Black-Power-DokumentarfilmAuf den Frühling folgt bald die Depression

"Black Power Mixtape" dokumentiert die Entwicklung der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Es werden Parallelen zu den gesellschaftlichen Umbrüchen heute sichtbar. von 

Eine abgebrochene amerikanische Fahne, verwahrloste und leerstehende Gebäude, ein kleiner Junge der scheinbar ziellos einen brüchigen Bürgersteig entlangläuft – es sind Bilder des Verfalls, mit denen der schwedische Regisseur Göran Olsson seinen Dokumentarfilm The Black Power Mixtape enden lässt.

Erzählt wird hier die Geschichte der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA. Olsson verwendet Original-Material, das 30 Jahre lang in Archiven des schwedischen Fernsehens brachlag. Die Filmsequenzen aus den Jahren 1967 bis 1975, die in The Black Power Mixtape kritisch neu zusammengestellt werden, zeigen so schillernde Protagonisten der Black Community wie Angela Davis oder Stokely Carmichael.

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Kommentiert werden die Bilder auf der Tonebene vom Regisseur selbst, den Protagonisten von damals sowie bedeutenden Afroamerikanischen Musikern der jüngeren Generation: darunter die Sängerin Erykah Badu, der Rapper Talib Kweli und der Schlagzeuger von The Roots, Questlove.


Entstanden ist eine mehrschichtige Arbeit, in der das Erzählen über das Erzählen konsequent als filmisches Verfahren angewandt wird. Das funktioniert über weite Strecken gut. Doch Leben haucht Black Power Mixtape sein zugrunde liegendes Material ein. Als der ehemalige Vorsitzende des Student Nonviolent Coordinating Committee , Stokely Carmichael, auf einer Pressekonferenz gefragt wird, ob er Angst hätte, ins Gefängnis gesteckt zu werden, antwortet er: "Ich bin im Gefängnis geboren." Carmichael, der in seiner Schrift Black Power den Begriff des "institutionalisierten Rassismus" prägte, gibt mit dieser Antwort den erzählerischen Duktus vor, der die Dokumentation durchzieht und bestimmt: Die Weißen haben die Afrikaner versklavt, nach Amerika deportiert und dort als Menschen zweiter Klasse in Unfreiheit belassen. Sie taten dies, indem sie ihnen den Zugang zu Ressourcen wie grundlegenden Bürgerrechten, Bildung oder Gesundheitsversorgung vorenthielten.

In einer späteren Interview-Sequenz wird Angela Davis von einem schwedischen Journalisten gefragt, ob sie Gewalt gutheiße. Die Aktivistin sitzt zu dieser Zeit in Haft, sie muss fürchten, zum Tode verurteilt zu werden. Mit bebender Stimme entgegnet sie dem Reporter: "Die Gewalt wurde uns angetan. Wie können sie es wagen, mir eine solch dumme Frage zu stellen."

Die Brisanz des Materials liegt darin, dass es den schleichenden Niedergang der Protestbewegung zeigt. Nach den Attentaten auf Martin Luther King, Malcolm X und Robert Kennedy zerbricht etwas in der Bürgerrechtsbewegung. Ein junger Mann auf der Straße brüllt in die Kamera des schwedischen Fernsehens: "Es gibt keine Zukunft!" An anderer Stelle heißt es: "Sie haben uns den Krieg erklärt!" Der emanzipatorische Diskurs schlägt aus Hoffnungslosigkeit in – zunächst verbale – Gewalt um.

Leserkommentare
  1. als ich mit dem Thema Appartheitspolitik der US Obrigkeit und den dazugehörenden Rassenunruhen konfrontiert wurde.
    Ich las 1971 das Buch von George Jackson "In die Herzen ein Feuer". Das Buch beschrieb die Lage der "Schwarzen" in USA anders, als die damaligen Fernsehsendungen.
    Jackson wurde ins Gefängnis gesteckt, weil ihm der Überfall auf eine Tankstelle vorgeworfen wurde. Ob zu Recht oder Unrecht sei hier nicht der Diskussionsgrund. Wohl aber das Gerichtsurteil. Er bekam 1 Jahr bis Lebenslänglich. Das bedeutete für Ihn, dass er sich gut führen mußte, um entlassen zu werden. Tatsächlich standen die "Aktien" für einen Neger im Gefängnis schlecht, weil weiße Aufseher innerhalb eines Jahres immer Gründe für eine "Verlängerung" fanden. Ich leistete 1971 meinen Wehrdienst ab, wobei dieses Buch meine "heile Welt" deutlich störte.

