Dokumentation Des Kubaners Sehnsucht nach der Zukunft

Für "A letter to the Future" wurden über Jahre Kubaner begleitet, ihre Träume aufgezeichnet und deren Scheitern. Der Film ist ein Abschied von der Utopie eines gerechteren Lebens.

A Letter to the Future ist ein melancholischer Dokumentarfilm über die Träume der Menschen in Kuba und das Scheitern dieser Träume. Ein Film über die Alltagsprobleme im real existierenden Sozialismus und ein Film vor allem über die Familie Torres. Sechs Jahre lang ist der brasilianische Filmemacher Renato Martins immer wieder nach Havanna gereist, hat bei der Familie gewohnt und ihr tägliches Leben mit der Kamera begleitet.

Miriam Torres, eine pensionierte Lehrerin, ist die treibende Kraft der vier Generationen umfassenden Familie. Man sieht sie, wie sie in einem Abstellraum einen Gartenschlauch in einen Wassertank legt. Weil die Wasserpumpe in ihrem Haus nicht funktioniert, kommt das Leitungswasser vom Nachbarhaus. "Es ist schwierig", sagt sie, "aber es geht." Auch bei ihnen seien die schlechten Dinge schlecht und die guten gut. "Aber sie sind für alle gut oder schlecht."

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Kritik am System ist 2004, als die Dreharbeiten begannen, nur von außerhalb der Familie Torres zu hören. Juan Carlos Ceppe, der zwei Jahre in Europa gelebt hatte, bekam nach seinem Studium keinen Job und fühlte sich in Kuba wie in einer Falle. Ein paar Jahre später ging es ihm besser, zumindest "was die ökonomische Seite angeht", wie er sagt. Als er am Ende der Dreharbeiten 2010 im Gefängnis sitzt, wird klar, weshalb das so war: Er handelte mit Marihuana.


Es ist ein endloser Kampf, den die Kubaner jeden Tag ausfechten müssen. Renato Martins bebildert ihn mit Aufnahmen aus einer Boxschule, in die Juan Carlos ab und zu geht. Als der Film nach einem Schnitt die tanzenden Mädchen einer Ballettschule zeigt, lässt er den Ton aus der Boxschule weiterlaufen: auch hier wird gekämpft. Viele versuchen die Idee des Sozialismus, die Gleichheit aller, zu verteidigen, aber die kubanische Wirklichkeit zermürbt sie. Mal geht das Licht aus, weil der Strom nicht reicht. Oder Miriam stellt resigniert fest, dass es nach vierzig Jahren Revolution immer noch nur eine Sorte Brot zu kaufen gibt.

Zusammen mit der melancholischen Musik von Leo Gandelmann wird der Film zu einem tragisch-romantischen Abschied von der Utopie einer gerechten Gesellschaft. Eingeblendete schwarz-weiße Schmalfilmaufnahmen der Familie Torres aus den sechziger und siebziger Jahren verlängern ihn in die Vergangenheit hinein. Es entsteht ein Gefühl von Nostalgie nach dem Sozialismus.

Luiz Alberto Monier Ramoz arbeitete für das Erziehungsministerium als Fahrer und sagt: "Wir haben hier gut gelebt. Viele Kubaner sind in den Sozialistischen Block gereist um zu studieren oder zu arbeiten." 2010, am Ende des Films, ist aber auch Luiz Alberto, inzwischen arbeitslos, resigniert. Er sorgt sich um seinen Sohn, der für sich keine Zukunft in Kuba sieht. Aber es sei nicht nur die Jugend, sagt der Alte: "Du fällst in diese Monotonie, es ist immer dasselbe, du rennst herum und stoppst und du kommst da nicht raus. Es ist wie ein Kreis."

Als im Abspann des Films noch einmal Miriam Torres Enkel Julito gezeigt wird, wie er mit seinem Fahrrad Kreise auf einem Parkplatz fährt, scheint es, als seien in diesem Film auch die Erwachsenen Kinder. Sie haben an den Sozialismus geglaubt und fühlen sich nun mit einer unsicheren Zukunft allein gelassen. "Man sagt", meint Luis Alberto, "Kinder sind nicht die Kinder ihrer Eltern, sondern die Kinder der Zeit."

