Film "Das ist kein Film"Panahis jüngste Arbeit läuft in Berlin

Das Video-Tagebuch, das der iranische Regisseur Jafar Panahi trotz Arbeitsverbots gedreht hat, ist nun endlich auch in Berlin zu sehen. von Christiane Peitz

Auf der Berlinale, wo sein Film "Dies ist kein Film" lief, war der Regisseur Panahi nur als Projektion anwesend (auf der Bühne: der Festivalleiter Dieter Kosslick und die Moderatorin Anke Engelke)

Auf der Berlinale, wo sein Film "Dies ist kein Film" lief, war der Regisseur Panahi nur als Projektion anwesend (auf der Bühne: der Festivalleiter Dieter Kosslick und die Moderatorin Anke Engelke)  |  © VALERY HACHE/AFP/Getty Images

Wie dreht man einen Film, wenn man nicht filmen darf? Der iranische Regisseur Jafar Panahi, der im Dezember 2010 gemeinsam mit seinem Kollegen Mohamed Rasoulof zu sechs Jahren Haft sowie 20 Jahren Berufs- und Reiseverbot verurteilt worden war, bat einen Freund, die Kamera auf ihn zu richten. Das Ergebnis heißt This is Not a Film, mit Mojtaba Mirtahmasb als Kameramann und Ko-Regisseur: eine schwarze Tragikomödie gegen die Zensur, 72 zum Weinen komische, dramatische Minuten, gedreht in der eigenen Wohnung im Hochhaus in Teheran. Das Video-Tagebuch wurde auf einem USB-Stick nach Cannes geschmuggelt; mittlerweile war es auf zahlreichen Festivals und in Frankreich regulär im Kino zu sehen. Am 9. November läuft This is Not a Film nun in Berlin.

Dies ist kein Film, aber was für einer. Panahi frühstückt, feilscht am Telefon mit seiner Anwältin um die Wahrscheinlichkeit einer reduzierten Haftzeit, füttert das Haustier der Panahis, die Echse Igi. Er zeigt einen Ausschnitt aus seinem ersten Film Der Spiegel, in dem die Hauptdarstellerin, ein kleines Mädchen, nicht mehr mitspielen will. Er spielt Szenen aus einem seiner von den Behörden abgelehnten Drehbüchern vor: Es geht um eine junge Frau, der die Familie das Studium in Teheran verbietet und die zu Hause eingesperrt wird. Panahi, der unter Hausarrest steht, markiert mit Klebestreifen in seinem Wohnzimmer das imaginäre Gefängnis einer imaginären Filmheldin. Zwei, drei Quadratmeter Iran – Panahi übernimmt den Part der jungen Frau, bis auch er plötzlich nicht mehr mitspielt und abbricht. "Wenn man einen Film erzählen kann, warum soll man ihn dann noch drehen?" Selbst das Aufbegehren gegen die so drastisch gesetzten Grenzen stellt die eigene Arbeit existenziell infrage.

Anzeige

Aber dann macht er weiter. Ein-Mann-Theater gegen die Zensur: Er filmt mit dem Smartphone, fährt mit dem Fahrstuhl, in dem der Hausmeister gerade den Müll einsammelt. So rüttelt er am Berufsverbot. Die Berliner Vorführung hat einen traurigen Anlass. Panahis und Rasoulofs Revision wurde im Oktober abgewiesen. Zwar sitzen sie noch nicht hinter Gittern, aber bereits im September waren Mirtahmasb und weitere Filmschaffende inhaftiert worden.

Künstler und Intellektuelle sind in der Gemengelage zwischen Hardlinern und liberaleren Kräften innerhalb von Ahmadineschads Regime erneut Schikanen ausgesetzt. Wieder werden Exempel statuiert. This is Not a Film ist mehr als ein Appell zur Solidarität: ein gewitzter, zutiefst humaner, bewegender Film über die Kunst, sich das Filmemachen nicht verbieten zu lassen.

9.11., 20.30 Uhr, Kino in der Kulturbrauerei. In Anwesenheit von Dieter Kosslick, Dokumentarfilmer Ali Samadi Ahadi und Fred Breinersdorfer, Projektleiter von "Filmmakers in Prison“

Erschienen im Tagesspiegel

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Herr Pahani, einmal Gratulation für den EU-Preis! Wir hoffen, Ihren Film bald auch hier in Hamburg sehen zu dürfen.

    Ihr,
    AV2010

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Film | Dieter Kosslick | Drehbuch | Festival | Kino | Müll
Service