Was für ein bedrückender Gedanke: Man erwacht aus unruhigen Träumen und ist plötzlich zurückgeworfen in die eigene Vergangenheit. Alles, was man schon einmal erlebt hat, muss nochmals erlebt werden. Was Juliane, gespielt von Nina Hoss, in dem Film "Sommer zu Fenster" widerfährt, macht das Leben über Nacht zu Alptraum und Chance, Labyrinth und Last.

Juliane muss sich noch einmal aus der angenehmen, aber eng gewordenen Beziehung lösen, noch einmal die beste Freundin sterben sehen und – unbedingt – noch einmal die große Liebe finden, weil ihr ebendieser surreale Zeitsprung widerfährt. Bloß: Lässt sich das Leben austricksen? Muss man Schritt für Schritt alles noch einmal exakt so durchleben wie beim ersten Mal oder gibt es Abkürzungen zum Ziel? Biegt man nicht zwangsläufig irgendwann einmal falsch ab und verpasst so die große Liebe um Sekunden?

Es sind eindringlich Fragen, die die österreichische Schriftstellerin Hannelore Valencak in ihrem Roman Fenster zum Sommer aufgeworfen hat und die nun auch Hendrik Handloegtens in seiner gleichnamigen Verfilmung stellt. Doch so schlicht und kunstvoll der Kniff der Erzählung ist, so schwierig sind im Film all die Handlungsstränge auseinanderzuhalten, die da verwoben werden: Juliane wacht also auf, es ist wieder Februar, draußen liegt nicht Finnland in der Sommersonne, sondern Berlin unter Schnee und blöderweise liegt sie auch nicht neben dem frischverliebten Hallodri August (Mark Waschke).


Stattdessen sitzt das Trübsal in Form des langjährigen Freundes Philipp (Lars Eidinger) neben dem Bett, der – anders als Juliane – endlich Kinder, Bürgerlichkeit und Verlässlichkeit will und der sich im jahrelangen Kleinklein der Beziehung zu Juliane aufgerieben hat. Gleichzeitig ist aber auch Emily (Fritzi Haberland), Julianes Arbeitskollegin und Freundin, wieder am Leben, deren Tod Juliane im ersten Durchlauf ihres Lebens mitansehen hatte müssen. Auf Julianes To-Do-Liste landen also drei Aufgaben: 1. Philipp loswerden, 2. Juliane retten, 3. August ein zweites Mal erobern.

Aus dieser Aufgabenstellung lässt sich einiges machen und Handloegtens macht tatsächlich, um es freundlich zu formulieren, sehr viel daraus: eine Komödie, eine Tragödie, eine Liebesschnulze und ein Beziehungsdrama nach Art der Berliner Schule. In einem Augenblick ist der Film albern wie …und täglich grüßt das Murmeltier , dann mysteriös wie The 6th Sense , schlägt um in eine melancholische Variante von Lola rennt , um bald ins Kafkaeske zu stolpern. Dabei überschätzt der Film ein wenig das Spannende an der Frage, ob denn die Liebe stärker sei als ein Bruch im Raum-Zeit-Kontinuum.

Ob seiner vielen Facetten drückt sich der Film davor, Stellung zu beziehen: Gibt es denn nun so etwas wie Schicksal? Oder Bestimmung? Soll man kämpfen oder soll man erdulden? Und was bedeutet all das für den Zuschauer und das eigene Leben – ohne Da Capo?