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A Letter to the Future zeigt keine Oppositionellen. Er erwähnt auch nicht die politischen Gefangenen, die in den Gefängnissen Kubas sitzen. Der Name Fidel Castros wird nur ein einziges Mal erwähnt. Aber dieser Film gibt einen tiefen Einblick in das tägliche Leben und den täglichen Kampf auf der Insel nach dem Ende des Ostblocks und nach Aufrechterhaltung des Embargos durch die USA. Er zeigt Kubaner in ihrem Alltag mit ihren Problemen und ihren Wünschen. Deswegen ist A Letter to the Future ein sehenswerter Film.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Danke

    Danke für die Rezension, ich werde mir wohl diesen Film in der Videothek leihen.

  2. schon faszinierend, wie Kubas Lebensluegen genauestens seziert werden, und man damit einen sehr hohen anspruch signalisiert. Habe nichts dagegen.

    Man sollte dasselbe mit Deutschland tun: die rasante verelendung hier gaebe auch eine interessante kulisse fuer solch ein vorhaben ab.

    Anderer vorschlag: warum nimmt sich keiner die karibischen nachbarn kubas vor ? Jamaika, Haiti, Grenada, etc. Oder Laender wie Kolumbien, Guatemala, Mexiko etc ?

    Aber nein, besagte laender sind ja markwirtschaftlich orientierte "demokratien", da schaut man dann nicht so genau hin...

  3. in Kuba Saecke voller abgetrennter Koepfe aus fahrenden autos in die strasse geworfen werden (so üblich in Mexiko).

    Oder wenn dutzende Journalisten ermordet werden (Im vergessenen Honduras).

    Oder in Havanna "Lehmplaetzchen" verkauft werden, wie in Port-au-Prince und anderswo.

    ..ich glaube Sie verstehen mich.

    mit untertänigstem Gruss,

  4. Schade, dass der Hinweis in dem Artikel fehlt, dass der Film im Dezember auf dem 33. Internationalen Filmfestival des Lateinamerikanischen Kinos in Havanna gezeigt wurde.
    So bleibt doch in diesem Artikel der Eindruck hängen in Kuba werde sich nicht kritisch mit der Gesellschaft auseinandergesetzt, bzw. dies könne nur im Verborgenen stattfinden. Jeder Mensch, der längere Zeit dort verbracht hat kann dies widerlegen.
    Ich habe nichts gegen Artikel die Kuba kritisch betrachten, aber manchmal täte ein wenig mehr Information gut, um ein abgerundeteres Bild von Kuba zu zeichnen. Leider ist mein Eindruck, dass auch die ZEIT sich lieber dem Reigen der meisten großen Medien anschließt und Kuba sehr einseitig darstellt. Dabei verdient dieses Land voller Widersprüche so viel mehr als eine einseitige Berichterstattung! (damit sei auch User "gerber55" angesprochen)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Und weil dieses Land so viele freundliche Bewohner hat, die aus der Misere noch das beste zu machen versuchen, sollte ihnen auch Hilfe gewährt werden. So hat eine Reisejournalistin gebrauchte Nähmaschinen gesammelt und diese mit Hilfe der Condor nach Kuba verladen, damit Frauen sich dort eine kleine Existenz aufbauen können. Das Beispiel sollte Schule machen. Dass der Staat Kuba ein "Paria" ist, weil die Amis ihn unterdrücken, muss ja nicht so bleiben. Ich hoffe, dass China sich noch stärker engagieren wird.

    Und weil dieses Land so viele freundliche Bewohner hat, die aus der Misere noch das beste zu machen versuchen, sollte ihnen auch Hilfe gewährt werden. So hat eine Reisejournalistin gebrauchte Nähmaschinen gesammelt und diese mit Hilfe der Condor nach Kuba verladen, damit Frauen sich dort eine kleine Existenz aufbauen können. Das Beispiel sollte Schule machen. Dass der Staat Kuba ein "Paria" ist, weil die Amis ihn unterdrücken, muss ja nicht so bleiben. Ich hoffe, dass China sich noch stärker engagieren wird.

  5. Und weil dieses Land so viele freundliche Bewohner hat, die aus der Misere noch das beste zu machen versuchen, sollte ihnen auch Hilfe gewährt werden. So hat eine Reisejournalistin gebrauchte Nähmaschinen gesammelt und diese mit Hilfe der Condor nach Kuba verladen, damit Frauen sich dort eine kleine Existenz aufbauen können. Das Beispiel sollte Schule machen. Dass der Staat Kuba ein "Paria" ist, weil die Amis ihn unterdrücken, muss ja nicht so bleiben. Ich hoffe, dass China sich noch stärker engagieren wird.

    Antwort auf "Film lief in Havanna"

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