  2. kommentiert einen Film von einem Schweden über die Blackpower Movement. Das ist doch lustig!

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    daran lustig? Der Film wird ja auch in den hiesigen Kinos gezeigt werden. Im Übrigen hat man in Deutschland *auch* mit Rassismus zu kämpfen, glauben Sie, das wird in anderen Ländern nicht diskutiert?

  3. daran lustig? Der Film wird ja auch in den hiesigen Kinos gezeigt werden. Im Übrigen hat man in Deutschland *auch* mit Rassismus zu kämpfen, glauben Sie, das wird in anderen Ländern nicht diskutiert?

    Antwort auf "Eine deutsche Zeitung "
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    für die Produktion gegeben hat, werden Sie verstehen, warum es lustig ist, und warum der Artikel in der Zeitung steht. Es geht nicht um Rassismus in Europa, sondern über Gespenster aus den 1960gern. Angela Davis, die ich ja liebe, ist mittlerweile Prof. an einer Uni. In den 60gern hätte man sie nie interviewt. Das ist alles nur für die Belustigung der hiesigen Massen gemeint. Also finde ich das alles eben doppel-lustig.

    • dëfr
    • 13. Dezember 2011 22:41 Uhr

    Hab mich wirklich gefreut, dass dem Film hier so positiv Aufmerksamkeit geschenkt wird! Prima!

  4. für die Produktion gegeben hat, werden Sie verstehen, warum es lustig ist, und warum der Artikel in der Zeitung steht. Es geht nicht um Rassismus in Europa, sondern über Gespenster aus den 1960gern. Angela Davis, die ich ja liebe, ist mittlerweile Prof. an einer Uni. In den 60gern hätte man sie nie interviewt. Das ist alles nur für die Belustigung der hiesigen Massen gemeint. Also finde ich das alles eben doppel-lustig.

    Antwort auf "Was ist denn"
  5. Ich habe mich in letzter Zeit wiederholt mit Angela Davis beschäftgit und verwundere mich, daß über sie so wenig in den Medien erscheint. Sie wurde vor kurzem mit dem Blue Planet Award 2011 von ethicon ausgezeichnet. Dafür kam sie extra nach Deutschland und gab ein Interview im Berliner Occupy-Camp:

    http://freundeskreis-videoclips.de/asamblea-mit-angela-davis/

    Ferner gab es ein Lied von dem kürzlich verstorbenen F.J. Degenhardt, in dem er für Solidarität mit zwei ermordeten Gewerkschaftsführern (Sacco und Vanzetti) und Angela warb. Damals saß sie in der Todeszelle und war vom FBI zu einer der zehn (!) gefährlichsten Personen der USA erklärt worden. Sie ist heute übrigens Professorin für Philosophie, und sie wünschte ich mir als *Ratgeber-* Philosophin über alle Grenzen hinweg!

    Der Besprechung des Films hier fehlt weitgehend der Bezug zur Gegenwart (insofern gebe ich dem Eindruck vom Foristen ereignend recht). Dieser wird verstärkt hergestellt in einem Fernsehbericht in Artes Kulturmagazin *metropolis*:

    http://videos.arte.tv/de/videos/metropolis-4298104.html

    Sehr wichtig und der Aufarbeitung harrend ist in diesem Zusammenhang die Drogenproblematik. Der Film zeigt (in seinen bisherigen Ausschnitten) sehr deutlich, daß amerikanische Geheimbehörden hier ihr schmutziges Geschäft betrieben zwecks Ruhigstellung der unzufriedenen breiten Masse der Schwarzen. CIA und Drogen, war da nicht noch etwas bzw. ist es noch?

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