die Oppositionsbewegung unterstützt. Anfang Oktober wurde die Schauspielerin Marzieh Vafamehr zu einem Jahr Haft und 90 Peitschenhieben verurteilt, weil sie in einem Film mit rasiertem Kopf und ohne Kopfbedeckung aufgetreten war. Der Regisseur Mohammad Rasoulof, dessen Film Auf Wiedersehen in Cannes den Preis für die beste Regie erhielt, wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Die Mullah-Regierung will durch Zwang die Menschen nach ihren Moralvorstellungen ausrichten. Das sind Kennzeichen eines nicht nur autoritären, sondern totalitären Regimes. Internationale Proteste bringen Panahi nicht sofort die Freiheit. Aber wenn eine Regierung wie die in Iran die Rechte von Künstlern in dieser Form missachtet, müssen wir umso lauter die Freiheit der Kunst einfordern – so lange, bis das Regime sie beim Abwägen seiner perfiden Machtausübung nicht mehr ignorieren kann.

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Leserkommentare
    • TDU
    • 17. Oktober 2011 15:57 Uhr

    Steckt vermutlich wieder die CIA dahinter. Und einige recherchieren sicher noch die Mc. Carthy Aera, um zu beweisen, dass im Westen alles genauso ist.

    M. E. können System, die alles der Politk unterwerfen, gar nicht anders handeln, selbst wenn sie wollten. Denn Einheit ist das Ziel und die Legitimationsgrundlage der Macht. Nicht Vielfalt, die die Räson in Frage stellen würde, ist gefragt.
    Die Gefahr ist übrigens auch hierzulande gegeben, falls der Grundsatz "alles Private ist politisch" weiter gepflegt wird.

    Dann wird auch des Künstlers Werk als politisch angesehen und es wird versucht werden, ihn "auf Linie" zu bringen. Ich rufe gerne laut nach der Freiheit der Kunst, aber auch hierzulande, denn manchmal weiss man nicht mehr, wer einen hört oder einem "aufs Maul hauen" könnte.

  1. Keine Ahnung, ob das was nützt, es kann aber nicht schaden, den Iranern klarzumachen, dass die Welt von ihren Repressalien weiss:

    http://www.iranembassy.de...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Publikum | Berlinale | Film | Gefängnis | Iran | Schauspieler
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