Weihnachten auf DVD: Kinder, schaut, es weihnachtet!
Warten auf Heiligabend gehört zu den schönsten Kindheitsqualen. Filme können das Leiden hin und wieder lindern. Diese Auswahl kann dabei helfen.
Ronja Räubertochter entführt in eine ganz andere Winterwelt. Das Mädchen kommt in einer Gewitternacht auf der Mattisburg zur Welt, dem Versteck einer Räuberbande – sie ist die Tochter des schrulligen Räuberhauptmanns Mattis und seiner energischen Frau Lovis. In derselben Nacht teilt ein Blitz die Burg entzwei, was bereits den zukünftigen Generationenkonflikt erahnen lässt. Die unerschrockene, oft heftig fluchende Ronja ("Potz Blitz und Pestilenz!") wächst heran, erkundet den Wald und macht Bekanntschaft mit Graugnomen, Rumpelwichten und anderen Waldgeistern.
Eines Tages trifft sie auf Birg, den gleichaltrigen Sohn des Räuberhauptmanns Borka. Dessen Bande hat den abgespaltenen Teil der Burg besetzt und ist verfeindet mit Ronjas Vater. Allem Hass zum Trotz freunden sich die Kinder an und sind bald unzertrennlich. Es gelingt ihnen schließlich, die Räuberbanden zu versöhnen, doch eines ist klar: Anderen Menschen etwas wegnehmen, wie es ihre Väter tun, das werden Ronja und Birg "nie im Leben!"
Die Geschichte von Astrid Lindgren ist auch in der Verfilmung aus dem Jahr 1984 unvergänglich schön und zeigt Ronja und Birg als gewitzte Ausreißer, die im Einklang mit der Natur ihren eigenen Weg finden.
Ebenfalls aus Skandinavien kommt
Wunder einer Winternacht
. Dieser herzergreifende Film des finnischen Regisseurs Marko Leino (2007) wird vom Weihnachtsmann selber erzählt: Er schildert seine Lebensgeschichte und liefert damit nach und nach Antworten auf alle Fragen rund um den mysteriösen Päckchenbringer. Wovon bezahlt er die ganzen Geschenke? Warum trägt er Rot? Warum sagt er "ho, ho, ho"? Hat er eine Familie? Und vor allem: War der Weihnachtsmann mal ein Kind?
Darf man Marko Leino glauben, war er das. Sein Name war Nikolas, und er lebte vor Hunderten von Jahren in einem Fischerdorf in Finnland. Als seine Eltern und seine kleine Schwester Ada im Eis einbrechen, bleibt er allein zurück. Sechs Fischerfamilien nehmen den Waisenjungen jeweils für ein Jahr zu sich und reichen ihn weiter, immer an Weihnachten. Aus Dankbarkeit schnitzt Nikolas Holzfiguren für alle Kinder seiner Ersatzfamilien, stellt sie ihnen an Weihnachten vor die Tür – und erfindet damit das Weihnachtsgeschenk. Im siebten Jahr wird er von einem bösen Tischler aufgenommen, der ihn für sich schuften lässt, aber letztlich ein Lehrmeister und zweiter Vater für ihn wird.
Wunder einer Winternacht ist frei von Klamauk. Er zeigt Nikolas als stilles, tapferes Kind und zurückgezogenen Erwachsenen – als Einsiedler, dessen größtes Glück es ist, anderen etwas zu geben. Für jüngere Kinder könnte dieser gefühlvolle Film vielleicht zu traurig sein.
Kaum Gefühl dafür viel Action bietet Der Polarexpress (USA, 2004), ein computeranimierter Film, bei dem ein Junge auf eine Zugfahrt zum Nordpol geht, um herauszufinden, ob es den Weihnachtsmann gibt. Denn daran hegt er große Zweifel. In der Nacht vor der Bescherung hält der Polarexpress vor dem Zuhause des Jungen in Michigan. Er steigt ein, nur bekleidet mit Pyjama, Puschen und einem blauen Bademantel. Bis zur Ankunft des Zauberzuges in der Paketzentrale des Weihnachtsmannes am Nordpol muss der Junge verschiedene Prüfungen bestehen, zum Beispiel indem er bei voller Fahrt über das schneebedeckte Zugdach zur Dampflok klettert, um einem Mädchen aus der Klemme zu helfen. Zum Schluss hat er nicht nur zwei gute Freunde unter den Mitreisenden gefunden, sondern auch seinen Glauben an den Weihnachtsmann.
