Film "Habemus Papam" Der Gottesvertreter menschlich gesehen
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 Morettis Vision von einem menschlicheren Vatikan

Habemus Papam ist bis in die Nebenrollen exzellent besetzt. Der innerlich zerrissene Papst wird von einem überragenden Michel Piccoli verkörpert. Er zeigt ihn als alten Mann, der vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens steht und dadurch mit lang verschütteten Aspekten seines Wesens wieder in Berührung kommt. In Piccolis zurückgenommenen Spiel mischen sich Demut, Altersnaivität und uneingelöste Lebenswünsche. Die Szenen seiner stillen Flucht durch Rom, durch das er wie ein Fremder wandelt, kontrastieren mit den komischen Ereignissen im Vatikan. Dort organisiert der leicht überspannte Psychoanalytiker, der von Moretti selbst gespielt wird, ein Volleyballturnier für die Kardinäle. 

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Überhaupt die Kardinäle. Moretti zeigt sie als Klub älterer Herrschaften, die am Abend Karten spielen, ihre Pillen nehmen, auf dem Hometrainer sitzen oder puzzeln. Etwas schrullige Figuren, die sich fern vom Alltag bewegen. Von Intrigen und Machtkämpfen innerhalb der Kurie keine Spur. In einer Szene tanzen die Monsignori gar zu Mercedes Sosas legendärem Lied Todo cambia – es ist ein Moment schwebender Kinoleichtigkeit, wie die Sosa singt, dass alles sich beständig wandelt und die katholische Kirche sich mit diesem Wandel in der Realität doch sehr schwer tut. 

Moretti kritisiert die Kirche nicht, über deren dunkle Seiten könne man sich anderweitig ausreichend informieren. Stattdessen stellt er der heute üblichen Kirchenschelte seine Vision von einem menschlicheren Vatikan entgegen. Die katholische Kirche nähme keinen Schaden, wenn sie sich damit auseinandersetzte.

 
Leser-Kommentare
    • 3cpo
    • 09.12.2011 um 10:44 Uhr

    toller Film. Michel Piccoli spielt die Rolle seines Lebens. Das absolute Highlight 2011.

    Eine Leser-Empfehlung
  1. Die Kritik trifft sehr gut in allen Feinheiten diesen sehenswerten Film. Wie geschrieben wurde, sind die Aufnahmen des Ausstattungspomps des Klerus ebenso sehenswert wie die der historischen Bauten. Nanetti hat jedoch die Szenen der Papstwahl im Palazzo Farnese dem wunderschönen Palazzo, der heutigen französischen Botschaft, aufgenommen. Die frz. Botschaft ließ Wochen in ihren Räumen drehen.
    Ein Augenschmaus im trüben Advent für Atheisten und Gläubige!

  2. Hallo, ich bin Italiener, ich weiß, auch die Außenseiter-Film meines Landes.
    Ich möchte diesen Film loben, denn je mehr Bücher und Filme gegen die Kirche hergestellt werden, sind mehr Menschen katholischen Konvertiten. Dank Atheisten.
    Salve, sono italiano , io sò bene il cinema dissidente del mio paese.
    Voglio esaltare questo film perchè più si producono libri e film contro la chiesa cattolica, più la gente si converte. Grazie Atei.

    • Reisel
    • 19.12.2011 um 16:00 Uhr

    Moretti hatte nach meiner Meinung einen guten Einfall. Der designierte Papst sieht sich der Aufgabe nicht gewachsen. Was hätte man aus dieser Idee nicht alles machen können. Zumal Piccoli wirklich herausragend spielt. Auch die Kardinäle sind wunderbar getroffen und mit wunderbaren Einfällen dargestellt. Dann aber kommt die Kritik: Leider hat es Moretti nicht verstanden, diese beiden Erzählungssträngen ausreichend Platz zu geben. Stattdessen reserviert er die Hälfte des Films (meine grobe Schätzung) seinem narzistischen Auftritt. So ließ mich der Film gespalten und letztlich enttäuscht zurück. Was hätte man alles aus diesem Film machen können...

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