Die Figuren (keine von ihnen trägt einen Namen) bleiben unnahbar, blass und sind in ihren Bewegungen roboterähnlich. Trotzdem macht Der Polarexpress Spaß, etwa wenn steppende Kellner und Flickflack schlagende Köche den jungen Passagieren heiße Schokolade servieren. Besonders spannend ist eine täuschend echte Achterbahnfahrt durch die Gletscherschlucht.
Ein moderner Animationsfilm in 3D und empfehlenswert – nicht nur zur Weihnachtszeit – ist Der Gestiefelte Kate r (USA, 2011), soeben im Kino angelaufen. Die Hauptfigur ist ein rot getigerter Kater mit Lederstiefeln, Schlapphut und Degen – eine wilde Mischung aus der Märchenfigur und Zorro, Actionheld und Flamencotänzer. Mit spanischem Akzent nennt er sich selber "flausssiger Don Juan, Katzanova und rrroter Rrrabauke" und bestellt in Bars stets "ein Glas leche ". Die meiste Zeit seines Lebens hat der Kater damit verbracht, Katzendamen für sich zu gewinnen und fiese Menschen zu bestehlen.
"Was soll ich sagen, ich war ein böses Kätzchen", gesteht er reuevoll und will nur noch ein letztes Ding drehen, um alles wieder gutzumachen: Er lässt sich dazu breitschlagen, mit seinem Jugendfreund Humpty Dumpty (ein sprechendes Ei mit Armen und Beinen) und der gewieften Kitty Samtpfote die legendären Zauberbohnen zu suchen, um als Held in sein Dorf San Ricardo zurückkehren zu können. Was er nicht ahnt: Der Eierkopf hat in Wahrheit etwas ganz anderes vor…
Ein Film über die Freundschaft, mit großartig animierten Figuren und Actionszenen und voll von witzigen Einfällen, etwa wenn die drei Gefährten von der emporschießenden Bohnenpflanze über die Wolken getragen werden und sich dort oben gegenseitig mit Wolkenfetzen bewerfen. Obwohl die Geschichte kaum etwas mit der Märchenvorlage zu tun hat und nicht immer schlüssig ist, weiß doch am Ende jedes Kind: "Señor Kater, er ist ein Held. Mut und Tapferkeit sind keine Frage der Größe."
Für manche – auch Erwachsene – beginnt die Weihnachtszeit noch heute erst, wenn Aschenbrödel ihren Prinzen gefunden hat und sie händchenhaltend durch den Schnee reiten, so wie es alle Jahre wieder im Dezember auf den Fernsehbildschirmen zu verfolgen ist. Die Märchenverfilmung Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ist eine Koproduktion von DDR und Tschechoslowakei aus dem Jahr 1973 und erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die nach dem Tod ihres Vaters ein mühseliges Dasein auf dem Gutshof ihrer Stiefmutter fristet, während ihre Stiefschwester in feinen Kleidern herumstolziert.
Aschenbrödels Situation verändert sich, als sie drei Zaubernüsse geschenkt bekommt. Zielstrebig verwendet sie diese Nüsse dafür, ihre Liebe zu erobern – den Sohn des Königs. Mit der ersten Nuss wünscht sie sich ein Jägeroutfit und beeindruckt den Prinzen mit ihrer Schießkunst. Mit der zweiten Nuss wünscht sie sich ein Ballkleid und verdreht dem Prinzen beim königlichen Ball die Augen. Die dritte Nuss schließlich zaubert ihr ein Hochzeitskleid herbei, in dem sie dem begriffsstutzigen Prinzen erneut gegenübertritt und beweist, dass sie diejenige ist, die nach dem Ball ihren Schuh auf der Treppe verlor. "Unser Aschenbrödel!", jubeln daraufhin die Anwesenden, und der Prinz sagt: "Auch meins, wenn du mich willst."
Kitsch oder Kult – die Meinungen gehen auseinander. Sehenswert auch für Kinder ist der Film aber auf jeden Fall.






Obligatorischer Film zu Weihnachten, egal ob für Jung oder Alt:
http://www.youtube.com/wa...
auch obligatorisch
Der kleine Lord
Der Junge in "Ronja Räubertochter" heißt "Birk", nicht "Birg". Vielleicht eine falsche Ableitung aus dem Namen "Birger"?
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